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Foto: Ski amadé

Schöne, neue Welt - von digitalisierten Bergen, Speckknödel Drohnen, Instagram Bergen, Daten Skibrillen & Co

Ok, ich geb´ es zu - ich finde meinen Weg – sei es zu Fuß oder auf Ski – zur Knödelhütte ohne jede App, erlebe Handyanrufe am Berg als Störung und verspüre kein dringendes Bedürfnis meinen alpinen Genuss unbedingt digital zu teilen.

 

Alpin Digital Purist also! Freilich nützt die Mehrheit unserer Bergmenschen – unabhängig ob Einheimischer oder Tourist – das digitale Angebot und wäre sicher bitter enttäuscht, könnten sie nicht teilen, twittern, kommunizieren… Klar ist auch – der digitale Berg ist längst Realität!

 

Und das ist in vielerlei Hinsicht hervorragend! Grenzüberschreitende Lawinen Apps, Drohnen, die Lebensmittel zu entlegenen Hütten fliegen, Wärmebildkameras & Suchdrohnen, Hightech bei Bahnen und bedarfsgesteuerte Beschneiung etc. – Die Liste lässt sich beliebig verlängern und wird definitiv immer länger werden.

Mehr Segen als Fluch ganz klar! Differenzierter zeigt sich wohl das Bild, wenn es um Spaß am Berg geht! Speedtraps, Fotofallen & Co. erscheinen nun eben digital, begleiten uns am Berg jedoch schon länger.

 

Mein Eindruck dort oben ist immer wieder – alle diese Fotopoints etc. erlebt der Gast als mehr oder weniger selbstverständlich – so wie die Sitzheizung am Sessellift und WLAN im Skigebiet. Millenials & Co setzen das sowieso voraus und bei breiten Gästeschichten sind diese Features schlicht und ergreifend Alltag.

Stark – das alpine Marketing profitiert von der hohen Glaubwürdigkeit unmittelbarer Botschaften vom Berg – Berg, Board, Bike, Ski & Co. erreichen so neue Gästeschichten, berühren und faszinieren mit hoher Glaubwürdigkeit. Kritisch wird es beim quasi individuellen Entertainment auf Piste & Bike – also der digitalen Skibrille, Sound im Helm, Datenbrillen a la Google Glass inkl. Mail, Telefon etc..

 

In Verbindung mit feiertäglich vollen Pisten und einer notorischen Selbstüberschätzung in Punkto Geschwindigkeit kreiert sich so ein gefährlicher Cocktail und reduziert die quasi natürliche Wahrnehmung, die Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung der umgebenden Natur auf ein möglicherweise ungesundes, unlustiges Maß.

 

Mich erinnert die Vorstellung eines mit massivem Helm inkl. High Tech Equipment ausgerüstetem Sportler eher an überfüllte Straßen in urbanen Zentren – eingeblendet wird die aktuelle Geschwindigkeit, die auf dieser Piste empfohlene Geschwindigkeit und das Piepsen rechts warnt vor dem Überholer von rechts hinten sowie dem unübersichtlichen Übergang.

 

Die neuesten, computerunterstützten Skifahr-Anzüge steuern auch den Anfänger und sorgen dann immerhin für ein perfektes Einparken vor der Knödelhütte! Der obligatorisch im Helm eingebaute Alkotest warnt nach dem Apres Ski bei leichter Fahne oder sperrt die Bindung!

 

Die Brille ist allerdings online verbunden mit der Alpinstrafsünderkartei in Obergurgl und sperrt bei zu hoher Punkteanzahl den Zugang zu diversen alpinen Vergnügungen! Spaß & Vergnügen beiseite! Skifahren & Bergabenteuer 6.0 haben sowohl das Potential zum Alptraum als auch zur Fortsetzung einer Entwicklung alpiner Welten, die den Menschen, die hier leben und Urlaub machen gleichermaßen gerecht werden.

 

Hängt ganz davon ab, was wir zukünftig aus den natürlichen und technologischen Potentialen machen.

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Wolfgang EDER ist MOUNTAIN.EXCELLENCE

wolfgang@mountain-excellence.com

Christof NETZER ist MOUNTAIN.EXCELLENCE

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