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Das längste freies Spannfeld mit FATZER-Seilen (3. 213 m) und der größte Höhenunterschied in einer Sektion (1.945 m) machen die Bergbahn Zugspitze zu einer Weltrekordanlage von GARAVENTA. (Fotos: Zugspitzbahn Bergbahn AG/Max Prechtel)

Seilbahn Zugspitze

Weltrekord im Akkord

Höchste Stahlbaustütze, längstes Seilfeld, größter Höhenunterschied – die neue Seilbahn Zugspitze ist eine Meisterleistung der Ingenieurskunst. Bei schwierigsten Bedingungen hielten GARAVENTA, CWA, STAHLBAU PICHLER und FATZER Zeit- & Kostenrahmen ein. 

 

Die Besucher von Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze bei Garmisch- Partenkirchen, hatten in den vergangenen zwei Jahren nebst einer atemberaubenden Aussicht mit dem Bau der Bergstation der neuen Seilbahn Zugspitze eine zusätzliche Attraktion.

 

Wie sich die Monteure von GARAVENTA & STAHLBAU PICHLER an Seilen gesichert über dem rund 1.000 Meter hohen Abgrund Gämsen gleich bewegten und ihre Arbeit erledigten, sorgte schon mal für einen spontanen Applaus.

 

Das Bergstationsgebäude, eine Meisterleistung von STAHLBAU PICHLER, kragt 35 Meter nach Norden aus & besitzt im Süden eine Rückspannkonstruktion.

Weil die Platzverhältnisse bei der Bergstation knapp waren und die eigens gebaute Materialseilbahn ein Gewichtslimit von sechs Tonnen aufwies, erfolgte der Zusammenbau der mechanischen Teile gemäss der vorgegebenen Gewichtsbegrenzung bereits im Werk. Anschliessend wurden die Komponenten terminlich abgestimmt „just in time“ zur Bergstation angeliefert und dort verbaut.

 

Mit Blick auf die Seilbahntechnik war die Meisterung von gleich drei Weltrekorden eine besondere Herausforderung. Da wäre zum einen der gesamte Höhenunterschied in einer Sektion zwischen der Tal- und Bergstation von knapp 2.000 Metern. Zum anderen weist die Seilbahn Zugspitze mit über 3.200 Metern das längste freie Seilfeld zwischen der einzigen Stütze und der Bergstation auf. Und zu guter Letzt ist da noch die mit 127 Metern höchste Stahlbaustütze der Welt für Pendelbahnen – anstelle von zwei ausgeschriebenen Seilbahnstützen.

,,Wir haben die Weltrekorde bewusst provoziert"

Arno Inauen, Projektleiter bei GARAVENTA

„Die Seilbahn Zugspitze war für DOPPELMAYR/GARAVENTA ein Leuchtturmprojekt. Neben den geologischen und metereologischen Schwierigkeiten auf Deutschlands höchster Baustelle forderte uns vor allem der enge Zeitplan von nur zwei Jahren und der enorme Umfang des Projektes. Da die alte Bahn noch lange in Betrieb war, hatten unsere Monteure stets zahlreiche Zaungäste – eine ungewöhnliche Erfahrung.

 

Während der größte Gesamthöhenunterschied in einer Sektion bereits feststand, schufen wir mit dem Verzicht auf eine zweite Stütze die höchste Stahlbaustütze und das längste freie Spannfeld der Welt. Zwei der drei Weltrekorde haben wir bewusst provoziert – und dabei für die Zugspitzbahn Bergbahn AG bauliche, technische und finanzielle Vorteile herausgeholt.“

Die beiden bodentief verglasten Kronos-P-Kabinen von CWA bieten Platz für je 120 Personen.

Auch terminlich und logistisch waren einige Hürden zu meistern. So musste die alte Eibsee-Bahn bis in den Frühling 2017 in Betrieb bleiben. Und all dies an einem Berg, auf dem es auch im Sommer mindestens einmal im Monat schneit. Eine Meisterleistung in Sachen Planung und Ausführung waren der Transport und die Seilzüge der vier je 150 Tonnen schweren Tragseile.

