DE
DE
EN

Im Matterhorn-Express in Zermatt wird IoT bereits für die Gästeinformation eingesetzt. Foto: Michael Portmann

Internet of things (IOT)

Sicherheit für Skigebiete

Ob Notfall-Information, Bewegungsmuster, Dokumentation oder vorausschauende Wartung. Mit vernetzten Gegenständen können Skigebiete künftig für mehr Sicherheit in allen Bereichen sorgen.

 

Das Internet der Dinge (englisch Internet of Things, Kurzform: IoT) ist ein Sammelbegriff für Technologien, die physische und virtuelle Gegenstände miteinander vernetzen und sie durch Informations- und Kommunikationstechniken zusammenarbeiten lassen.

 

IOT bietet auch für Skigebiete ein weites Feld von Anwendungsmöglichkeiten, insbesondere im Sicherheitsbereich, wie Kamran Kiafar vom Telekommunikations- und Verkehrstelematikkonzern KAPSCH dem SI Magazin bestätigt.

 

„Grundlage für die Anwendung von IoT ist eine eigene Infrastruktur, mit der Dinge geortet werden können“, so der Digitalexperte. Die Daten von Leih-Skies, Skitickets, Seilbahnteilen, Kabinen, Pistenraupen, Skihütten oder Mountaincarts würden über Datenpunkte eines autarken, eigenständigen Netzwerks miteinander vernetzt.

 

„Alle gewonnenen Informationen gehen einerseits an den Betreiber, andererseits an vernetzte Gegenstände, sodass automatische Prozesse möglich sind“, erklärt Kiafar.

Gegen Diebstahl, Staus und Überfüllung

Ein Anwendungsfeld sind Bewegungsmuster der Gäste im Skigebiet. Durch Ski, Tickets oder Schuhe wissen die Betreiber, auf welchen Pisten und Anlagen sich welche und wie viele Dinge – und damit Menschen – befinden.

 

„Dadurch wird einerseits Missbrauch, Diebstahl und Verlust von Leihgeräten vorgebeugt“, sagt der Experte. Anderseits würden Staus und Überlastungen bei Seilbahnanlagen, auf Pisten und in Skihütten vermieden, indem etwa Bahnen automatisch schneller fahren oder leere Hütten mit Sonderangeboten locken.

Predictive Maintenance

IoT könne aber auch für die Wartung von Anlagen und Fahrzeugen eingesetzt werden. „Sensoren auf Bauteilen liefern permanent Zustandsdaten und warnen Betreiber sowie Hersteller vor künftigen Schäden oder Serviceintervallen, etwa ‚In zwei Wochen gehe ich kaputt‘“, erläutert Kiafar.

 

Auch hier seien automatische Prozesse möglich, indem sich ein Gegenstand selbst sein eigenes Ersatzteil bestellt und dies auch dokumentiert. „Die Klemme meldet ‚Klemme getauscht‘“, beschreibt es der Experte.

Kamran Kiafar Key Account Manager KAPSCH

intelligentes gondel-system (igs)

Während die beiden ersten Anwendungsbeispiele noch nahe Zukunftsmusik sind, befindet sich IoT bei Notfall-Info-Systemen bereits im Stadium der Marktreife. „Wir von KAPSCH haben ein intelligentes Gondel-System entwickelt, das im Notfall autark und automatisch die Gäste in den Kabinen informiert“, berichtet Kiafar.

 

Anders als derzeitige Systeme greife das IGS nicht auf die Steuerung der Seilbahn zu, sondern funktioniere eigenständig über das Internet. „Unser Bauteil, der ressort Manager, agiert autark und redundant – auch bei Ausfall von Strom, Server, WLAN oder Funknetz.“

 

Selbst wenn alles gleichzeitig „tot“ wäre, kann das IGS mit vorab gespeicherten Szenarien die Fahrgäste informieren. „Zudem schafft das IGT rechtssicherheit, da es Wetterund Anlagedaten, sowie die Kommunikation dokumentiert“, so Kiafar.

 

Beim Matterhorn-Express in Zermatt sei das erste KAPSCH-System bereits im Betrieb, 2019 würden fünf weitere Anlagen folgen. „Da die Betreiber auf das IGS eingreifen können und das System ausbaufähig ist, kann es auch für Werbung und Steuerung genutzt werden“, stößt der Experte ein weiteres Thema an.

 

So könnte das IGS Temperatur- und Lichtabhängig Sitzheizung und Beleuchtung lenken oder bei definierten Streckenpunkten örtliche passende Infos und Werbung aussenden. ts