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,,Ich wollte weiße Weihnachten. Da lag die Konstruktion einer eigenen Schneilanze nahe!"

Severin Staubil

Schneit mit seiner eigenen Lanze!

Ein brauner Garten zu Weihnachten? Ein absolutes No-Go für Severin Staubli aus Grafstal (Kanton Zürich). Und so baute der damals 16-Jährige 2016 kurzerhand eine eigene Schneilanze – in Zentimetergröße mithilfe einer Bauanleitung aus dem Internet.

 

Nun, zwei Jahre spä- ter, wagte sich der Schüler an die Ent- wicklung einer großen und leistungsstarken Schneilanze. Plan, Kontruktion und Betrieb der Anlage waren dabei Teil seiner Maturaarbeit am Gymnasium Winterthur. „Die Schneeerzeugung ist ein komplexes Thema, aber einfach erklärbar“, erläutert Severin seine paradoxe Leidenschaft für Schneilanzen.

 

Der technisch interessierte Schüler belegt die Schwerpunkte Mathematik und Physik – und konnte seinen Lehrer schnell von der Idee überzeugen. „Ob Hardware, Steuerung oder Software: Ich plante, program- mierte und produzierte alle Komponenten der Schneilanze selbst“, sagt der 18-Jährige.

Zunächst überlegte er sich die Anforderungen, die seine Anlage erfüllen sollte. Drei Meter Fallhöhe, -1,5 Grad Feuchtkugeltemperatur, sowie maximal 6 Bar Wasser- und Luftdruck sollten die Schneilanze charakterisieren. „Einen Kubikmeter Schnee pro Stunde waren mein Ziel“, berichtet Severin.

 

Dazu berechnete er zunächst Anzahl und Modell der Düsen, die er anschließend bei einer großen und weltweit tätigen US- Firma bestellte.

 

„Tricks, wie etwa einen Hochdruckreiniger, wollte ich nicht anwenden“, so der Schweizer. Dann kümmerte er sich um die Hardware, die unter anderem ein Dreibein umfasste.

 

„Mir macht nicht nur das Planen Spaß, sondern auch das Schneiden und Arbeiten am Metall“, schildert Severin den Produktions- und Entwicklungsprozess, der von Sommer bis Weihnachten 2018 dauerte.

 

Die größte Herausforderung war die Planung und Umsetzung der Steuerung, für die sich der Schüler ins Programmieren einlesen musste. „Die Hardwarekomponenten, wie Steuerungsplatine, Kabel, Sensoren, LCD-Bildschirm oder Kippschalter, bekam ich vom Elektronikfachhandel.

 

Die Software musste ich aber selber programmieren“, betont Severin.

Die Schneilanze und ihre Komponenten : Düsenkopf.

Steuerung mit Licht- und LCD-Anzeige.

Scheinwerfer-Bedienung per Smartphone.

Schneibetrieb bei Nacht.

Temperaturabfrage & Scheinwerfer

Fristgerecht, zwei Wochen vor den geplanten „weißen Weihnachten“, ging die Schneilanze im Dezember 2018 in Betrieb. 400 Stunden Arbeit und rund 1.000 Franken hat Severin in das Projekt gesteckt. Jeden Tag arbeitete der Schüler mindestens vier Stunden an seiner Schneilanze – oft bis spät in die Nacht.

 

„Umso glücklicher war ich, als die Anlage tatsächlich funktionierte“, schwärmt Severin. Auch sein Lehrer war begeistert – mit solch einem Ergebnis hat er insgeheim nicht gerechnet. „Mit Ausnahme der angepeilten Feuchtkugeltemperatur habe ich all meine Ziele erreicht.

 

Jetzt kann ich halt erst bei -2 bis - 2,5 Grad beschneien“, sagt Severin. Dann aber effektiv: Die Schneilanze generiert aus einem Kubikmeter Wasser circa 2.5 Kubikmeter Schnee. Zudem kann der 18-Jährige per Handy die Temperatur abfragen und den Scheinwerfer einschalten.

 

Der Kompressor für die Druckluft steht wegen Lärm- und Wetterschutz im Keller, das Wasser kommt vom Gartenanschluss. Ein Heizkabel verhindert, dass das Wasser gefriert. Dank des Dreibeins und der Modulbauweise kann die Schneilanze im Sommer garagiert und im Winter auch an anderen Orten mobil eingesetzt werden.

 

Severins Umfeld ist jedenfalls von der Schneilanze begeistert. Sein Lehrer gab ihm die Note 5,5 (entspricht in Deutschland/Österreich Note 1,5) und die Schule organisierte eine Präsentation.

 

Die Schneilanze ist nun – wenn kalt genug – jeden Tag zwei bis drei Stunden im Betrieb. „Sie hat schon 25 Betriebsstunden hinter sich – und wird noch jahrelang Schnee für unseren Garten produzieren“, freut sich Severin.

Schneibetrieb bei Tag. Fotos: SI/Surrer 

Technische Daten

Schneilanze Grafstal

Berufswunsch Seilbahningenieur

Seine berufliche Zukunft sieht der Maturant aber nicht in der Beschneiungsbranche: „Meine Leidenschaft für die Skigebietsbranche besteht primär im Interesse an Seilbahnen!“ 2007 wurde gegenüber der familiären Ferienwohnung in Disentis die Seilbahn neu gebaut – und Severin war wie gefesselt.

 

„Seitdem kon- struiere ich in meiner Freizeit CAD-Modelle von Seilbahnkabinen und drucke sie mit meinen 3D-Drucker aus“, sagt der regelmäßige Skifahrer. Zudem modelliert er Seilbahnen, Schneilanzen und Pistenraupen mit der Software Blender, um sie anschließend in das PC-Spiel „Skigebietssimulator 2012“ hochzuladen.

 

Auch eine Modellseilbahn mit Kabinen nach Vorbild der Symphony-Gondeln von LEITNER ropeways ist derzeit im Entstehen – funktionierende Steuerung und eine meterhohe Stütze inklusive.

 

So verwundert es nicht, dass Severin gerne Seilbahningenieur werden möchte – am liebsten beim Schweizer Seilbahnhersteller GARAVENTA: „Seilbahnen entwickeln, gestalten und planen – das wäre mein Traum. Ich könnte mitentscheiden, wie die Seilbahnen der Zukunft aussehen!“ ts