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Das Gesicht hinter Gondel TV: Thomas Röseler hat auf seinem Blog bereits mehr als 1.000 Bilder veröffentlicht. 900 Menschen folgen ihm.

Thomas Röseler von Gondel TV

Bloggen, sammeln, programmieren

"Warum fahren die Gondeln in den Stationen langsamer als auf der Strecke? Das war die Grundfrage, die meine Leidenschaft ausgelöst hat."

 

Die Kampenwandbahn im bayerischen Chiemgau war der Auslöser. Das weiß Thomas Röseler noch genau. Dort wurde er mit sechs Jahren vom Seilbahnfieber gepackt, das ihn seitdem nicht mehr loslässt. „Mit zwölf wollte ich dann endlich der Frage auf den Grund gehen, warum die Gondeln in den Stationen langsamer fahren, als auf der Strecke“, sagt der gebürtige Oberfranke.

 

Deshalb nötigte Röseler seine Eltern, jedes Jahr mindestens zweimal Urlaub in den Bergen zu machen – im Sommer wie im Winter. „Dort schoss ich Fotos und Videos von interessanten Anlagen und sprach mit den Betriebsleitern“, berichtet der mittlerweile 17-jährige Schüler. Zudem las er sich immer mehr in die Seilbahnmaterie ein und recherchierte Fotos, Videos und technische Details bei Herstellern, Skigebieten und in der Fanszene. So kam in rund vier Jahren ein ganzer Berg an Material zusammen.

Gondel TV mit knapp 900 Followern

„Im November 2016 beschloss ich daher, meine Leidenschaft – und damit mein Material – mit anderen zu teilen“, erklärt Röseler. Der Instagram-, Facebook- und Youtubeblog „Gondel TV“ war geboren. Mittlerweile folgen dem Blog knapp 900 Menschen – Tendenz steigend. „Dank der sozialen Medien wächst die Fanszene für Seilbahnen – und vernetzt sich immer stärker“, schließt der Bamberger aus seiner eigenen Erfahrung. Denn der Seilbahnfan lernte über seinen Blog schnell viele Gleichgesinnte kennen, etwa die Blogger von „Seilbahntechnik.net“, Betreiber von Modellskigebieten oder Sammler von Seilbahnteilen.

 

„Mit Florian Krammel traf ich zudem einen professionellen Fotografen, der mit mir zusammenarbeitet und einige neue Seilbahn- Dokumentationsprojekte realisieren will“, sagt Röseler. Krammel sei als Augsburger fl exibler und näher an den Bergen, während er als Oberfranke seine Fototermine auf drei Bergurlaube im Jahr beschränken muss. Trotzdem kamen so bisher mehr als 1.000 Bilder von rund 80 Bahnen zusammen. Zudem hat Röseler einige Videos und kurze Beiträge über technische Details veröffentlicht.

Fokus: „Nostalgie-Schmankerl“

„Gondel TV“ bildet vor allem möglichst alte und seltene Bahnen ab. „Ich fokussiere mich auf ‚Nostalgie-Schmankerl‘, also Bahnen, die bald ersetzt werden sollen“, erklärt der 17-Jährige. Doch auch „modernere“ Bahnen behandelt sein Blog – vorausgesetzt sie weisen eine Besonderheit auf, wie etwa die erste 3S-Bahn der Welt in Saas-Fee. Röselers Lieblingsbahn ist – wie könnte es anders sein – die Kampenwandbahn, also die Anlage, welche vor elf Jahren seine Leidenschaft entfacht hat.

„Zudem möchte ich die weltweit letzte Von-Roll-Sesselbahn im tschechischen Krupka in meinem Blog aufnehmen“, sagt Röseler. Rund vier Stunden pro Woche, vornehmlich am Sonntag, sichtet der angehende Abiturient seine Bilder, Videos und Infomationen, die er im vergangenen Urlaub gesammelt hat. Dann bereitet er das Material auf und veröffentlicht es regelmäßig auf seinen drei Social-Media- Kanälen. Die Kosten für sein Hobby halten sich in Grenzen, insbesondere, da die Besuche der Bahnen im Rahmen des Familienurlaubs stattfi nden. „Das kann sich aber ändern, wenn ich mit 18 auf eigene Faust in die Berge reise. Dann werden Seilbahnen den Hauptteil meines Urlaubs ausmachen“, glaubt der Oberfranke.

Bahnen digital nachgebaut

Zuhause in Bamberg tröstet sich Röseler auch mit dem Spiel „Scrap Mechanic“ über die seilbahnfreie Zeit in seinem Leben hinweg: „Ich baue mithilfe kleiner Bausteine echte Seilbahnen digital nach.“ Als Vorbilder dienen Bahnen von Doppelmayr und Von Roll. Dabei sind schon mehrere MGDs, eine 3S Bahn und eine VR101 Seitwärtssesselbahn entstanden. „Für eine möglichst realistische Optik und Funktionalität programmiere ich sogar einzelne Teile selbst“, berichtet Röseler. Rund 300 Stunden hat der 17-Jährige schon für sein zweites großes Hobby aufgewendet. „Das Spiel dient als Ersatz für die echten Bahnen“, betont er.

Klemmen als Herzstück einer Bahn

Doch digitale Bausteine können für den Seilbahnfan nie reale Teile ersetzen. Deswegen hat Röseler zusätzlich damit begonnen, Seilbahnklemmen zu sammeln. „Eine Klemme ist das Herzstück einer Bahn – und ein schönes Souvenir“, schwärmt der Oberfranke. Es gebe vor allem bei alten Anlagen viele, technisch einzigartige Seilbahnklemmen, weshalb er sofort mit Betriebsleitern Kontakt aufnimmt, wenn er erfährt, dass diese planen eine alte Bahn zu ersetzen oder abzubauen. „Ich möchte wissen, wie die Klemmen früher funktioniert haben“, begründet Röseler sein drittes Seilbahn-Hobby. Zwar stehe er mit lediglich drei Seilbahnklemmen noch am Anfang seiner Sammlung, doch diese habe es bereits in sich: „Neben einer VR101 und einer Müller- Klemme, welche ich im Sommer aus der Schweiz abhole, ist vor kurzer Zeit auch noch eine bistabile Spiralfederklemme von Doppelmayr in meine Sammlung gekommen.“

Vielfältige Leidenschaft: 1 Thomas Röseler beim Schneiden für Gondel TV 2 Sein liebstes Sammlerstück, eine umgebaute DS Klemme aus Ischgl 3 Seine Lieblingsbahn in Scrap Mechanic, ein Modell einer 10-MGD von Doppelmayr 4 & 5 Seine Lieblingsbilder von Gondel TV. Fotos: Thomas Röseler/privat

Traumjob Seilbahn-Monteur

All seine Hobbys sollen natürlich in eine entsprechende berufliche Zukunft münden. „Nach dem Abitur würde ich gerne in der Seilbahn-Montage oder im externen Kundendienst arbeiten. Mich reizt es, draußen zu arbeiten, Überraschungen zu erleben und neue Problemlösungen in luftiger Höhe zu finden“, sagt der 17-jährige Schüler. Röseler möchte seine Leidenschaft aus der Kinderheit in seinem Beruf weiterleben – oder wie er es treffend formuliert: „Seilbahnen montieren ist Lego spielen für Männer!“ ts