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Foto: ©WAG/Malte Vogt

Corona und die Skigebiete in Graubünden

Martin Hug, Präsident Bergbahnen Graubünden, im Interview mit der SI zur derzeitigen Lage.

 

SI: Die Skisaison musste leider frühzeitig beendet werden wie sieht die Bilanz dadurch aus?

 

Martin Hug: 20% der Skierdays/Gästetage wären in Graubünden noch zu erzielen gewesen bis zum geplanten Saison-Ende Ostern 2020. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmungen ohne Schneeanlagen in Nordbünden (Saisonbeginn Ende Dezember 2019) werden angesichts der aktuellen Lage Mühe haben, das Saisonziel zu erreichen.

 

Mit lediglich rund 75 Betriebstagen wird es für diese Betriebe äußerst schwer, die Liquidität zu erzielen, um den Sommerbetrieb bzw. die zukünftigen Winterbetriebe zu sichern, die nötigen Unterhaltsarbeiten zu finanzieren, sowie den weiteren Verpflichtungen nachzukommen.

 

SI: Gibt es dazu bereits konkrete Zahlen?

 

Martin Hug: Ein Fazit ist aktuell schwer zu ziehen. Die Unternehmungen sind im Moment mit anderen Herausforderungen mehr als beschäftigt. Dazu kommt, dass die Unternehmungen z.T. ihre Saison zu unterschiedlichen Zeiten von Mitte März bis Anfang Mai beendet hätten.

 

Im Rahmen erster Überschlagsrechnungen können wir für das abrupte Saison-Ende 2019/20 mithilfe des Mittelwerts aus den vergangenen zehn Jahren, für diese Zeitperiode einen ungefähren Wert errechnen. Der Shutdown führt dabei zu einem Verlust bei den Transporterträgen in Höhe von rund 32 Mio und zu rund 1.3 Mio bei den Skierdays/ Gästetagen in den Bündner Schneesportgebieten.

  

SI: Wie wird das Saisonende von den Betreibern der Bergbahnen aufgenommen?

 

Martin Hug: Es herrscht eine bedrückte, frustrierte und durchaus angespannte Stimmung einerseits. Andererseits aber auch eine Stimmung des Zusammenhaltes in der Branche, sowie eines immer stärker werdenden Bewusstseins in den Destinationen solidarisch mit Worten und Taten zu wirken.

 

Die Bergbahnen mit ihren gut ausgebildeten Mitarbeitenden sowie der vorhandenen Logistik und Infrastruktur können einen wichtigen Beitrag leisten, um auch in den nächsten Tagen und Wochen die Grundversorgung sowie eine gewisse Lebensqualität in den Destinationen aufrechtzuerhalten.

 

SI: Was sind Ihre Forderungen/Hoffnungen als Verband an die Adresse Bund/Kanton?

 

Martin Hug: Der Entscheid des BR in Sachen Kurzarbeit ist grundsätzlich erfreulich. Damit wird ein Teil des bisher entstandenen Schadens abgemildert. Die Personalkosten machen jedoch nur rund 30-35% des entstandenen Schadens aus.

 

Alle weiteren, fixen Verpflichtungen laufen weiter und entziehen den Unternehmungen Liquidität. Es ist daher äußerst wichtig, dass die erforderlichen Maßnahmen im Bereich Liquidität und Kurzarbeit ohne Papierkrieg, schnell und unbürokratisch Wirkung bei den Betrieben entfalten können.

 

Das Interview führte Tamara Mair (tm)