DE
DE
EN

Rund 90 Prozent der benötigten Wärme für die neue Talstation der Schlossalmbahn wird aus Sonnenenergie gewonnen. Foto: Gasteiner Bergbahnen AG- Marktl Photography

Umweltschutz als Unternehmensziel:

Nachhaltige Projekte von Skigebieten

Viele Skigebiete machen sich bereits rund ums Jahr Gedanken um die Umwelt und deren Schutz. Über Nachhaltigkeit als erfolgreiches Businessmodell und Best Practice Beispiele.

 

Umweltsünder Skiregionen – diese Nachrichten bekommt man immer wieder zu hören. Doch Fakt ist, dass man sich besonders in diesen Regionen Gedanken zum Thema Umweltmanagement macht.

 

Maßnahmen wie Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen und die Suche nach emissionssparenden Fahrzeugen zeigen deutlich, dass bei den gesetzten Handlungen an die Umwelt gedacht wird.

 

Während Green Washing (die Darstellung von Unternehmen als umweltfreundlich und verantwortungsbewusst ohne eine hinreichende Grundlage) von großen Unternehmen eingesetzt wird, zeigen gerade Branchen, die direkt von der Natur abhängig sind und häufig zu unrecht in die mediale Schusslinie geraten, was es bedeutet, wirklich „grün“ zu wirtschaften und welche Möglichkeiten sich daraus entwickeln können.

Ressourceneffizienz – Stichwort Kreislaufwirtschaft

Ein gängiger Ansatz zur effizienteren Nutzung der Ressourcen wäre das regenerative System der Kreislaufwirtschaft. Emissionen und Energieverbrauch werden durch Wiederverwendung, Wartung der betroffenen Bestandteile und den Einbau von regulierenden Steuerungen gesenkt.

 

Der Nutzung sogenannter Sekundärrohstoffe kommt in so einem System eine tragende Rolle zu. Das Gegenteil zu diesem Verfahren wäre die Linear- oder Wegwerfwirtschaft.

 

Durch die Umstellung auf einen solchen Kreislauf kann ein Betrieb nicht nur die Umwelt entlasten, sondern langfristig auch sparen. Diese Denkweise fängt bereits beim Bauen der Gebäude an.

 

Ein Leuchtturmprojekt für ein energieeffizientes Bauprojekt im Gebirge findet sich beispielsweise auf 3.883 Meter im Skigebiet Zermatt, in der Schweiz. Die Monte-Rosa Hütte verfügt über eine optimale Ausrichtung der Solarpanels und einen hohen Selbstversorgungsgrad.

 

Durch diesen Bau wollten die Verantwortlichen in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich zeigen, dass auch in absoluten Extremlagen nachhaltig gebaut werden kann.

 

Bei den Gasteiner Bergbahnen sorgt eine Solaranlage am Dach des dreistöckigen neuen Parkdecks dafür, dass ca. 90 Prozent der benötigten Wärme für die neue Talstation aus Sonnenenergie gewonnen wird. Unverändert zu den Vorreitern zählt auch weiterhin die Schmittenhöhebahn mit der größten gebäudeintegrierten Photovoltaikanlage, die mit einer Gesamtfläche von 2.750 Quadratmetern jährlich ca. 300.000 kWh Strom erzeugt.

 

Die Schmittenhöhebahn AG wurde 2017 mit dem EMAS-Preis (Eco Management and Audit Scheme) in der Kategorie Beste Umwelterklärung ausgezeichnet.

 

Ihre Umweltpolitik zeichnet sich durch ein sehr breites Spektrum aus und reicht von ressourceneffizienter Beschneiung durch energieeffiziente Lanzen bis hin zur Wärmerückgewinnung der Abwärme der Motoren, welche etwa zur Beheizung der Talstation Areitbahn II genutzt wird.

 

Auch in Söll setzt man intensiv auf Öko- Wärme: Das Betriebsgebäude verfügt über eine Pelletsheizung und die gesamte Talstation wurde auf Fernwärme umgerüstet, welche vom lokalen Hackschnitzel-Heizwerk produziert wird. Zudem werden die gesamte Bergstation der Gondelbahn Hochsöll sowie öffentliche WC Anlagen, Skidepot und der „Hexentopf“ durch die Abwärme der Gondelbahn mit Hilfe einer Wärmepumpe beheizt.

Transport

Gerade Schneekanonen haben einen schlechten Ruf und stehen immer wieder im Zentrum der öffentlichen Kritik. Im Kleinwalsertal haben sich die Bergbahnen überlegt, wie man die vorhandenen Ressourcen möglichst optimal einsetzen kann.

 

Dabei steht auch die Beschneiung im Fokus. Vor allem bei niedrigen Temperaturen kann energiesparend beschneit werden. Das betrifft nicht nur den Wärmegrad der Umgebung, sondern auch jenen des Wassers. Die so abgeführte Wärme kann wieder genutzt werden.

 

Außerdem gilt es zu beachten, dass beim Skiurlaub nicht notwendigerweise die Beschneiungselemente einen negativen Einfluss auf die Umwelt haben. Tatsächlich werden bereits 80 Prozent der Emissionen bei der Anreise mit dem Auto erzeugt.

 

Auch auf diese Studie reagieren bereits viele Skigebiete und bieten kostenlose Elektro-Tankstellen an. Auf der Schmitten sorgen Schnellladestationen dafür, dass Skifahrer nach dem Pistenvergnügen mit dem vollgeladenen Elektroauto die Heimreise antreten können.

 

Viele Investitionen wurden von den Skiregionen bereits getätigt und beweisen so nicht nur, dass man im Gebirge auf die Natur achtet, sondern dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen können.

Was deutsche Bürger unter Nachhaltigkeit verstehen.

Österreich ist vorne dabei

In Österreich stellen Investitionen in Nachhaltigkeit einen immer größeren Anteil an den gesamten Ausgaben der Seilbahnen dar (im Vorjahr insgesamt 600 Millionen Euro).

 

So werden einige Skigebiete bereits zu 100 Prozent mit Ökostrom (z.B. Snowspace Salzburg) bzw. Wasserkraft (z.B. SkiWelt Wilder Kaiser – Brixental) betrieben.

 

Gleichzeitig wachsen die regionalen Angebote zur Eindämmung des motorisierten Individualverkehrs. „Oft sind damit Ausgaben der Seilbahnen für Angebote verbunden, die für die öffentliche Hand in dieser Form gar nicht finanzierbar wären“, sagt Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).

 

Dazu zählen die Intensivierung von Bahn- und Bus-Shuttles, der Ausbau von ETankstellen an Talstationen sowie kostenlose Öffi-Tickets mit gültigem Skipass. Auch in Sachen Forschung und Entwicklung setzen die österreichischen Seilbahnen neue Impulse.

So startete in Hinterstoder das Innovationsprojekt „Wasserstoffantrieb für Skidoos“ in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Graz und regionalen Unternehmen.

 

„Alle diese kleinen Impulse breiten sich immer stärker über die heimische Seilbahnlandschaft aus und tragen dazu bei, dass der nachhaltige Effekt der Branche steigt“, schließt Hörl.