DE
DE
EN

Die alles entscheidende Diskussion:

Wie beschneien wir die Zukunft?

Ist technische Beschneiung der Schlüssel zum Wintertourismus der Zukunft? Wie sieht es mit dem Reinheitsgebot bei der Schneeerzeugung aus? Das hochkarätige Podium versuchte Antworten auf diese entscheidenden Fragen zu finden – hier die Ergebnisse:

 

Bereits zum zweiten Mal kamen Entscheidungsträger aus der Branche zusammen, um sich einer wichtigen Frage zu widmen: „Wie beschneien wir die Zukunft?“.

 

Neben den zahlreichen medialen Wellen, die dieses Thema gerade während dieser Wintersaison geworfen hat, war es an der Zeit, mit Vertretern aus Politik, Skigebietsbetreibern und Schneeexperten gemeinsam über die Zukunft des technischen und natürlichen Schnees zu diskutieren.

 

Laut einer Studie von Global 2000 wird die Permafrostgrenze und in Folge dessen auch die Schneegrenze bis Ende des Jahrhunderts um bis zu 600 Meter steigen.

Das Interesse am Thema technische Beschneiung war groß und lockte zahlreiche Besucher an. Fotos: SI/Mair

Das wäre das Aus für viele Skigebiete im Alpenraum. Wie bereits bei der Diskussion im Zuge der letzten Messe INTERALPIN 2017 moderierte Philipp McAllister auch diese „alles entscheidende“ Podiumsdiskussion.

 

Während der Debatte wurden viele Bereiche rund um dieses Thema behandelt. So wurde gleich zu Beginn der Herstellungsprozess, sowie die benötigte Wasserqualität angesprochen.

 

Michael Rothleitner, Leiter des Schneezentrums Tirol versicherte dabei, dass in Tirol nur Wasser und Energie für die Herstellung von technischen Schnee eingesetzt werden.

 

Anders als in anderen Ländern ist in der Schweiz die Verwendung von Zusätzen gesetzlich nicht verboten.

 

Valentin könig, CEO der Aletsch Bahnen AG erzählt, dass ihm trotzdem kein Betreiber bekannt ist, der Zusätze verwenden würde. „Um bei den gegebenen Temperaturen Effizient zu beschneien benötigt, man meiner Meinung nach keine Zusätze.“

Das liegt an der technischen Verbesserung der Beschneiungsanlagen, weiß Franz Prettenthaler. Er erklärt, dass Beschneiungsseminare heute meist von Hydrologen geführt werden und diese ihr Wissen zur optimalen Wassernutzung den Teilnehmern gut vermitteln können.

 

Ein vielleicht in diesem Zusammenhang etwas selten diskutierter Punkt, war jener der Image-Verbesserung durch technische Beschneiung. Skitourismusexperte Günther Aigner berichtete, dass vor zehn Jahren viele Gäste aufgrund der „tiefen“ Lage an ein Aus für Kitzbühel glaubten. Durch technische Beschneiung konnte man sich in den Köpfen der Besucher anders positionieren – und so das Image über die Jahre verändern.

 

Landtagsabgeordneter Christian Zwanziger gibt jedoch auch zu bedenken, dass man in einer Sprache kommunizieren muss. „Wenn ein Medium abschmelzende Gletscher und ein anderes, weiße Pisten zeigt, wird man sich zurecht fragen, was das soll.“

 

Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass zwar die Winter nicht mehr so schneesicher sind, aber das Wetter im Sommer dem Bergtourismus zu Gute kommt. tm

Michael Rothleitner

Leiter Schneezentrum Tirol

 

„Wenn man sich alleine den Anstieg an Skifahrern in Seefeld über die letzten 30 Jahre ansieht und die Pistenqualität damals und heute muss man sagen, dass die Pisten früher trotz geringerer Beanspruchung am Nachmittag viel schlechter waren als wir es nun gewohnt sind. Deshalb sage ich, dass Wintersport ohne technische Beschneiung in dieser Qualität nicht möglich ist! “

Günther Aigner

Skitourismus-Experte

 

„Wenn man sich die Messungen der letzten Jahre ansieht, handelte es sich beim vergangenen Winter um kein Extremereignis. Es gab bisher zwei auffällige Werte und diese waren in den 30er und 70er Jahren. Am Beispiel Seefeld kann man sagen, dass der Schnee pro Jahrhundert um sechs Zentimeter zurück geht. Wenn es so weiter geht können wir in 100 Jahren mit den eigenen Sinnen die Veränderung nicht einmal wahrnehmen.“

Valentin König

CEO Aletsch Bahnen AG

 

„Natürlich würden wir gerne auf technische Beschneiung verzichten, aber das ist einfach nicht immer und überall möglich. Es geht eben auch um die Pistenqualität, außerdem erwarten die Besucher auch am Nachmittag Pistenbedingungen wie am Vormittag. Ohne technische Beschneiung können wir einfach nicht mithalten.“

Franz Prettenthaler

Direktor bei Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH

 

„Der technische Schnee war wie eine Versicherungspolice für den Österreichischen Tourismus. Früher konnte man einen Zusammenhang zwischen dem Wegbleiben des Naturschnees und der Touristen erkennen. Heute ist es den Leuten aber egal, ob auf technischem oder natürlichem Schnee gefahren wird.“

Christian Zwanziger

Abgeordneter im Bayerischen Landtag für Bündnis 90/Die Grünen

 

„Man muss das ökologische Gedankengut auch beim Wintersport in den Vordergrund stellen. Über die Medien und sozialen Netzwerke werden zwei Bilder kommuniziert. Einerseits die abschmelzenden Gletscher und auf der anderen Seite weiße Pisten. Hier muss klarer kommuniziert werden, zudem müssen Natur, Wirtschaftlichkeit und Skifahren im Einklang stehen, sonst entsteht hier ein Problem.“