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Die An- und Abreise der Wintersportler der Drei Zinnen Dolomites erfolgt über eine Verbindungsbrücke zwischen Bahnlinie und Skigebiet. Fotos: Christian Tschurtschenthaler

Mobilität im Pustertal

Skigebiete mit Bahnanschluss

Die Eisenbahnlinie in Pustertal erschließt direkt die beiden Skigebiete Kronplatz und Drei Zinnen. Ein Mobilitätskonsortium sorgt für eine gute Auslastung der Bahn.

 

Stau, Smog, Verkehrschaos – die Anund Abreise von Touristen mit dem eigenen Auto belastet Umwelt, Einwohner und Infrastruktur alpiner Täler. Deswegen setzen immer mehr Skigebiete auf durchdachte Mobilitätskonzepte, die den Gästefluss auf öffentliche Verkehrsmittel verlagern. Als Vorzeigemodell hat sich die Eisenbahnlinie Pustertal etabliert, welche die beiden Skigebiete Kronplatz und Drei Zinnen direkt erschließt.

 

„Nachdem die Südtiroler Transportstrukturen AG zwischen 2008 und 2011 das Schienennetz im Pustertal sanieren und sämtliche Dorfbahnhöfe erneuern ließ, haben wir uns dazu entschlossen, unsere Skigebiete an die Bahnlinie anzuschließen“, berichtet Mark Winkler, Geschäftsführer der Drei Zinnen AG. Und so realisierte das Skigebiet Kronplatz bereits 2011 seinen direkten Eisenbahnanschluss mittels der Zughaltestelle Percha/Ried.

„Im Jahr 2014 wurde die Zughaltestelle Vierschach/Helm errichtet, um das Skigebiet Drei Zinnen Dolomites mit der Pustertalbahn zu verbinden“, führt Winkler weiter aus. Die An- und Abreise der Wintersportler und Wanderer erfolgt über eine eigens gebaute Verbindungsbrücke zwischen Bahnlinie und Skigebiet. Beide Haltestellen fügen sich in das Design der Pustertal-Bahnhöfe ein.

Mark Winkler

Geschäftsführer der Drei Zinnen AG

„Durch die Anbindung unserer Skigebiete an die Pustertalbahn erzielen wir nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile. So ist die Bettenauslastung in den zuvor abgelegenen Dörfen um bis zu 40 Prozent gestiegen. Außerdem kurbelt die Bahn mithilfe des über die Kurtaxe finanzierten Holidaypass die Wertschöpfung der ganzen Region an, was sich nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer deutlich bemerkbar macht.“

Vertaktung und Holidaypass

Parallel dazu gründeten 14 Tourismusvereine und vier Skigebiete das „Mobilitätskonsortium Pustertal“. Der Verband koordiniert und vertaktet seit 2011 die Fahrpläne zwischen Skibussen, öffentlichen Bussen, Eisenbahn und Skigebietsanschlüssen. „Zudem haben wir einen Holidaypass eingeführt, der durch die Kurtaxte finanziert wird“, sagt Winkler.  Beide Maßnahmen gewährleisten zusammen eine kostenlose und hindernisfreie Nutzung sämtlicher nachhaltiger Mobilität im Pustertal.

Bettenauslastung stieg um 40 Prozent

Die Bahnanschlüsse der Skigebiete haben zudem einen enormen Effekt auf die Peripherie im Pustertal. „Dörfer, welche zuvor abseits lagen, rücken nun dank der Skidepots an den Bahnhöfen in den Mittelpunkt zwischen den beiden großen Skigebieten“, freut sich der Geschäftsführer der Drei Zinnen. Die Bettenauslastung der Tourismusregion Drei Zinnen Dolomites und Kronplatz erfuhren in ihren peripheren Strukturen zweistellige Wachstumsraten.

 

„Nur aufgrund der Pustertalbahn melden Olang und Toblach 10, Innichen 17 und Welsberg 24 Prozent mehr Bettenauslastung. In Niederdorf sind sogar 42 Prozent mehr Betten belegt, als vor dem Bahnanschluss“, erklärt Winkler.

Im Sommer befahren rund 8.000 Personen den Drau-Radweg jeden Tag, die meisten nehmen für die Rückfahrt die Eisenbahn und steigen unter anderem bei der Haltestelle Vierschach aus.

Vorteile für Sommer und Winter

Die Pustertalbahn zeigt ihre positive Wirkung das ganze Jahr über. So nutzen im Sommer die Gäste die Bahn, um komfortabel in die alpinen Erholungszentren zu gelangen. Dadurch vermindert sich der touristische Individualverkehr auf der Staatsstraße enorm, die wichige Ost-West-Verbindung wird nachhaltig entlastet. „Vor allem der Drau-Radweg zwischen Innichen und Lienz ist ein Dauerbrenner.

 

Bis zu 8.000 Personen befahren die Strecke jeden Tag, die meisten nehmen für die Rückfahrt die Eisenbahn“, betont der Geschäftsführer der Drei Zinnen. Im Winter ist dank des Eisenbahnanschlusses der zwei großen Skigebiete das touristische Angebot gekennzeichnet durch Anreisequalität, Bequemlichkeit und Umweltbewusstsein. „Unsere Wintersportgäste können barrierefrei zwischen den 250 Pistenkilometern und 50 Aufstiegshilfen wechseln“, so Winkler.

 

Zusammengefasst habe das Verkehrskonzept in den vergangenen Jahren nachweißlich Mehrwerte für das Pustertal geschaffen, allen voran eine positive Aufbruchstimmung im Tal und eine Wertschöpfung durch ein Miteinander statt Gegeneinander: „Wir haben ein nachhaltiges und konkurrenzfähiges Großraumskigebiet geschaffen, das lokale Arbeitsplätze sichert, die Wertschöpfung und Qualität beider Saisonen erhöht und die Hotellerie, sowie Gastronomie kräftig anschiebt!“, resümiert der Geschäftsführer des Skigebiets Drei Zinnen.

Ziel: Internationaler Bahnverkehr

Deswegen ist es auch kein Wunder, dass die Pustertaler bereits eifrig Ausbaupläne für die Zukunft schmieden. „Wir wollen einerseits das Skigebiet Gitschberg-Jochtal mit der Eisenbahn erschließen. Andererseits planen wir den grenzüberscheitenden Zusammenschluss von Drei Zinnen Dolomites mit dem österreichischen Skigebiet Turnthal/Sillian“, berichtet Winkler.

 

Die österreichische Region soll durch eine neue Zughaltestelle Sillian an die Bahnstrecke angeschlossen werden. Zudem soll die Pustertalbahn durch die Realisierung der Riggertalschleife (und des Brennerbasistunnels) mit „Umschlagbahnhof“ Brixen an den internationalen Zugverkehr angeschlossen werden, „damit auch exotische Gäste mit dem Zug zu uns kommen!“ ts