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Rund 45.000 Menschen brettern jede Saison die 7 Kilometer lange Strecke in Schladming hinunter.  Fotos: SI/Surrer

SI-Check:

Megatrend Mountaincart

Mit 900 Fahrten täglich ist das MOUNTAINCART in Schladming besonders populär. Warum? Zeit für den SI-Check. 

 

Als ich, SI-Redakteur Thomas Surrer, das Sportgeschäft Ski Lenz in Schladming betrete, komme ich kaum bis zur Kasse durch. Eine große Menschentraube gruppiert sich um die Mitarbeiter - und das an einem normalen Werktag im Sommer. Grund für den Andrang sind die Mountaincarts, die Geschäftsführer Norbert Knauss verleiht. Bis zu 900 Fahrten verzeichnet er täglich in der Hauptsaison auf der sieben Kilometer langen Strecke entlang der Hochwurzenbahn.

 

„Früher hatte ich im Sommer geschlossen, nun beschäftige ich 17 Mitarbeiter in der Sommersaison“, berichtet Knauss. 2004 hat er mit 50 selbstgebastelten Go-Carts begonnen, stieg aber aufgrund des Handlings und der guten Bremsen bald auf Fahrzeuge der Firma MOUNTAINCART um. „Mittlerweile unterhalte ich eine Flotte von 105 Carts, die brauche ich einfach bei 45.000 Fahrten im Jahr“, berichtet Knauss, während er mir die Kombikarte in die Hand drückt.

24 Euro kosten die Fahrt mit der Hochwurzenbahn und die Leihgebühr für das Mountaincart, würde ich die Sommercard Schladming-Dachstein besitzen, wäre die Bergfahrt sogar frei. Beim Einsteigen in die Seilbahn beobachte ich, wie Mitarbeiter Erik Steinberger nacheinander die Mountaincarts an speziell konstruierte Halterungen einhängt, um die Fahrzeuge an den Kabinen nach oben zu transportieren. Ich selbst werde mich dagegen erst am Gipfel in ein Cart setzen.

Der Andrang an der Kasse ist enorm, bis zu 900 Kunden mieten täglich ein Cart.

Vor der Fahrt unterschreiben die Kunden den Haftungsausschluss und erhalten einen Helm.

Christian Weingand schult die Kunden am Gipfel fachmännisch und humorvoll ein.

Jede Stunde beginnt eine neue Runde, wobei die Fahrtzeit jedem selbst überlassen ist.

Jeder fährt sein Tempo

Zuvor darf ich noch einen Haftungsausschluss unterschreiben und mir einen Helm aufsetzen. „Wir pflegen regelmäßig die Strecke, haben Warntafeln installiert und lassen alle Viertelstunde einen Guide hinunterfahren, doch Unfälle können immer passieren“, begründet Knauss die Sicherheitsmaßnahmen. Deswegen werden die Kunden vor der Fahrt zusätzlicheingeschult.

 

Heute ist dafür Christian Weingand zuständig. Humorvoll und fachmännisch erklärt er mir und 50 anderen Kunden die Funktionsweise der Mountaincarts, bevor er die Bahn frei macht. Zu jeder vollen Stunde startet eine neue Flotte von Mountaincarts, stets fährt ein Guide voraus, während ein Kollege das Schlusslicht bildet. „Die Gäste entscheiden aber selbst, wie schnell sie fahren wollen. Sie sollen sich frei fühlen“, erklärt Knauss.

 

Senioren und Familien benötigen für die Strecke schon mal zwanzig Minuten, während die Teilnehmer von Betriebs- und Vereinsausflügen oft nur zwölf Minuten brauchen. „Offensichtlich Betrunkene dürfen dagegen nicht fahren und werden mit der Seilbahn nach Hause geschickt“, berichtet Knauss

Dank der Mountaincarts hat das Sportgeschäft „Ski Lenz“ von Norbert Knauss auch im Sommer geöffnet.

Das schnelle aber sichere Driften per Handbremse war für mich, SI-Redakteur Thomas Surrer, das Schönste am SI-Check.

Viele Familien, wenig Actionhungrige

ch selbst bin zwar nüchtern, aber zunächst skeptisch, ob ich mit meinem Mountaincart umgehen kann. Doch bereits nach wenigen Metern bin ich von dem einfachen Handling des Fahrzeugs begeistert. Mein Mountaincart lässt sich wie ein Fahrrad per Lenker steuern, der rechte Hebel bremst das rechte Rad, der linke Hebel das linke Rad. Bremsen, driften und steuern wird so zum Kinderspiel.

 

Die Strecke in Schladming ist eine breite Schotterstraße, übersichtlich und gut ausgeschildert. „Für perfekte Verhältnisse reparieren wir die Straße nach Regenfällen und streuen Salz in den Trockenperioden, um den Staub zu minimieren“, erklärt Knauss. Mit Gegenverkehr muss ich kaum rechnen, lediglich die Grundbesitzer befahren die Straße, die im Winter als Rodelbahn fungiert.

 

80 Prozent meiner Mitfahrer sind Familien, welche die Strecke gemütlich hinunterfahren und das spektakuläre Bergpanorama genießen. 20 Prozent sind Actionhungrige, welche die Straße mit einem Affentempo herunterbrettern. Nach 15 Minuten habe auch ich die sieben Kilometer lange Strecke hinter mir und gebe das Mountaincart bequem an der Talstation ab. Mein Fazit: Das Geheimnis des Megatrends Mountaincart liegt wohl in der Mundpropaganda. Denn ich selbst musste sofort jedem von meiner spannenden Fahrt mit dem Mountaincart erzählen.

Video von der Mountaincart-Strecke in Schladming

Rund 45.000 Menschen  brettern jede Saison die 7 Kilometer lange Strecke in Schladming hinunter.