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Foto: Klaus Kranebitter, Snowhow

Risikofaktor Pistentourengeher

Geistergeher? Potenzielle Gäste?

Skitourengehen boomt. Und damit vor allem auch das Tourengehen auf Pisten. Das führt zu gefährlichen Situationen und emotionalem Streit. Was tun?

 

Die „Geistergeher“ werden immer mehr. Sie sind, ähnlich Geisterfahrern auf Autobahnen, auf frequentierten Skipisten unterwegs. Bergauf – also in der falschen Richtung. Dabei gefährden sie sich und nichtsahnende, talwärts fahrende Skifahrer. Ähnlich gefährlich ist das Gehen und Abfahren auf Pisten, die präpariert werden – Stichwort Windenmaschinen. Und nächtliches Abfahren auf fertig präparierten Pisten ist bekanntlich sehr problematisch für die Pistenqualität am nächsten Tag.

Hochexplosive Stimmung!

Nüchterne Fakten. Hochexplosive Stimmung. Skifahrer und Seilbahnunternehmen auf der einen Seite, stehen Pistengehern auf der anderen Seite gegenüber. Minimaler „Funkenflug“ reicht, dass die Situation eskaliert. Dabei sind Skifahrer wie Pistengeher von der gleichen Sehnsucht getrieben: Aktiv ein paar schöne Stunden in der Natur zu verbringen.

Sichern Verbote rechtlich ab?

Die einfachste und vermeintlich sicherste rechtliche Möglichkeit sind Verbote. Skigebietsbetreiber verbieten das Aufsteigen auf ihren Pisten. So klar, so einfach. Schwierig wird es, wenn es ums Exekutieren geht.

 

Deshalb wird nicht selten zwar verboten, aber zuwiderhandelndes Pistengehen bleibt dennoch folgenlos. Ob bei Rechtsstreitigkeiten nach Unfällen neben dem Verbot auch die Kontrolle des Verbots nachzuweisen sein wird, wird sich erst zeigen. Psychologen jedenfalls wissen: Damit Verbote wirken, muss Zuwiderhandeln mit Sanktionen verbunden sein. Allerdings – das Kontrollieren ist extrem aufwendig. Und es heizt die emotionale Stimmung weiter an.

Boom beim Tourengehen geht weiter

Je nach Quelle besitzen alleine 550.000 bis 700.000 Österreicher Tourenskiausrüstungen. Und die Tendenz deutet weiter nach oben, auch im benachbarten Ausland. Die Sehnsucht nach aktivem Naturerleben in unterschiedlichsten Varianten ist ein Grund. Die Tatsache, dass der Verkauf von Tourenskiausrüstung für Sportartikelindustrie wie Sportfachhandel wirtschaftlich vielversprechend ist, ein weiterer. Wer damit kalkuliert, dass der Boom bald vorbei ist, dürfte falsch liegen.

Individuelles Miteinander suchen!

Realistisch betrachtet, spricht alles dafür, ein positives Miteinander zu suchen. Quer durch Österreich gibt es schon jetzt individuelle Lösungen, die funktionieren. Denn klammert man extreme Sichtweisen – etwa das Berufen auf das Wegerecht – aus, sind die sich scheinbar widersprechenden Weltbilder der beiden Parteien gar nicht so weit voneinander entfernt. Sportliches Aktivsein, die Natur und die Berge zu genießen, sich etwas Gutes zu tun, zu trainieren und sich auszupowern sind Sehnsüchte von Skifahrern ebenso wie von Tourengehern.

Pistengeher – potenzielle Gäste!

Dass Pistentourengeher ausschließlich aus dem nahen Umfeld eines Skigebiets kommen und für den Tourismus in der Region nicht wichtig sind, ist der größte Denkfehler überhaupt. Tourismusverbände, Hoteliers und Gastronomen sowie Sportartikelhändler und Skischulen sind ebenso gefordert wie Seilbahnunternehmen, Lösungen in der Pistengeherfrage zu finden und diese auch gemeinsam zu finanzieren. Fest steht – Wintersportregionen, die zusätzlich zu bisherigen Angeboten auch für Pistentourengeher schneesichere Möglichkeiten bieten, schlagen sich im Wettbewerb um Gäste garantiert erfolgreicher. Oliver Pichler