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Fotos: SI/Surrer

SI Report: Zukunftsthema Personal

Neue Doppellehre: Seilbahn- und Elektrotechnik

Der Anteil der Elektrotechnik im Seilbahnbau, in der Beschneiung oder in der Pistenpflege steigt mit jeder technischen Innovation. Hinzu kommt, dass Bergbahnen eine immer breitere Infrastruktur anbieten, der Bedarf an Elektrikern vergößert sich.

 

Auf mehrfach geäußerten Wunsch der Seilbahnbranche bietet die Landesberufsschule Hallein ab dem Lehrjahr 2020/2021 die Doppellehre Seilbahn- und Elektrotechnik an.

 

Damit setzt die Ausbildungsstätte für Skigebiete aus Deutschland und Österreich ihre fortwährende Entwicklung des Berufsbildes „Seilbahner“ konsequent fort. Denn durch die zusätzliche Ausbildung im Bereich der Elektrotechnik erweitert sich die Einsatzfähigkeit der Seilbahntechniker.

 

„So ist beispielsweise das Arbeiten nach Elektroschutzverordnung an elektronischen Seilbahnkomponenten bzw. an Schneeanlagen möglich“, erklärt der stellvertretende Schulleiter Michael Farkas. Mit der Doppellehre erhalten Seilbahnunternehmen also Arbeitskräfte, die vielseitig einsetzbar sind.

Zudem müssen sie nicht extra Elektrotechniker einstellen oder externe Fachkräfte hinzuziehen, wenn sie Probleme in der Eletronik lösen müssen. „Ein Großteil der Betriebsfehler treten in der Elektronik auf. Um die Verfügbarkeit der Anlagen hochzuhalten, sind genau solche Spezialisten gefragt“, ist Fachlehrer Roland Gruber überzeugt.

 

Bereits jetzt nimmt die Elektrotechnik einen großen Raum in der Seilbahner-Lehre ein, wie Konstantin Engel, Auszubildender im vierten Lehrjahr bestätigt: „Im meinem Abschlussprojekt habe ich etwa ein Rope Position Detection System, kurz RPD, entwickelt. Mithilfe eines berührungslosen Magneftfelds erkennt ein Sensor die Lage des Seilbahnseils, die Elektronik spielt hier eine entscheidende Rolle.“

 

Durch die Ausbildung zum Elektrotechniker kann das Wissen über Elektromotoren, Steuerung, Installationen und Automationstechnik weiter vertieft werden. In den zwölf zusätzlichen Wochen wird nur Elektrotechnik gelehrt – es gibt keine Allgemeinfächer mehr.

Konstantin Engel, 4. Lehrjahr, Hintertuxer Gletscher:

 

„Mit der Doppellehre bin ich attraktiv für Arbeitgeber, da ich vielseitig einsetzbar bin. Gleichzeitig bin ich flexibler und kann als Elektriker in andere Branchen wechseln.“

SIMON SCHNEIDER,  4. Lehrjahr, Oberstdorf-Kleiwalsertal:

 

„Ich denke darüber nach, die Doppelausbildung nachzuholen. Es ist ein großer Vorteil als Seilbahner die Elektronik ohne externe Fachkraft selber warten zu können“

Berufschancen abseits der Branche

Am Ende halten die Lehrlinge zwei separate Gesellenbriefe und Berufstitel in den Händen. Das erhöht einerseits den eigenen Stellenwert im Seilbahnunternehmen: Die Doppellehre hat eine eigene Position im Kollektivvertrag, der unterhalb des stellvertretenden Betriebsleiters angesiedelt ist.

 

Andererseits eröffnet der Doppelberuf Chancen abseits der Seilbahnbranche. „Wir hoffen mit dieser Zweigleisigkeit mehr Jugendliche für die Seilbahnbranche zu gewinnen. Bisher schreckt die starre Fixierung auf den Arbeitsplatz Skigebiet viele potentielle Lehrlinge ab“, sagt Farkas.

 

Um die Qualität der neuen Doppellehre zu gewährleisten, rüstet die Landesberufschule auf. Neben neuem Lehrpersonal wird auch in Infrastruktur und Schülerprojekte investiert. Bereits jetzt setzt die Ausbildungsstätte mit ihren zahlreichen technischen Labors und der großen Seilbahnhalle Maßstäbe.

 

Wenn sich genügend Interessierte finden, startet die Ausbildungsinitiative im Lehrjahr 2020/21. Bis zum Ende des zweiten Lehrjahres ist der Umstieg möglich – auch ein Nachholen wird angeboten. „Damals als Betriebsleiter hätte ich mir solche Mitarbeiter gewünscht, wie sie die Doppellehre schafft“, so Fachlehrer Gruber voller Vorfreude. ts

KARL BALDAUF, 1. Lehrjahr, Kaunertaler Gletscher:

 

„Ich werde die Doppellehre machen, da ich mit minimal mehr Zeitaufwand gleich zwei Abschlüsse und größeres Wissen erlange – auch privat als Elektriker!“

NATHALIE KAISER,  1. Lehrjahr, Oberstdorf-Kleinwalsertal:

 

„Als Seilbahn- und Elektrotechnikerin in einem habe ich ein Alleinstellungsmerkmal im Unternehmen. Das stärkt meine Position, gleichzeitig profitiert der Arbeitgeber!“

MAXIMILIAN SCHWARNZ, 1. Lehrjahr, St. Anton am Arlberg:

 

„Eigentlich wollte ich Elektriker werden, entschied mich aufgrund der Nachfrage aber für Seilbahntechnik. Mit der Doppellehre kann ich mir nun beide Berufswünsche erfüllen.“

Doppellehre im Überbllick: Seilbahntechniker + Elektrotechniker

Beide erfolgen an der Landesberufsschule Hallein. Trotz unterschiedlicher Berufsbilder steht die Technik an den Seilbahnanlagen stets im Mittelpunkt der Ausbildung – Voraussetzung Mindestteilnehmerzahl 15 Auszubildende. Beginn im Lehrjahr 2020/2021.