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Umwelt

Wer hat‘s erfunden?

Heutzutage setzen viele Seilbahnunternehmen auf umweltfreundliches Wirtschaften. Der Ort Tenna hat schon vor Jahren gezeigt, das Umweltschutz richtig begeistern kann.

 

Seit jeher hat der Mensch das Bedürfnis nach Erholung und sportlichen Aktivitäten in der Natur. Er will alles nutzen, was ihm zur Verfügung steht, gleichzeitig gilt es aber die Natur zu berücksichtigen – ein schmaler Grat, auf dem zu wandeln, nicht immer leicht ist. Doch was die Umwelt-Vorsorge betrifft, so konnten in den letzten Jahren wichtige Fortschritte erzielt und Kooperationen eingegangen werden.

 

Nachhaltiges Wirtschaften wird von vielen Betrieben mittlerweile sehr ernst genommen. Ein beispielhaftes Seilbahnunternehmen, das schon seit Jahren mit vorhandenen Ressourcen schonend umgeht und bestrebt ist, sich auch weiterhin in Richtung energieeffizientem Betrieb zu entwickeln, ist die Schmittenhöhebahn in Zell am See (siehe Interview Seite 48). Der Betrieb hat sich dem Umweltmanagementsystem EMAS verpflichtet und wurde im Juni für die Umwelterklärung 2016 mit dem EMAS-Preis ausgezeichnet. 

Der Schweizer Edi Schaufelberger ist stolz auf seinen inzwischen...

...weltweit bekannten und einzigartigen Solar-Skilift. Fotos: Solarskilift Tenna

Kleiner Lift kommt riesengroß raus

Aber auch andere Gebiete sind bestrebt Nachhaltigkeit zu leben. So spielt etwa der Ort Tenna in der Schweiz beim Thema Energieeffizienz eine Vorreiterrolle. Das Skigebiet ist zwar klein, aber oho! Denn hier ging 2011 weltweit der erste solarbetriebene Schlepplift, entwickelt und errichtet vom Schweizer Seilbahnbauer BARTHOLETH und der Elektrotechnik von Claudio TSCHARNER, in Betrieb.


Über dem 420 Meter langen Lift sind 82 Solarwings mit insgesamt 246 Paneele mit einer Neigung von 30° gegen Süden montiert. Edi Schaufelberger, Chef des Solarskilifts, erklärt begeistert: „Der Betrieb ist nachhaltig wirtschaftlich, selbst in den vergangenen Wintersaisonen mit sehr wenig Schnee, haben wir schwarze Zahlen geschrieben!“ Was besonders erwähnenswert ist: Der Solarlift hat 20 mal mehr Strom produziert als verbraucht wurde. „Dieser Lift“, so freut sich Schaufelberger, „hat uns mehr Gäste und somit Stabilität gebracht.“

 

Wobei der Geschäftsführer betont, dass der Solarskilift keine Attraktion, sondern ein Zeichen sei, dass Wintersport und Umweltfreundlichkeit sich nicht gegenseitig ausschließen. „Eine Leistung, die wir unserer Genossenschaft Skilift Tenna mit ihren Partnern verdanken“, sagt Schaufelberger. Und was dem Schweizer besonders gefällt: „Früher kam von Gästen immer die Frage, wo ist denn dieses Tenna?

 

Heute wissen sie die Antwort schon selbst und sagen ‚Aha, das ist dort, wo der Solarlift steht!“ Und nicht zuletzt kann man immer mehr umweltbewusste Skifahrer an dem Lift antreffen, insbesondere auch Schulgruppen. „Bei vielen“, erzählt Schaufelberger erfreut, „wird, wenn sie sich den ganzen Tag vom Solarlift auf den Berg hochziehen lassen, das Umweltbewusstsein gestärkt und sie sind am Ende des Tages total begeistert, dass durch den Lift mehr Energie produziert als verbraucht wird“. Was der kleine Ort alles zu leisten vermag, hat sich sogar bis Südkorea herumgesprochen: Vor zwei Jahren reiste eine Delegation aus Südkorea an, um die Möglichkeit zum Bau eines Solarliftes für die Olympischen Spiele in Pyeongchang zu evaluieren.

