DE
DE
EN

Foto: wisthaler.com

T&B Factory: Erfolgsfaktor Bikepark

Das junge Südtiroler Unternehmen T&B Factory hat in den Carezza Dolomites schrittweise einen Bikepark realisiert, welcher nicht nur die Seilbahn im Sommer auslastet, sondern auch den Tourismus der gesamten Region belebt.

Pro Saison werden 22.000 Fahrten registriert.

 

Carezza Dolomites gilt als Herz der Mountainbike-Region Rosengarten-Latemar. Großen Anteil daran hat der große und umfangreiche Bikepark in Carezza Dolomites.

 

Die SI sprach mit Florian Eisath, Geschäftsführer von Carezza Dolomites, über die Erfolgsfaktoren seiner Sommerattraktion, der Geburt der Bikepark- Firma T&B FACTORY und die Auswirkungen auf die gesamte Region.

Florian Eisath, Foto: privat

SI: Welche Ausgangslage herrschte, bevor Sie einen Bikepark realisierten?

 

Florian Eisath: Wir sind ein Ski-, Wander- und Radgebiet mit Tradition. Mit dem Bau unserer neuen 10er-Kabinenbahn im Jahr 2013 schien das Potential für eine neue Sommerattraktion groß zu sein, da nun erstmals eine Seilbahn direkt vom Dorf aus startet.

 

Wir standen vor der Herausforderung, die Auslastung der Bahn deutlich zu steigern. Da wir bereits viele Mountainbiker als Gäste hatten, lag der Bau eines Bikeparks nahe. Wir fragten uns schlicht, wie wir die Radfahrer dazu bringen könnten, mehr als einmal mit der Seilbahn zu fahren.

Wie sah die Lösung aus?

 

Wir mussten eine Strecke mit geeigneten Gelände und kooperationsbereiten Grundstücksbesitzern finden. In dieser schwierigen Phase trat ein junger Mann aus dem Ort an uns heran – und fand sofort eine ideale Linie.

 

Die Rede ist von Philipp Erschbaumer, Gründer der Bikepark-Firma T&B Factory?

 

Ja, wobei es das Unternehmen damals noch nicht gab. Doch Philipp hat uns sofort mit seiner Kompetenz überzeugt, sodass wir ihn direkt bei uns angestellt haben. Nach unserem Bauprojekt hat sich der Bikeprofi selbstständig gemacht.

 

Welche Kriterien erfüllt die Trasse?

 

Philipp hat uns bereits im Herbst 2014 eine flache Strecke vorgeschlagen, die für jeden Gast spannend, aber auch fahrbahr ist – vom Adrenalinjunkie bis hin zum Tourenfahrer. Alle Elemente sollten umfahren werden können.

 

Zudem sollte der Weg kanalisiert sein, damit sich keiner in Verzweigungen verirrt. Wir waren damit einverstanden und Philipp begann sofort mit der Umsetzung. Im Sommer 2015 konnten wir bereits die ersten drei Kilometer des Bikeparks eröffnen.

Foto: wisthaler.com

Sie sind also schrittweise vorgegangen?

 

Ja, denn so konnten wir die Kosten unter Kontrolle halten. Pro Jahr haben wir rund 50.000 Euro investiert und den Trail Stück für Stück verlängert. Im Mai 2018 konnten wir dann die komplette Trasse von der Berg- bis zur Talstation der Seilbahn vollenden.

 

In den nächsten Jahren werden weitere Ausbauschritte folgen, da wir jedes Jahr etwas Neues bieten wollen. Bisher haben wir rund 250.000 Euro investiert.

Foto: T&B factory

Welche Attraktionen umfasst der Bikepark in der jetzigen Ausbaustufe?

 

Alle Varianten zusammengezählt ist der Bikepark acht Kilometer lang und beeinhaltet einen Trainingspark an der Bergstation, flache Strecken (Pump-lines und -tracks), kurvige Bahnen (Flowtrails), Hügel (Whups), Stufen (Drops), Holzbrücken (Northshores), Passagen mit Verblockungen (Rockgarden), sowie Rampen (Jumplines).

 

Sind große Eingriffe in die Natur nötig?

 

Nein, der Bikepark ist harmonisch in den Wald eingebettet, die Trasse schmal und wenig invasiv geplant. Zudem waren nur kleine Holz- und Grabungsarbeiten nötig, der erdige Untergund ließ sich gut formen. Die Genehmigung seitens der Umweltbehörden war daher kein Problem.

Wie wird der Bikepark angenommen?

 

20 Prozent unseres Sommerumsatzes machen wir mit dem Bikepark, pro Jahr verzeichnen wir 20.000 Seilbahnfahrten durch die Trail-Fahrer, davon die meisten ‚Wiederholungstäter‘. Hinzu kommen 2.000 Fahrten von Tourenradfahrern, die den Bikepark einmalig nutzen. Zu Saisonbeginn Anfang Mai kommen vor allem die lokalen Biker, da die höher gelegenen Bikeregionen noch geschlossen sind. Im Sommer haben wir eher die Touristen und Tourenfahrer vor Ort. Davon profitieren nicht nur wir als Seilbahnbetreiber.

 

Inwiefern?

 

Der Park hat Carezza Dolomites zum Herz der Bikeregion Rosengarten gemacht. Zwei Radverleiher haben sich angesiedelt, zudem freuen sich die Hoteliers über eine bessere Buchungslage.

 

Wie teuer ist der Unterhalt?

 

Wir sind unter zehn Prozent der gesamten Baukosten, das passt ganz gut. Auch hier vertrauen wir auf die T&B Factory und haben mit ihr einen Wartungsvertrag geschlossen. Die Jungs lieben unser gemeinsames Produkt und halten es zuverlässig in Schuss!

 

Interview: Thomas Surrer

Technische Daten

Carezza Trail:

Länge Strecke 4,4 km

Höhenunterschied 500 m

Durchschnittliches Gefälle 11 %

Länge Northshores bis zu 70 m

Steilkurven & Anlieger ü. 45

Sprünge bis zu 20

 

Carezza Pumpline:

Länge: 1,5 km

Höhenunterschied 120 m

Durchschnittliches Gefälle 8 %

 

Carezza Trainingspark:

 

• Vier Drops mit unterschied. Höhen

• Rockgarden

• Balance Northshore

• Spitzkehren

• Kurventechniktraining

• Jumpline

• Steilwandkurven

• Pumptrack