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Treibende Kraft des Skigebiets Oberstdorf-Kleinwalsertal: Henrik Volpert, Vorstand der Oberstdorf Bergbahn AG und der Nebelhornbahn AG. Foto: SI/Surrer

Oberstdorf-Kleinwalsertal will Corona trotzen

Vorstand Henrik Volpert hält an Investitionen fest, wie er im SI Interview betont.

 

Wie sehr schadet Ihnen die Corona-Krise?

 

Henrik Volpert: Für uns geht normalerweise das Wintergeschäft fast nahtlos in den Sommer über. Insofern haben wir nicht nur das wichtige Ostergeschäft verloren, sondern die Krise trifft uns auch im Mai und Juni – und vielleicht ja noch viel länger. Unsere eigentliche Stärke, der 365-Tage-Betrieb, schlägt so natürlich voll durch.

 

Was machen Sie mit Ihren Mitarbeitern?

 

Unsere Mitarbeiter sind nahezu alle in Kurzarbeit. Diese wichtige Maßnahme haben wir unmittelbar nach Saisonende mit den verantwortlichen Betriebsräten abgestimmt. Nur eine kleine Truppe kümmert sich derweil um die notwendigen Revisions- und Vorbereitungsmaßnahmen.

Wie gestaltet sich bei Ihnen der (Nicht)Betrieb?

 

Das ist von Berg zu Berg sehr unterschiedlich. Einerseits haben wir hinter den Kulissen die Vorbereitungs- und Revisionsarbeiten vorangetrieben, so dass wir für einen Saisonstart (wann auch immer er kommen mag) gerüstet sind. Am Nebelhorn und am Söllereck stehen diesen Sommer derweil die beiden großen Neubauprojekte an.

 

Der Neubau der 2S-Nebelhornbahn ab September 2020 und der Neubau der 10GD-Söllereckbahn ab Juni. Beide Baustellen haben wir jetzt aufgrund der Corona-Krise vorgezogen. Wir glauben schließlich an die Rückkehr des Tourismus und haben daher beide Großprojekt sofort auf den Weg gebracht. Gerade der Neubau der legendären Nebelhornbahn ist ein Aushängeschild für das gesamte Allgäu. Für uns heißt es trotz Corona „jetzt erst recht“.

 

Wie blicken Sie in die Zukunft?

 

Kurz und mittelfristig trifft uns die Corona-Krise wie alle touristischen Betriebe hart. Irgendwann wird die Krise aber überwunden sein und der Tourismus umso stärker zurückkehren. 90 Prozent unserer Gäste sind deutsche Urlauber. Nach Wochen in der Isolation werden wir alle ein großes Bedürfnis haben wieder rauszukommen, die frische Luft zu genießen und die Berge zu erobern. Und da werden für die die Alpen ganz oben auf der Wunschliste stehen.

Am Prestigeprojekt "Nebelhorn" wird festgehalten. Foto: Oberstdorf-Kleinwalsertal/Leitner ropeways

Wie bewerten Sie die Sommersaison 2020?

 

Natürlich hoffen wir, dass die Krise schnellstmöglich überwunden wird. Realistisch gesehen haben wir den Sommer 2020 jedoch größtenteils abgeschrieben. Wichtig ist, dass es endlich wieder eine klare Perspektive gibt.

 

Welche Strategien haben Sie?

 

Kurzfristig gilt es natürlich, die Liquidität zu schonen. Gleichzeitig wollen wir aber für eine Wiedereröffnung bestmöglich gerüstet sein und sich auf mögliche behördliche Auflagen für den Betrieb vorbereiten. 

 

Dazu wollen wir die geplanten Investitionen und die anstehenden Bauprojekte mit aller Kraft vorantreiben und so die „tote“ Zeit bestmöglich überbrücken.

 

Mit dem Neubau der Nebelhornbahn und der Söllereckbahn erneuern wir 2020 zwei von drei Hauptbahnen in Oberstdorf. Wenn die Gäste in die Destination zurückkehren werden, können wir sie mit einer nagelneuen Infrastruktur begrüßen.

Inwiefern muss die Politik Sie unterstützen?

 

Der gesamte Tourismus, Hotellerie, Gastronomie und Bergbahnen werden von der Krise am härtesten getroffen. Wir mussten als erste zusperren und werden als letzte öffnen dürfen. Zudem gibt es bei uns keinen Nachholeffekt. Unser gesamte Region steht still. Der Tourismus ist daher auf staatliche Unterstützung angewiesen.

 

Hilfskredite helfen da jedoch nur bedingt. Schließlich dürfen die vorher kerngesunden Unternehmen nachher nicht schwer verschuldet aus der Krise kommen. Insofern benötigen wir von der Politik direkte Zuwendungen für alle Tourismusbetriebe, z.B. in Form von Zuschüssen oder Steuersenkungen, damit die Unternehmen nach der Krise die großen Verluste wieder abtragen können.