Solarkraftwerk hoch oben am Berg

Das höchstgelegenste Solarkraftwerk Europas ist ebenfalls ein Vorzeigeprojekt. Die Photovoltaik-Anlage in der Wildkogel-Arena deckt einen großen Teil des Strombedarfs der Bergbahnen ab. Gerhard Schall, von der Firma MEIN KRAFTWERK, Betreiber der Anlage, erklärt, warum diese hoch oben auf dem Berg und mitten im Freien thront:

 

„Der Strom wird dort erzeugt, wo er gebraucht wird. Durch die kühleren Temperaturen in 2.100 Metern Höhe kann der Ertrag um 25 Prozent gesteigert werden. Im Winter wird durch die Reflexion des Schnees die Produktion nochmals erhöht. Über eine Trafo-Station direkt bei der Anlage wird 1,4 Millionen Kilowatt grüner Strom jährlich in das Netz der SALZBURG AG gespeist. 70 Prozent der Energie braucht die Wildkogelbahn selbst für ihren Betrieb.“


Wenn man das erste Mal die Anlage sieht, staunt man nicht schlecht. Sie ist wirklich groß, rund 4.000 Paneele in der Größe von je 1,7 m² bedecken den Bereich nur ein paar Meter neben der Bergstation. Auch vom Tal aus sieht man die glänzenden Paneele schimmern. „Die Rückmeldungen sind aber dennoch durchaus positiv“, erzählt Schall.

 

6.800 m² Solarpaneele sorgen für sauberen Strom am Wildkogel.  Fotos: Si/Müller, Mein Kraftwerk

 

 

An der Anlage sind Sensoren angebracht, welche die Windstärke und Temperatur messen und diese Werte an eine Fernmeldestation senden, wo alles überwacht wird und wo man auch eingreifen kann. „Die Paneele können je nach Bedarf im Winkel verstellt werden“, sagt Schall, „was natürlich immer wieder gemacht werden muss, um sich der unterschiedlichen Sonneneinstrahlung im Winter und Sommer anzupassen oder wenn große Schneemengen erwartet werden.“

Die Leoganger Bergbahnen wurden mit dem Umwelt Blatt Salzburg ausgezeichnet. V.l.n.re.: Sabine Wolfsgruber, Kornel Grundner, stellvertretender Betriebs- und Projektleiter Christian Oberlader und Leonhard Schitter Foto: Franz Neumayr

Umwelt Blatt für Leogang

Die Leoganger Bergbahnen wurden für ihr beispielhaftes Umweltengagement vor kurzem mit dem Umwelt Blatt Salzburg ausgezeichnet. „Durch Maßnahmen wie Wärmerückgewinnung, Umstellung auf Fernwärme sowie der Nutzung von Abwärme sparen wir über 500.000 Euro pro Jahr“, freut sich Geschäftsführer Kornel Grundner. „Durch die Wärmerückgewinnung“, so beschreibt er, „werden die Werkstatt der Pistengeräte, das Restaurant Stöcklalm sowie die gesamte Mittelstation mit Wärme versorgt.“  

 

Weiters wurde in enger Kooperation mit den Behörden Schmelzwasserfassungen errichtet, so dass die beiden Speicherteiche bereits bei der Schneeschmelze ohne großen zusätzlichen Energieaufwand befüllt werden. „Dieses Projekt“, so der stolze Geschäftsführer, „konnte nur Dank  Zusammenarbeit mit der Naturschutz- und Wasserwirtschaftsabteilung des Landes und der Bezirkshauptmannschaft Zell am See umgesetzt werden.“ Übrigens: Das Umwelt Blatt Salzburg mit dem Logo der Leoganger Bergbahnen ziert nun ein Jahr lang den Umwelt Baum, der zur Zeit in Hallein steht.       bm