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Foto: Sportberg Goldeck

Die Sommer-Potenziale ausschöpfen:

Vorhandene Möglichkeiten nutzen

Wie gelingt es, im Sommer ein sinnvolles Geschäft zu machen? Wie lässt sich von Berg-Sehnsucht, Wander- und Outdoor-Boom profitieren? Ein Fallbeispiel.

 

Sind klug inszenierte, innovativ gestaltete Erlebnisattraktionen ein Muss, wenn es darum geht, als Seilbahnunternehmen im Sommer ein Geschäft zu machen? Oder kann das systematische Nutzen vorhandener, bisher vielleicht nicht konsequent „bespielter“ Möglichkeiten und naturgegebener „Attraktionen“ auch ein Weg sein?

 

Das Goldeck, bei Spittal an der Drau in Kärnten, geht den Weg, vorhandene Potenziale maximal auszuschöpfen und kurzfristig auf große Sommer-Investitionen zu verzichten. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Ein tragischer Unglücksfall, bei Revisionsarbeiten am 2. April 2019, zwang, Planungen zu verwerfen und neue Lösungen für den Bergsommer zu suchen.

 

Denn seither ist klar: Die Pendelbahn, bis knapp unter den Gipfel, kann nicht mehr betrieben werden. Zwei Sommer früher als, des Konzessionsendes wegen, geplant.

Steile 60, statt leichter 15 Minuten

Mit der Talbahn-Goldeck (8-er EUB) gibt es zwar eine seilbahnerisch und infrastrukturmäßig bessere Ersatzlösung. Nur, die Bergstation der Talbahn ist etwa 350 Höhenmeter vom Goldeck-Gipfel entfernt und nicht mehr nur 100, wie bisher.

 

Damit pulverisiert wurde das seit Jahren plakativste Angebot: die Sonnenaufgangsfahrten inklusive Frühstück am Berg. Und das herausragende, alpine Rundum-Panorama, vom Goldeck-Gipfel aus, ist nicht mehr so leicht genießbar.

Aus der Not eine Tugend machen

Schnell neue Argumente zu entwickeln, die Gäste auch im Sommer 2019 aufs Goldeck zu locken, war in den vergangenen Wochen das Gebot der Stunde. „Wir können den Gästen eine moderne Kabinenbahn bieten. Perfekte Infrastruktur im Tal mit top-sortiertem Bergsportshop, Café und Parkplätzen. Direkt bei der Bergstation gibt es ebenfalls Gastronomie und einen malerischen Speicher- see“, streicht Tanja Hinteregger, von den Goldeck Bergbahnen, die Stärken hervor.

 

Kurzfristig wird attraktiviert und genützt, was vorhanden ist. „Der Berg bleibt naturbelassen, natürlich werden empfohlene Wege bezüglich Markierung und Beschilderung optimiert. Das Wander-, Nordic Walking und Trailrunning-Angebot, inklusive interessanter Rundwanderwege, kann sich sehen lassen“, gibt sich Hinteregger optimistisch.

 

„Um die Attraktivität zu steigern, setzen wir auch auf konsequente Social-Media-Information, um unseren Fans die Besonderheiten nahe zu bringen“, verrät die Bergbahnen- Lady.

 

Und erst durch die Kabinenbahn ist Biketransport möglich. Das schafft die Chance, ein Bike- & E-Bikeangebot zu etablieren und Radler, die am Drauradweg unterwegs sind, zu einem Abstecher auf den Berg einzula- den. Viel Energie steckt Hinteregger auch ins Entwickeln spezieller Angebotspakete, etwa für Schulen und ältere Gäste.

Tipps zur Sommer-Strategie

Um Besucher im Sommer auf den Berg zu bringen braucht es Gründe – gute und plakative Gründe. Neu gestaltete und inszenierte Berg-Erlebnisse sind ein laut kommunizierbares Marketing-Argument. Auch neue Infrasturktur – etwa die boo- menden Mountainbike-Flowtrails – wirkt gut beim Gast.

 

Beides hat den Nachteil, zumindest Investitionen im sechsstelligen Bereich zu erfordern. Wenn das nicht möglich oder, wie am Goldeck, die Zeit zu kurz ist, ist es rat- sam, das Vorhandene (etwa leichte Gipfeltouren, Sonnenauf- oder -untergangsangebote, flache Familien-Rund- wanderwege, vorhandene Bikewege u.ä.) kreativ und konsequent sowie plakativ und einladend darzustellen.

 

Dadurch wird zwar voraussichtlich kein Boom ausgelöst, aber die Attraktivität bei bestehenden und potenziellen Gästen – Urlaubern wie Einheimischen – klar gesteigert. Oliver Pichler