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Bozen ist eine Seilbahnstadt - es gibt drei Seilbahnen, ein Schrägaufzug ist in Planung. Fotos: Si/Müller

 

OITAF 2017

Ohne Seilbahn läuft gar nichts

 Seilbahnen sind der wirtschaftliche Motor einer Region - ohne sie funktioniert der Tourismus in den Alpen nicht.

 

 „Die Natur ist nicht nur ein Reservat, sondern auch Lebensraum! Und ohne Seilbahnen läuft in den Alpen gar nix!“, macht sich Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbandes für die Seilbahnen bei der OITAF stark und versteht es nicht, dass dieses umweltfreundliche Transportmittel noch immer bei vielen als „Buhmann“ gilt. „Das ist doch falsches Denken!“, sagt Schröcksnadel und empfiehlt einmal zurückzudenken: Vor 110 Jahren haben die Eltern ihre Kinder zum Arbeiten weggeschickt – das sei heute nicht mehr nötig.

 

 Denn die Seilbahnen bringen auch in den entlegensten Regionen Wohlstand für alle. „An die acht Milliarden Euro werden jährlich für den Wintersport in den Alpen ausgegeben, nicht eingerechnet, das Geld, das rundherum (Gastronomie, Beherbergungsbetrieb, Handel etc.) ausgegeben wird und das ist fast noch mal so viel!“, erläutert Schröcksnadel, dem auch die Skitouren- Geher ein Dorn im Auge sind: Das sind doch die, die die Piste benutzen wollen, aber nicht bereit sind, dafür zu bezahlen!“, ärgert sich der Skiverband-Präsident. Und auch die Klima-Prognosen, stoßen ihm sauer auf: „Es wird doch nicht wärmer, sondern kälter“, sagt er und meint, dass da ordentlich Geschäft mit der Angst gemacht werde.

 

 

 

Skiverband-Präsident Peter Schröcksnadel

Über den Tellerrand schauen

Dass eine Seilbahn DIE Verkehrslösung ist, davon ist auch Verkehrsexperte Prof. Heiner monheim, überzeugt. Er setzt sich schon lange dafür ein, die umweltfreundlichen und auch relativ kostengünstigen Seilbahnen als Ergänzung zu anderen Verkehrsmitteln einzusetzen. Er spricht von einer „Auto-Gesellschaft“ und fordert, endlich über den Tellerrand hinauszuschauen. „Was nützt es, ein neues Parkhaus zu bauen, weil das alte zu klein ist. Was nützt es, eine weitere Straße zu bauen, weil die alte überlastet ist? Emissionen sollten eigentlich verhindert werden, doch das Gegenteil ist der Fall.“, sagt Monheim und weiter: „Wir tun uns schwer mit Alternativen und neuen Wegen!

 

Martin Leiter dankt den Leitern der Studienausschüssen und Arbeitsgruppen für ihre gute Arbeit in den letzten sechs Jahren. V.l.n.r.: Erich Megert, Peter Sedivy, Giorgio Graziano, Christian Kaizler, Peter Baldinger,Jörg Schröttner, Mauro Joyensaz und Gunther Suette. Foto: Si/Müller

 Und so ist es nach wie vor immer noch dieselbe Litanei….“ Und das, obwohl eine Seilbahn nicht nur umweltfreundlich und kostengünstig wäre, sondern auch noch „zackzack“ gebaut werden könnte, wundert sich Monheim und fordert Masterpläne.Wo können Seilbahnen gebaut werden, um urbane Verkehrsprobleme zu lösen?  In Berlin, so Monheim, seien ja schon erste Schritte in diese Richtung gemacht worden. Wenn auch aus einem anderen Grund:

 

Die Seilbahn, die zwei Stadtteile verbindet, ist in erster Linie wegen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) von der LEITNER AG gebaut worden. Die Zukunft stellt sich der Verkehrsexperte aber anders vor: „Seilbahnen werden im urbanen Bereich nicht aus Not oder als touristische Attraktion gebaut, sondern um Lösungen für Verkehrsprobleme zu schaffen. Die Kabinen sollten viel Platz bieten, so dass auch ein Kinderwagen, ein Rollstuhl oder gar ein Einkaufswagen hineinpasst.“

 

Die Stationen, so seine Vision, seien ebenerdig, vielleicht sogar in einem Einkaufszentrum integriert. „Wir brauchen 700 Seilbahnen in Deutschland“, sagt Monheim. Natürlich weiß er, dass die Innenstadt ein schwieriges Terrain sei, man müsse eher in den suburbanen Bereich ausweichen, aber „das hätte ja auch Sinn, denn da entstehen Staus!“

 

Erich Egger. Foto: Schmittenhöhebahn AG

Viele Lebewesen haben am Berg Platz

Die grüne Seite eines Seilbahnunternehmens beleuchtet Erich egger, Alleinvorstand der Schmittenhöhebahn in Zell am See. Es ist das einzige Seilbahnunternehmen der Welt, das mit dem EMAS-Zertifikat ausgezeichnet worden ist. EMAS steht für „Eco-Management and Audit Scheme“. Ziel dieses weltweit anspruchvollstem Systems, an dem Betriebe aus der EU freiwillig teilnehmen können, ist die Förderung der kontinuierlichen Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes. Egger wundert sich: „Warum machen das nicht mehr Unternehmen?

 

Es kostet ja nix, nur Einsatz und Engagement sind gefragt!“ Auf der Schmittenhöhe hat man bislang nur positive Erfahrungen gemacht. Egger erzählt: „Wir verwenden nur ressourcenschonende Technik, z.B. bei der Schnee-Erzeugung. Die Lanzen werden regelmäßig durch neuste Technik ausgetauscht, damit Strom gespart wird.

 

Auch das Pistenmanagement ist intelligent abgestimmt, das Bürogebäude ist ein Niedrigenergiehaus, der Strom wird aus Photovoltaik gewonnen. Den Gästen machen wir die Anreise mit der Bahn so leicht wie möglich, es gibt eine Lokalbahn, ein Skibussystem sowie Gratis-E-Tankstellen, falls wer mit dem Elektroauto kommt.“ Und durch das gute Mäh-Management weisen die Pisten im Sommer ein artenreiches Pflanzenwachstum auf. „Wenn man das Management aufeinander abstimmt, haben hier viele Lebewesen Platz. Nicht nur Skifahrer!“, betont Egger.

Abendprogramm im Schloss Sigmundskron: Hausherr Reinhold Messner (re.) und Martin Leitner (li.)

 ....genossen ebenso wie die Tagungsteilnehmer das herrliche Ambiente des Schlossparks. Fotos: Si/Müller Fotos: Si/Müller