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Exakt 424 gemeldete Teilnehmer lauschten den Worten von Moderator Christoph Meier im Kongresszentrum von Montreux. Fotos: SI/Surrer

VTK-Tagung in Montreux

Infos aus erster Hand

Bei der diesjährigen VTK-Tagung im Montreux am Genfersee traten Redner von Behörden, Firmen und der Wissenschaft auf. Die Seilbahner erfuhren somit relevante Infos aus erster Hand.

 

Exakt 424 gemeldete Teilnehmer besuchten unter dem Motto „Technik verbidet“ die 60. VTK-Tagung in Montreux am Genfersee. 14 Vorträge aus den Bereichen Politik, Recht, Technik und Wissenschaft prägten den zweitägigen Kongress im Tagungszentrum direkt am Seeufer. VTK-Präsident Andreas Zenger betonte in seiner Eröffnungsrede den Erfolg des „Verein Technischer Kader“ (VTK), der seit nunmehr 60 Jahren in der Schweizer Seilbahnwirtschaft bestens vernetzt ist.

 

 

Gleichzeitig ging Zenger auf die zahlreichen Herausforderungen ein, denen die Branche gegenüber steht, wie etwa Dumpingpreise, Schneemangel oder steigende Unterhaltungskosten.

 

Durch die Tagung führte Moderator und VTK-Vorstand Christoph Meier der neben den Vorträgen und der Generalversammlung auch das umfangreiche Rahmenprogramm mit Besichtigungen der Werkstatt MOB Chernex und der Standseilbahn Les Avants-Sonloup, sowie ein feierliches Festessen auf einem Schiff am Genfersee ankündigen durfte.

Daniel Schuler (links) und Pirmin Zurfluh (rechts) von REMEC erklären interessierten Seilbahnern in den Pausen zwischen den Vorträgen die Vorteile der Software Sambesi.

BAV stellte sich Vorwürfen

Als erstes lud Meier Rudolf Sperlich vom Bundesamt für Verkehr (BAV) auf die Bühne. Dessen Vortrag sollte dazu dienen, die Vorurteile gegenüber „die da in Bern“ abzubauen, wie es Sperlich formulierte. Er setzte sich mit den drei populärsten Vorwürfen gegenüber seiner Aufsichtsbehörde auseinander. So würden viele Bergbahnen beklagen, dass identische Anlagen ungleich behandelt werden.

 

„Es gibt aber keine identischen Anlagen. Geologie, Schneeverhältnisse oder unterschiedliche Planer ergeben immer andere Prüfungsergebnisse“, erklärt Sperlich. Den Vorwurf von überladenen BAV-Richtlinien lässt er ebenfalls nicht gelten: „Wir konkretisieren Gesetze, wir erweitern sie nicht.“ Dass Verfahren immer kostenintensiver werden, liege daran, dass nicht mehr die BAV Anlagen abnimmt, sondern private Prüfstellen. „Der Aufwand kann durch ein rechtzeitiges Risikobild verringert werden, wir verlangen keine unnötigen Nachweise“.

aktuellen Unfallstatistik. 2017 sei eines der besten Jahre gewesen, doch die allgemeine Tendenz sei steigend. „Die meisten Unfälle ereignen sich in Sesselbahnen und sind auf das Fehlverhalten von Fahrgästen zurückzuführen. Doch ein Drittel der Unfälle passieren aufgrund von Fehlern des Personals“, so Sperlich.

„Tote und Verletzte beklagen wir meist bei Seilentgleisung oder bei Nicht-Verlassen der Schleppliftspur“, sagte Ulrich Blessing (IKSS).

„Wir Brandexperten kennen den Brand; aber Sie als technische Leiter kennen die Anlage“, erklärte Raphael Gingins von den SBS.

Unfälle durch Youtube-Videos

Den Fahrgast als Unfallquelle hat auch Ulrich Blessing vom Interkantonalen Konkordat für Seilbahnen und Skilifte (IKSS) erkannt. Er beklagt in seinem Vortrag einen Anstieg von Unfällen mit Schleppliften und führt dies vor allem auf mangelnde Erfahrung der Passagiere zurück. „Zudem kursieren vermehrt Videos auf Youtube mit Stunts beim Schleppliftfahren. Filmer und Nachahmer bringen sich dabei in Gefahr“, sagt Blessing.

 

Im Anschluss daran stellte Raphael Gingins von Seilbahnen Schweiz (SBS) die revidierte Brandschutznorm EN 17064 vor, deren Primärziel stets der Schutz des Menschen ist. Sein Kollege Fritz Jost forderte von den Seilbahnern, die Angebote der SBS zu nutzen „Lassen Sie Ihr Personal bei uns ausbilden und verwenden Sie unsere Mustervorlagen“.

 

Jost informierte die Teilnehmer über aktuelle Entwicklungen in der Seilbahnbranche, Ausbildungskurse und Personalia. Pierre Rochat, Vize-Stadtpräsident von Montreux schloss den ersten Teil mit der Vorstellung des Tagungsorts.

