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Der Morteratschgletscher soll durch technische Beschneiung erhalten werden. Foto: maykwendt

Projekt Weisse Gletscher:

Wie stoppen wir die Eisschmelze?

Mit Vliesabdeckungen wird versucht das Abschmelzen der Gletscher zu verhindern.

 

Ein Pilotprojekt am Morteratsch setzt dagegen auf ein bodenunabhängiges Schneisystem.

 

Zur Freude vieler Sonnenanbeter werden die Sommer auch in den Alpinen Regionen immer wärmer. Das warme Wetter bringt aber nicht nur Segen – gerade für die Eismassen der Gletscher stellen die ansteigenden Temperaturen große Herausforderungen dar.

 

Selbst Gletscherforscher rechnen der Rettung der Eisriesen keine große Chance mehr ein. Alleine die Schweizer Gletscher haben in den vergangenen Sommern etwa zwei Prozent ihres Volumens eingebüßt.

 

Kalte Winter alleine reichen nicht aus, um die Naturwunder zu erhalten oder ihnen gar zu alter Größe zu verleihen.

Obwohl immer mehr Forschungsprojekte in Sachen „Rettet die Gletscher“ durchgeführt werden und sich auch immer mehr Menschen für den Stopp der rasanten Schneeschmelze einsetzen, wird es ohne die Hilfe von Mutter Natur nicht gehen.

 

Vliesabdeckungen wie am Titlis verringern zwar punktuell den Verlust, doch Experten sind sich einig, dass kühle und niederschlagsreiche Sommer notwendig für die Erhaltung der Schnee- und Eisfelder sind.

Visualisierung des Schneiseils von BARTHOLET mit dem Schneisystem von BÄCHLER. Bild: Bartholet

Rettung aus der Düse

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur (HTW) setzt sich bereits seit Längerem für dieses Ziel ein. Wobei immer wieder kreative Lösungen erarbeitet werden.

 

Ein Pilotprojekt für den Morteratschgletscher im Oberengadin weckt bei Experten besonders großes Interesse. Demach könnte die Rettung der Gletscher in der technischen Beschneiung liegen.

 

Durch die Wiederverwertung von Schmelzwasser will man den Schmelzprozess verlangsamen oder gar stoppen.

 

Die Rettung für den Morteratschgletscher soll dabei ein bodenunabhängiges Beschneiungssysten des Schweizer Schneilanzenherstellers BÄCHLER bringen.

 

Die Nullenergie-Schneitechnik NESSy ZeroE wird dazu mit Beschneiungsseilen des Schweizer Seilbahnherstellers BARTHOLET über den Gletscher angebracht. Die Pilotanlage soll dafür sorgen, dass das im Sommer getaute Eis im Winter wieder auf den Berg kommt und dort gefriert.

Durch dieses System will man Mutter Natur ein wenig unter die Arme greifen. Laut Berechnungen einer Vorstudie ist sogar ein Gletscherwachstum in zehn Jahren möglich, wenn man zehn Prozent der Gletscherfläche mit Schnee ganzjährig abdecken würde.

Vision der Gletscherrettungsidee. Bild: Academia Engiadina

Ausblick

Potentielle Kunden für ein solches bodenunabhängiges Beschneiungssystem finden sich in Regionen Europas, Zentralasiens sowie in den Anden.

 

Selbst in der Westantarktis können sich Deutsche Forscher vorstellen, die fortschreitende Eisschmelze der Küstengletscher mit technischer Beschneiung zu bekämpfen.

 

In vielen Regionen hängt die Existenz vom Schmelzwasser nahegelegener Gletscher ab. Das Verschwinden der Gletscher bedroht das Überleben der dort lebenden Menschen aufgrund knapper Trinkwasserversorgung.

 

Mit dem Abdecken der dortigen Gletscher mit Schnee könnte das Schmelzen stark gebremst werden. „Eine Verzögerung von bis zu 50 Jahren könnte dort möglich sein“, so Felix Keller von der HTW Chur.

 

Auch Regionen mit touristischen Hintergründen würden Interesse zeigen. Vermehrt müssen in Skigebieten Zonen mit Permafrost und Gletschereis beschneit werden um den Skibetrieb zu gewährleisten. Das 2,5 Millionen Franken teure Pilotprojekt startet jedenfalls in den kommenden Wochen im Oberengadin und wird 30 Monate durchgeführt