 

Nicht nur die Route vom FATZERWerk in Romanshorn bis zur Talstation beim Eibsee, musste genau geplant werden. Auch die Durchfahrtszeiten des auf zwei zusammengekoppelten Lastenzügen verteilten Schwertransports waren genau vorgegeben. Einmal vor Ort, wurden die neuen Tragseile mithilfe der alten Tragseile der ausgedienten Pendelbahn und unter Einsatz einer speziellen Seilzugmaschine den Berg hochgezogen.

 

Die Zugkraft betrug dabei rund 60 Tonnen. Auf die Umlenkung bei der Bergstation wirkten Kräfte von über 100 Tonnen. Die Tragseile und das Zugseil wurden über die zwischen den beiden alten Stützen realisierte neue Stütze mit einer Höhe von 127 Metern geführt.

Die Weltrekord-Stütze ist 127 Meter hoch, 420 Tonnen schwer und besteht aus 1.100 Einzelteilen und 9.500 Schrauben. Insgesamt waren 18 Material-Transporte per LKW nötig.

Drei Laufwerke

Zudem verfügt die Seilbahn Zugspitze als erste Pendelbahn überhaupt über drei Laufwerke. Jedes dieser Laufwerke kann sowohl auf der linken wie auch auf der rechten Spur eingesetzt werden. Dadurch reduzieren sich dank des 3. Ersatzlaufwerks die Revisions- und Servicezeiten. Dies garantiert die von der Bahnbetreiberin gewünschte hohe Verfügbarkeit der Anlage. ts

Technische Daten

Pendelbahn Seilbahn Zugspitze

Viel Prominenz bei der Eröffnung (von links): Aufsichtsratsvorsitzende Sigrid Meierhofer, Techn. Vorstand Peter Huber, bayr. Umweltministerin Ulrike Scharf, Kfm. Vorstand Matthias Strauch, bayr. Innenminister Joachim Herrmann, der Bürgermeister von Grainau, Stephan Märkl, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, bayr. Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner, Erzbischof Reinhard Marx und die oberbayr. Regierungspräsidentin Brigitta Brunner. Fotos: SI/Surrer

,,Enormer Bau, enorme Bahn, enormer Medienrummel!"

SI-Redakteur Thomas Surrer war bei der Eröffnung der Zugspitzbahn live dabei

„Drei Weltrekorde bricht die neue Seilbahn Zugspitze. Und auch ihre Eröffnung sprengte die Dimensionen: Drei Minister, zwei Bischöfe, 70 Journalisten und zahlreiche Prominente aus Politik, Wirtschaft und Sport ließen sich die Jungfernfahrt auf Deutschlands höchsten Berg nicht entgehen. Zuvor wechselten sich spektakuläre Videoclips von der Baustelle mit euphorischen Dankesreden ab, die vor allem durch drei Aspekte geprägt waren: 1. Der Stolz auf eine Weltrekordbahn, die einen neuen Höhepunkt in der Seilbahngeschichte und der Ingenieurkunst darstellt.

 

2. Die Ehrfurcht vor den beteiligten Firmen, die die Anlage trotz widriger Umstände innerhalb der Zeit- und Kostenrahmen errichtet haben. 3. Der Respekt vor der Zugspitzbahn Bergbahn AG, die das 50 Millionen Euro teure Megaprojekt ohne Steuergeld oder Förderungen finanziert hat. Nach der Segnung der Anlage, der Übergabe der Betriebsgenehmigung und dem Durchschneiden des Bandes stiegen die Ehrengäste unter dem Blitzgewitter der Fotografen und im Fokus der TV-Kameras in die Panoramakabine. In knapp neun Minuten fuhr die Gondel bis zur Bergstation, die bei bestem Wetter in ihrem Glanz erstrahlte.“