„Setzen Sie Ihr Personal richtig ein, dann können Sie sich auch auf Ihre Kernarbeit konzentrieren“,forderte Fritz Jost vom SBS.
Urs Schneier von der JAKOB AG vor seinem reich bedeckten Messetisch, an dem er für seine Produkte warb.

Andre Sommer (links) und Georges Sommer vertraten WOLFKABINE auf der VTK-Tagung in Montreux am Genfer See.

Hersteller gaben Auskunft

Doch nicht nur Funktionäre, Politiker und Behördenvertreter kamen zu Wort, sondern auch Hersteller und Wissenschaftler. Zunächst präsentierte Vincent Epiney vom Seilbahnhersteller DOPPELMAYR/ GARVENTA die neue Produktreihe D-Line Epiney ging vor allem auf die Vorteile der D-Line für die technischen Leiter ein, wie etwa das einfache Baukastenprinzip bei der Montage der Anlagen oder die einfachere Wartung, welche unter anderem durch leichten Zugang, Riemenspanner und Podesten auf zwei Niveaus gewährleistet werden.

 

„Zudem sind die Gitter in den Stationen mit Scharnieren ausgestattet, der Spannweg ist einfach nachsteckbar und ein Revisionspodest ist integriert“, berichtet Epiney. Klaus Erharter vom Mitbewerber LEITNER ropeways referierte über den 15 Jahre langen Prozess von der Erfindung des Leitner DirectDrive bis zu dessen Einsatz in der 3S-Bahn.

 

Erharter zeigte anhand des Produktlebenszyklus des getriebelosen Seilbahnantriebs, wie sich solch eine „disruptive Innovation wie der DirectDrive“ die Wachstumskluft überwinden und ihren Platz am Markt erkämpfen kann. Erharter ging detailliert auf die unterschiedlichen Kundentypen Technik-Freaks, Visionäre, Praktiker, Konservative und Skeptiker ein und fragte die VTK-Teilnehmer direkt, welcher Gruppe sie sich zugehörig fühlen.

Wie man Seillängen kompensiert

Zum Abschluss des ersten Kogresstages referierten Ramon Russi (SISAG AG) und Pierre Gygli (MOB Chernex) über die Seillängenkompensation bei Standseilbahnen. Zunächst informierte Russi über die Einflussfaktoren von Seillängen, wie ewa Kurven in der Fahrbahn oder unterschiedliche Längenausdehnung aufgrund von Beladung, Temperatur und der Position des Fahrbetriebsmittels auf der Strecke.

 

„Die Folge sind Stolpersteine zwischen Kabine und Station, die vor allem für behinderte Fahrgäste herausfordernd sind“, erklärt Russi. Er plädierte für die Seillängenkompensation mittels Sensoren und Hydraulikzylindern, welche nicht die Länge des Seils verändert, sondern die Halteposition. „Die Fahrgäste bekommen nichts mit“, sagt Russi. Pierre Gygli berichtete anschließend über durchwegs positive Erfahrungen mit der Methode.

„Die neue Klemme D ist das Herzstück der Anlage unserer Produktlinie D-Line“, sagte Vincent Epiney von GARAVENTA.

„Nur bei einem optimalen Abstand zum Seil hat man einen guten Blick auf die Drähte“, sagte Marina Härtel von der Uni Stuttgart.

„Unser DirectDrive ist eine disruptive Innovation, die andere Antriebsarten verdrängen könnte“ glaubt Klaus Erharter von LEITNER.

Fuhren für PistenBully an den Genfer See: Remo Bulgheroni, Jean- Daniel Berclaz und Werner Arnold von KÄSSBOHRER.

SI-Herausgeber Gerald Pichlmair (rechts) traf auf der VTK auch auf Carlo Montani (links) und Markus Damm (mitte) von MOTOREX.

Lukas Ingold (links) und Steve Jost von LEICA Geosystems zeigten sich über die große Teilnehmerzahl an der VTK hoch erfreut.

Darauf aufbauend warben Markus Kellerberger (Jungfraubahnen) und Benedikt Arquint (Seilplan GmbH) für die automatische Seilinspektion, die Probleme der visuellen Seilinspektion, wie etwa eine unangenehme Arbeitsposition, schlechtes Licht oder Kälte ausklammert. „Bei der automatisierten Inspektion wird das Seil beleuchtet und gefilmt, die Ergebnisse werden anschließend am PC ausgewertet“, sagte Arquint.

Maurice Zinninger (links) und Hans-Peter Demling präsentierten auf der VTK den Ticketspender von AXESS.

Patrick Inauen (links) und Bruno Inauen präsentierten INAUEN-SCHÄTTI im Kongresszentrum Montreux.

Der letzte Vortragsblock der VTK-Tagung war schließlich thematisch breiter aufgestellt: So referierte Erich Fischer von der ETH Hochschule Zürich über die Klimaänderung im alpinen Raum, während Felix Keller von der Academia Engiadina über seine Vision „Beschneiung und Gletscher-Wasserspeicher“ sprach. Die Vortragsreighe schloss dann Cynthia Cavin von der Romande Energie Holding mit der „Energiestratregie 2050“. ts