DE
DE
EN

Die Bauarbeiten an der Talstation der Jennerbahn laufen selbst bei Sommerhitze auf Hochtouren. Foto: Si/Surrer

AEP & Salzmann

Kooperation am Königsee

Am Jenner nahe Berchtesgaden planen die Ingenieurbüros AEP und SALZMANN gemeinsam den Umbau des Skigebiets.

 

„Den ganzen Berg umbauen“ ist derzeit das Ziel der Berchtesgadener Bergbahn AG. Das bayerische Skigebiet zwischen dem Berg Jenner und dem weltberümten Königssee plant nicht weniger als vier neue Seilbahnen, zwei Gastronomiebetriebe, drei Gebäudekomplexe sowie umfangreiche Infrastruktur. Für dieses Mammutprojekt hat sich die Berchtesgadener Bergbahn AG die beiden Ingenieurbüros AEP und SALZMANN ins Boot geholt, die sich gemeinsam für den Auftrag beworben haben.

 

„Wir als Generalplaner für Piste, Infrastruktur & Baustraße und SALZMANN als Seilbahnplaner ergänzen uns perfekt“, sagt AEP-Geschäftsführer Robert Wendlinger. Beide Ingenieurbüros haben bereits in Großarl, Wagrain und Silvretta Montafon zusammengearbeitet und nun mit ihrer „Kooperation am Königssee“ einen weiteren Großautrag an Land gezogen. „Jeder von uns überzeugt in seinem jeweiligen Bereich mit fachlicher Kompetenz, der Kunde profitiert doppelt“, ist Stephan Salzmann überzeugt.

Die Talstation der Jennerbahn wird in einen Gebäudekomplex eingebunden, der Verwaltungsgebäude, Skidepots, Shops und einen großen Begegnungsplatz umfasst. Grafik:HARLANDER

Jennerbahn mit zwei Sektionen

Das Projekt am Königssee umfasst Abriss und Neubau der Jennerbahn als 10er-Einseilumlaufbahn in zwei Sektionen inklusive dreier Gebäudekomplexe (Stationen), den Neubau der beiden kuppelbaren 6er-Sesselbahnen Jennerwiesenbahn und Mitterkaserbahn, sowie umfangreiche Pistenbau- und Infrastrukturmaßnahmen. „Insgesamt investieren wir 47 Millionen Euro, um das Potential des Jenners besser auszuschöpfen“, erklärt Michael emberger, Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG.

 

Baustraße durch den nationalpark AEP obliegt die Planung, Ausschreibung und Überwachung sämtlicher Pistenbaumaßnahmen, der Energie- und Trinkwasserversorgung, sowie Geländemodellierungen. „Lediglich die Planung einer Beschneiungsanlage entfällt, da diese bereits vorhanden ist“, steckt Wendlinger den Großauftrag für AEP ab.

 

Besonders herausfordernd ist die Baustraße, die durch den Nationalpark Berchtesgaden und über aufgelassene Bergwerksstollen führt. Auch die Baustellen müssen für die vielen Wanderer und Mountainbiker aufwendig gesichert werden. Die markante Topografie erfordert zudem eine detaillierte und behutsame Anpassung der Pisten, Querwege und Skitourentrassen.

 

Da das Skigebiet wie ein Keil in den Nationalpark Berchtesgaden hineinragt und sich somit in unmittelbarer Umgebung eines sensiblen Ökosystems befindet, planen die Ingenieure von AEP sämtliche Erdkabel, Trinkwasserrohre usw. besonders schonend im Gelände des Skigebiets ein. „Die Genehmigungsverfahren sind ebenfalls eine Herausforderung. 22 Verbände und Nichtregierungsorganisationen sowie mehrere, seilbahnunerfahrene Behörden müssen wir einbinden“, berichtet Wilfried däuber, Prokurist der Berchtesgadener Bergbahn AG.

Stephan Salzmann ist beinahe jede Woche in Schönau am Königssee, um sich über den Baufortschritt der 10EUB-Jennerbahn, der 6SB-Jennerwiesenbahn und der 6SB-Mitterkaserbahn zu informieren. Fotos: Si/Surrer

Präsentieren stolz die Pläne der Berchtesgadener Bergbahn AG (von links): Vorstand Michael emberger, Prokurist und Betriebsleiter Wilfried däuber sowie AEP-Geschäftsführer Robert Wendlinger.

Für die Gebäudearchitektur und den Hochbau ist die Firma HARLANDER verantwortlich.

Technische Daten

10-EUB Jennerbahn

Gesamt

Sektion 1

Sektion 2

Die „doppelte“ Bergstation der Jennerbahn und der Mitterkaserbahn wird komplett unterkellert und bietet künftig Platz für eine Gastronomie mit 450 Außenplätzen und 350 Innenplätzen, einer modernen Bar sowie mietbaren Veranstaltungsräumen. Grafiken: HARLANDER

Keine Konzession in Bayern

Zudem müssen die Ausführungspläne - anders als etwa in Österreich - bereits vorab genehmigt werden. „Wir müssen beispielsweise zuerst die Statik prüfen lassen, bevor wir den Stahl bestellen können“, erklärt Salzmann. Dies funktioniert nur bei viel Vorlauf und genügend Zeit, insbesondere weil sich der Planungsstand bei solch einem Großprojekt ständig verschiebt - und dadurch auch die Prioritäten auf der Baustelle.

 

„Dafür benötigen die Seilbahnen in Bayern keine Konzession, um betrieben werden zu dürfen“, streicht Salzmann die rechtlichen Vorteile heraus. Sein Ingenieurbüro ist am Jenner für die komplette Seilbahnplanung zuständig. „Wir übernehmen das Erstkonzept, die seilbahntechnische Ausschreibung, die Bau- und Betriebsgenehmigungen sowie die technische Planung“, erklärt der Ingenieur aus Bregenz.

 

Die neue Jennerbahn von LEITNER ropeways wird als 10er-Einseilumlaufbahn in zwei Sektionen und mit drei Stationen im Durchfahrbetrieb konzipiert, wobei der DirectDrive-Antrieb und die Garagierung in der Mittelstation erfolgt. Als Fahrbetriebsmittel kommen 60 EVO-Kabinen von SIGMA zum Einsatz, die Platz für je zehn Fahrgäste und somit eine Förderleistung von 1.600 Personen pro Stunde bieten.

 

Während die Bergund Mittelstation mit Gastronomie ausgestattet sind, wartet die Talstation mit Skidepot, Shop und Verwaltungsgebäude auf. „Für Architektur und Infrastrukturgebäude ist die Firma Harlander verantwortlich, für die Seilbahn dagegen wir“, erklärt Salzmann. SALZMANN übernimmt das Formdesign von Harlander für die eigenen Hochbauten bei der Jennerwiesenbahn und der Mitterkaserbahn.

 

Die kuppelbaren 6er-Sesselbahnen sind als Wiederholanlagen konzipiert und mit spezieller Kindersicherung besonders familienfreundlich ausgestattet. Beide Anlagen haben Förderleistungen von 1.400 bzw. 1.600 Personen pro Stunde und werden mit dem LEITNER-Motor DirectDrive angetrieben, der in den Bergstationen installiert ist. Die Abspannung erfolgt beide Male im Tal. Die Fertigstellung der Sesselbahnen ist für Herbst 2018 geplant, die der Jennerbahn im Frühjahr. ts

TECHNISCHE DATEN

6 SB Mitterkaserbahn

TECHNISCHE DATEN

6 SB Jennerwiesenbahn