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„Mit der farblich codierten SNOWsat-Karte weiß der Fahrer, wo er wie viel Schnee holen kann, um kahle Stellen zu entschärfen“, erklärt Böhm. Foto SI/Surrer

,,Umweltschutz rechnet sich!"

Interview mit Oswald Böhm und Stefan Lux über SNOWsat von KÄSSBOHRER

Oswald Böhm und Stefan Lux sind bei KÄSSBOHRER für das Pisten- und Flottenmanagement SNOWsat zuständig. Im SI Interview sprechen die beiden über breite Pisten zum Saisonanfang, Schulungsbedarf bei Raupenfahrern und wie ein Skigebiet eine ganze Maschine einsparen konnte.

 

 

Herr Lux, Herr Böhm; Eine provokante Frage zum Einstieg: Warum sollten sich gewinnorientierte Seilbahnunternehmen für Umweltschutz interessieren?

 

Stefan Lux, Leiter SNOWsat: Weil die Gäste Nachhaltigkeit fordern. Sie wollen dauerhaft eine intakte Umwelt erleben. Sonst entscheiden sie sich das nächste Mal für ein anderes Skigebiet.

 

Oswald Böhm, Product Manager SNOWsat: „Umweltschutz rechnet sich. Wer nachhaltig mit seinen Ressourcen umgeht, zum Beispiel ein Pisten- und Flottenmanagement betreibt, spart Geld und schont zeitgleich die Natur.

„Der Pistenchef kann den Einsatz seiner Flotte effizienter planen, indem er etwa Doppel- und Leerfahrten vermeidet, Wartungsintervalle optimiert und Stillstandzeiten verringert“, sagt Lux. Foto: SI/Surrer

Inwiefern?

 

Lux: Indem er etwa nur bedarfsgerecht schneit. Durch die in den Pistenfahrzeugen integrierte Schneetiefenmessung SNOWsat wissen der Pisten- und der Beschneiungschef genau, wo wie viel Schnee liegt und welche Anlagen wirklich schneien müssen. Das spart im Schnitt 15 Prozent technischen Schnee ein.

 

Böhm: Jedes Skigebiet kann heute dank technischer Beschneiung schon zu Beginn der Saison öffnen. Mithilfe von SNOWsat ist schon zu diesem Zeitpunkt eine recht breite Piste möglich, da die Software nicht nur die Schneetiefe, sondern auch das Schneevolumen misst. Das erspart dem Budget und der Umwelt wasser- und stromintensives Nachschneien, um solch breite Pisten zu erreichen. Nach der Saison apern die Flächen schneller und gleichmäßiger aus – und die Almen und Weiden können früher wieder landwirtschaftlich genutzt werden.

 

Das Einsparpotential erstreckt sich also über eine ganze Saison?

 

Lux: Sogar darüber hinaus. Anhand der SNOWsat-Daten aus vergangenen Jahren, können Schneimengen, -bereiche und -zeiten detailliert und optimiert geplant werden. Zudem lassen sich mit dem Schneevolumen Pistenkonturen festlegen, es entstehen keine unnötigen Schneedepots.

 

Foto: KÄSSBOHRER

Bedarfsgerechte Beschneiung ist ja schön und gut. Aber wenn die Fahrer zu viel Schnee in Kuhlen liegen lassen und kahle Stellen falsch präparieren, muss wieder nachgeschneit werden.

 

Böhm: Das ist richtig. Vor allem neuen Fahrern können Assistenzsysteme eine enorme Hilfe sein. Deswegen empfehlen wir, SNOWsat auch für das Flottenmanagement einzu setzen. Mit unserer Software erzielen die jungen Fahrer schnell die gleichen Ergebnisse wie erfahrene Kollegen.

 

Lux: Und durch die komplexe Dokumentation der Daten wird vermieden, dass im Falle von Fluktuation der Fahrer wertvolles Wissen verloren geht. Übrigens sieht der Fahrer seine eigenen und die Fahrspuren seiner Kollegen, und kann so unnötige Überlappungen minimieren.

 

Wie erkennt der Fahrer optimale Spuren?

 

Böhm: Unter anderem durch die Visualisierung von Schneetiefe und -volumen auf dem Display im Fahrerhaus. Mit der farblich codierten SNOWsat-Karte weiß der Fahrer, wo er wie viel Schnee holen kann, um kahle Stellen zu entschärfen.

