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Actionberg Penken im Zillertal: Mit Funballz geht es über den See. Foto: Bergbahnen Mayrhofen

Sommer am Berg

Speicherteiche können mehr

Was macht eigentlich ein Speichersee im Sommer? Dieser Frage ging die Si nach und fand heraus, dass sich mancher Ort viel einfallen lässt, um Bespaßung im Sommer zu garantieren.

 

Eine erfolgreiche Wintersaison setzt spezielle klimatische Bedingungen voraus. Jeder erwartet vom Saisonanfang bis zum Ende bestens präparierte Pisten und Schnee vom Feinsten. Speicherseen und die dazugehörige Technik sorgen dafür, dass diese Wünsche erfüllt werden, In Österreich gibt es laut WKO rund 420 Speicherteiche.

 

 

Ein Sprungturm sorgt am Ahornsee in Söll für Riesenspaß. Foto: TV Söll

Aus der Not eine Tugend gemacht

Fast die Hälfte davon befinden sich in Tirol. Die Kosten für einen Speichersee sind immens. In vielen Gebieten kommt die Frage auf, wie man einen Speichersee mehrfach und somit auch das restliche Jahr optimal nutzen kann, um möglichst viele Einheimische und Gäste auf den Berg zu bringen?

 

In Söll macht man schon seit Jahren mit der Doppelnutzung gute Erfahrungen. Seit 2013 sorgt der 100.000 m³ fassende Speichersee für Erfrischung und Kurzweile in den Sommermonaten. Walter eisenmann, Geschäftsführer von den Söller Bergbahnen schildert wie es zum Projekt „Ahornsee“ kam. „Im Skigebiet selbst war leider kein Platz für den Speicherteich, so dass sich Gemeinde, Tourismusverband und Bergbahnen entschieden haben, die Anlage im Tal zu bauen, nämlich dort, wo einst das Hallenbad war.“

 

 

Probleme hinsichtlich Beschädigungen oder ähnlichem hätte es nie gegeben, so Eisenmann, eher seien es die strengen Auflagen, die einen fordern. Neben der naturschutz- und wasserrechtlichen Verhandlung gibt es auch noch eine gewerberechtliche, da der See mit Badebetrieb geführt wird.In diese Kerbe schlägt auch Rainhard Walch, Marketing-Leiter von der Seilbahn Kompardell in Hög.

 

Hier entstand vor fünf Jahren auf 1.800 Metern Seehöhe ein Erlebnispark mit Badesee, bei dem sich alles um Alm- und Forstwirtschaft dreht. Viele Auflagen müssten beachtet werden, so Walch, und diese seien enorm streng. „ Es muss z.B. eine Badeaufsicht oder eine Regenerationszone für Tiere, die rund um den See leben, eingeplant werden“,schildert der Marketing-Experte.

 

Doch für das Gebiet Hög/Serfaus/Ladis haben sich die Investitionen allemal ausgezahlt. Der Park – übrigens kostenlos – ist stets bestens besucht. Stationen wie ein Kuhfladentrampolin, die Riesenmilchkanne oder der Geschicklichkeitsparcours „Alte Stallungen“ laden Klein und Groß rund um das Wasser zum Spielen ein. Heuer neu: Die 35 m² große Wabbelwiese, die zum Hüpfen und Spielen einlädt oder der neue Sprungturm, der Mutige animiert, aus vier Metern Höhe ins erfrischende Nass zu springen.

 

Auf dem Wasser kann man sich aber genauso vergnügen, etwa bei einer Fahrt mit dem Tret- oder Ruderboot oder beim Planschen und Schwimmen. „Genaue Besucher-Zahlen zu nennen,“ sagt Walch, „ist allerdings schwierig, da man nicht nur mit der Seilbahn zur Mittelstation, die extra für das Projekt angelegt wurde, käme, sondern natürlich auch zu Fuß oder per Bike.Aber eines kann ich sagen: An manchen Tagen ist hier wirklich die Hölle los!“

In der Steiermark ist auf der Bürgeralpe seit zwei Jahren die höchste Wassersportanlage Europas in Betrieb. Foto: Mariazeller Bürgeralpe Seilbahnbetriebs GmbH

Manchmal reicht einfach nur Ruhe

Andere Beispiele zeigen, dass es nicht immer ein Badesee sein muss, um Gäste auf den Berg zu locken. Manchmal reicht schon ein barrierefreier idyllischer Weg rund um den See, um aus einem Speicherteich ein Naherholungsgebiet für die ganze Familie zu machen. So etwa präsentiert sich der Speichersee auf dem Kaitanger. Hier können selbst Familien mit Kinderwägen oder Rollstuhlfahrer aufgrund der breiten Wege die Natur genießen.

