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Die Route der neuen Vierersesselbahn verläuft auf der Cimalegna-Hochebene im Piemont.

Seilbahn im Natura 2000-Gebiet

Präzedenzfall in Monte Rosa

Das Skigebiet Monte Rosa hat das Unmögliche möglich gemacht: Den Bau einer Vierersesselbahn in einem Natur-2000-Schutzgebiet – mit zahlreichen Studien, vielen Umweltschutzmaßnahmen und sechs Jahren Genehmigungsverfahren.

 

Ausgerechnet in einem hochsensibelen Natura-2000-Umweltschutzgebiet hat die Skiregion Monte Rosa 2017 eine neue Vierersesselbahn errichtet. Die Anlage befindet sich auf der italienischen Cimalegna-Hochebene, einem dreieckigen Gletscherplateau, das vom Grenzkamm zwischen Piemont und Valle d‘Aosta in Richtung Piemont führt.

 

„Sechs Jahre Genehmigungsverfahren auf verschiedenen Bühnen und fünf Monate für den Bau auf bis zu 3.000 Metern Höhe liegen hinter uns“, berichtet Claudio Francione, Technischer Leiter des Skigebiets Monte Rosa. Für ihn ist der Bau der Anlage „Cimalegna-Passo dei Salati“ ein wichtiger und positiver Präzedenzfall, um eine neuen Seilbahn in einem ökologisch hochsensiblen Gebiet zu errichten und gleichzeitig die Pflanzen- und Tierwelt zu schützen, zu pflegen und wissenschaftlich zu untersuchen.

Das Analysegebiet wurde in Parzellen, Subparzellen & Diagonalen eingegrenzt.

Das Bauprojekt war zahlreichen Genehmigungsverfahren unterworfen, etwa dem normalen Seilbahngenehmigungsverfahren, der Bewertung der integrierten Umweltverträglichkeit und der strategischen Umweltprüfung.

 

„Wir mussten EU-Richtlinien, italienische Rechtsvorschriften, sowie Gesetze der Region Piemont berücksichtigen“, berichtet Francione.

 

Dadurch waren eine Vielzahl an Behörden und Verbänden an dem Genehmigungsprozess beteiligt, wie etwa die Umweltdirektion der Region Piemont, lokale Behörden (Gemeinde, Provinz, Bergunion), die regionale Umweltschutzbehörde, das Dekanat für Landschafterbe, das Unternehmen Monterosa 2000 S.p.A, sowie weitere externe Berater. Das gemeinsame Ziel: Eine Seilbahn im Natura-2000 Gebiet.

Seltene Pflanzen und Schneehühner

Zahlreiche Untersuchungen waren Teil des sechs Jahre langen Genehmigungsprozesses, denn „die sorgfältige Analyse der Habitatkomponenten ist entscheidend für eine korrekte integrierte Planung“, betont Francione. Deswegen wurde in einem 20 Meter breiten Korridor an jeder Seite der Bahnstrecke eine Bestandsaufnahme der Lebensräume erstellt und Lösungsansätze zur Begrenzung der Auswirkungen formuliert.

 

„Dazu führten wir mit Forschern der Universität Turin und der Umweltdirektion der Region Piemont Analysen für Boden, Vegetation, Tierwelt, Permafrost und Wasser durch“, erklärt der Technische Leiter von Monte Rosa. Dabei wurden diverse geschützte Pflanzen- und Tierarten nachgewiesen – vor allem eine große Schneehuhnpopulation.

Sorgfältig pflanzten die Mitarbeiter die Prärie-Samen mit dem Staubsauger um (oben) und entsorgten die bewachsenen Erdschollen per Hand.

Transplantieren & Entsorgen

Auf Basis der Analysen ergriffen die Verantwortlichen während der Bauphase entsprechende Maßnahmen. „So mussten wir Pflanzenschollen unterschiedlicher Größe, meist 30 auf 30 Zentimeter, rasch verpflanzen. Dazu schufen wir geeignete Flächen, die in die Ausgrabungsarbeiten einbezogen wurden“, schildert Franzione die Vorgehensweise.

 

Während die Präriesamen transplantiert wurden, ließen die Bauherrn bewachsene Erdschollen entsorgen. Um die Tiere so selten wie möglich zu stören, erstellten die Bauherrn einen Zeitplan rund um deren Fortpflanzungszeiten. Damit Schneehühner und andere Vögel sich nicht an der Seilbahn verletzen, wurden gut sichtbare Kabel installiert.

 

Außerdem ergriff das Skigebiet Monte Rosa vorab Maßnahmen, die das Skifahren abseits der Piste verhindern und die Wintersportgäste sensiblisieren sollen. „Sowohl damals beim Bau als auch jetzt im Betrieb achten wir darauf, die temporären und permanenten Tätigkeiten im Schutzgebiet auf ein Minimum zu reduzieren“, so Francione.

Zum Schutz der Schneehühner wurden gut sichtbare Kabel installiert. Fotos: MONTE ROSA

Akzeptable Kostensteigerung

Insgesamt sechs Jahre lang dauerte das Genehmigungsverfahren, der Bau selbst nahm fünf Monate in Anspruch. Neben der Seilbahn wurden 17 weitere Projekte realisiert.

 

Die Entwicklung von Flora, Fauna und Permafrost werden auch nach dem Bau weiter überwacht, wodurch nachhaltig positive Effekte für Umweltschutz und Wissenschaft entstehen.

 

Das Skigebiet Monte Rosa profitiert primär von der deutlich erhöhten Transportkapazität, der Lösung kritischer Gästeflüsse und der optimalen Nutzung der Pisten im Vallone dell‘Olen und der Cimalegna- Hocheben.

 

„Zudem war die Kostensteigerung durch Studien und Umweltmaßnahmen akzeptabel, obwohl wir hervorragende Ergebnisse bei der Eindämmung der Umweltauswirkungen erzielen konnten“, gibt sich Francesco auch in finanzieller Hinsicht zufrieden. 

 

Somit ist die Vierersesselbahn in Monte Rosa ein rundum positiver Präzedenzfall für den Seilbahnbau in Natura-2000-Gebieten. ts

Claudio Francione

Technischer Direktor, Monte Rosa

„Für mich ist der erfolgreiche Bau unserer Vierersesselbahn im Natura-2000 Schutzgebiet ein Beweis dafür, dass wir Anlagen in ökologisch hochsensiblen Bereichen errichten und gleichzeitig die Tier- und Pflanzenwelt schützen können. Dabei war die Kostensteigerung trotz zahlreicher Studien und Umweltschutzmaßnahmen akzeptabel. Das Projekt hat positive Effekte für Umwelt und Wissenschaft erzielt – und unser Skigebiet aufgewertet!“

Technische Daten

CLD-B Cimalegna-Passo dei Salati