 Foto: KÄSSBOHRER

Aber eine Visualisierung der Schneetiefe garantiert doch noch lange nicht eine effiziente Fahrweise?

 

Böhm: Deswegen liegt der Fokus von SNOWSat vor allem auf der Identifizierung von Schulungsbedarf. Mit unserer Software weiß der Pistenchef, welche Maschine wann, wie und wo im Einsatz ist und welcher Fahrer sie steuert. Dadurch erkennt er ineffiziente Betriebszeiten und Fahrstile. Mit SNOWsat kann der Pistenchef seine Fahrer auf ihre oft unbewussten Fehler hinweisen und bei Bedarf Schulungen der PRO ACADEMY vorschlagen.

 

Lux: Wenn all die Maßnahmen der Schulungen greifen, dann führt das zu erheblich geringerem Verschleiß, weniger Treibstoff, Wartungsaufwand – und dadurch natürlich zu niedrigeren Kosten!

 

Wie erkennt der Pistenchef denn konkret ineffiziente Fahrstile?

 

Böhm: SNOWsat zeigt ihm sämtliche Fahrzeugdaten an, etwa Drehzahl, Geschwindigkeit, Treibstoffverbauch, Öltemperatur und Fräs- bzw. Windeneinstellungen. Der Pistenchef kann für jede dieser Kennzahlen ineffiziente Bereiche für sein Skigebiet definieren und dadurch erkennen, welches Fahrzeug wie viel Prozent seiner Zeit dort verbringt.

 

Lux: Zudem kann der Pistenchef den Einsatz seiner Flotte effizienter planen, indem er etwa unnötige Mehrfachfahrten vermeidet, Wartungsintervalle optimiert und Stillstandzeiten verringert. Mit SNOWsat sparen Skigebiete im Schnitt acht Prozent Kraftstoff und fünf Prozent der Betriebszeiten ein. Das gefällt der Umwelt und dem Geldbeutel.

Einfache Maßnahmen summieren sich demnach zu großen Einsparungen?

 

Böhm: Exakt. Ein gutes Beispiel ist hierfür ein großes Skigebiet, das SNOWsat verwendet. Durch die Software erkannten die Betreiber, dass ihre Pistenraupen im Schnitt 30 Minuten am Tag im Stillstand liefen. Der Grund war banal. Es gab nur eine Tankstelle, an der sich viele Fahrzeuge zur immer gleichen Zeit anstellten. Durch unterschiedliche Tankzeiten konnte das Skigebiet nun rund 600 Maschinenstunden pro Saison einsparen. Das entspricht fast einer ganzen Pistenraupe! Beispiele wie diese belegen das Potential von SNOWsat!

 

Von SNOWsat profitieren also Budget und Umwelt gleichermaßen. Gibt es auch Aspekte, die der Tierwelt zugute kommen?

 

Lux: Ja, etwa die geringeren Lärm- und Lichtemissionen. Durch effiziente Pistenpräparierung und Beschneiung werden die Einsatzzeiten von Anlagen und Fahrzeugen deutlich verringert. Während sich nachtaktive Arten weniger gestört fühlen, können anderen Tiere besser schlafen.

 

Sind damit die Vorteile von SNOWsat ausgereizt?

 

Böhm: Noch lange nicht. Bereits heuer kommt ein neues Feature auf den Markt, das 3D-Oberflächenmodell. Damit kann der Pistenchef zum Saisonbeginn eine Standardhöhe festlegen, die mit der aktuellen Schneehöhe verglichen wird. Der Fahrer muss dann nur noch alle Bereiche auf seinem Display ‚grün fahren‘, indem er die Piste nach dem 3D-Modell präpariert. Das erspart vor allem beim Einschieben von Weltcuppisten, Kinderstrecken und Funparcs viel Zeit und Treibstoff.

 

Und in ferner Zukunft?

 

Lux: Falls vorausschauende, automatisierte Systeme verfügbar werden, wäre es eine Option, dass je nach Situation ideale Fahrspuren vorgeschlagen werden, basierend auf historischen Daten. Wir wollen und dürfen dem Fahrer aber nie seine Individualität nehmen! SNOWsat ist und bleibt ein Assistenzsystem, das Mensch, Wirtschaft und Umwelt unterstützt – nicht ersetzt!

 

Das Interview führte Thomas Surrer