 

Ebenso ein Erholungsort bzw. Ausgangspunkt für viele Wanderungen ist der sehr naturnahe gebaute Speichersee auf dem Sechszeiger. Action steht dagegen auf dem Penken in Mayrhofen im Zillertal im Mittelpunkt. Hier tummeln sich gerne Menschen, die nicht nur die Natur lieben, sondern auch ein bisschen Nervenkitzel brauchen. Rund um und auf dem Speicherteich ist bestens für Unternehmungslustige gesorgt: So kann man ohne nass zu werden in Funballz über den See rollen, sich im Kletterpark vergnügen oder mit dem Bergroller rasant talwärts oder eher gemütlich durch die Gegend flitzen.

Musik und Sport auf der Bürgeralpe

Auch die Steirer sind erfinderisch: Sie verwandeln den Speicherteich auf der Bürgeralpe in die höchstgelegenste Wassersportanlage Europas. Auf 1.267 Metern Seehöhe kann man von Juni bis September auf dem Kristallsee Wakeboarden, Reifenfahren oder mit dem Fliegenden Teppich abheben. Ein zweiter kleinerer Speichersee steht ganz im Mittelpunkt der Musik.

 

Unter dem Titel „Bergwelle“ werden hier eine ganze Reihe von Open-Air-Konzerten veranstaltet. Zwischen den zwei Speicherseen steht die „Arche des Waldes“ - ein Veranstaltungsgebäude aus Holz und Glas in Schiffsform. Marco Schaffer von der Bürgeralpe Seilbahnbetriebs GmbH kann von guten Erfahrungen berichten. „Der Gedanke“, erzählt Schaffer, „die Speicherseen nicht nur für die technische Erzeugung von Schnee zu nutzen, ist immer schon dagewesen. Wir haben das Angebot Jahr für Jahr ein bisschen erweitert und inzwischen belegen die Zahlen: Im Sommer kommen mehr Gäste auf die Bürgeralpe als im Winter.“ bm

Christian Klenkhart Geschäftsführender Gesellschafter von KLENKHART & PARTNER

Speicherteich als Badesee

In Österreich gibt es rund 420 Speicherteiche. An die 100 davon wurden von der Firma KLENKHART & PARTNER geplant und umgesetzt. Christian Klenkhart begründet, warum nicht generell mehr Speicherteiche mehrfach genutzt werden. „Zum einen“, schildert er, „ist es eine Frage der Haftung und Verantwortung. Der Speicherteich ist Teil einer technischen Anlage, muss bewilligt werden und somit müssen die Betreiber natürlich auch die Verantwortung tragen bzw. die Haftung bei eventuellen Unfällen übernehmen.

 

Daher könne man bei jedem Speicherteich auch das Schild ‚Baden verboten‘ lesen“, sagt Klenkhart. Ein weiteres Problem: Beschädigungen an der Anlage durch viele Badegäste. Wobei das in der Realität eher unwahrscheinlich sei, sagt der Fachmann, denn die Ufer der Speicherteiche, die als Badeseen genutzt werden, würden sehr flach gehalten. Dennoch sind dies nicht unwesentliche Punkte und daher ist es wichtig - und so wird es auch praktiziert - schon im Vorfeld zu überlegen, wie ein Speicherteich genutzt werden soll.

 

So wie es etwa in Söll mit dem Ahornsee geschehen ist. In dem Tourismusort am Wilden Kaiser hat man sich schon vor der Errichtung des Speicherteiches entschieden, diesen so zu nutzen, dass er die Sommersaison attraktiv aufwertet. „Der See ist von Anfang an“, so Klenkhart, als Speicherteich von unserer Firma mit Sommernutzung geplant und angelegt worden. Das nächste ähnliche Projekt, das zurzeit auf Hochtouren läuft und voraussichtlich nächstes Jahr fertig gestellt werden kann“, erzählt er, „ist ein Speicherteich in Ellmau“. Der alte Teich wurde abgetragen und komplett durch einen neuen ersetzt. In dem neuen und übrigens doppelt so großen See darf dann nach Herzenslust geplanscht werden.