DE
DE
EN

86 Prozent der digitalen Generation wollen im Urlaub eine neue Kultur kennenlernen. Die Leitmotive sind Authentizität, persönlicher Anschluss und individuelle Erlebnisse. Foto: Steiermark Tourismus, Pixelmaker

Die digitale Generation: Wie sie die Berufswelt und den Tourismus verändert

Werte, Demographie und Verhaltensweisen in der Gesellschaft verändern sich rasant.

Digital Native Philipp Riederle berichtet, wie junge Kunden und Mitarbeiter von Skigebieten denken.

 

Die digitale Welt ist keine eigene Dimension, sondern schlicht die Erweiterung der Realität – so die Meinung von Philipp Riederle, Deutschlands jüngsten Unternehmensberater.

 

Der 24-Jährige gilt laut dem Bildungsministerium als einer der führenden digitalen Köpfe Deutschlands – und hat im Rahmen des Digital Day in Wattens seine Ideen speziell für Skigebiete vorgestellt.

 

„Die Generation X, die Baby-Boomer zwischen 1965 und 1980, sind die letzte analoge Generation überhaupt. Alle anderen, jüngeren Menschen zählen bereits zur digitalen Generation“, sagt Riederle.

 

Diese seien durch Digital-, Demographieund Wertewandel geprägt. „Zudem übernehmen ältere Altersgruppen das Verhalten der digitalen Generation, sie werden Digital Immigrants“, unterstreicht der Vortragsredner die Bedeutung der gesellschaftlichen Veränderungen.

„Wir sind gnadenlose Informierer und Selbstoptimierer“, fasst Philipp Riederle die Charakterzüge seiner Generation zusammen.

Die jungen Kunden

Wenn sich Kunden der digitalen Generation für ein Skigebiet entscheiden, lägen bereits zahlreiche Schritte hinter ihnen.

 

„Im Schnitt beruht eine Konsum-Entscheidung auf zehn Informationsquellen. Wir sind gnadenlose Informierer und Selbstoptimierer“, betont Riederle.

 

Zudem sei Mobilität für seine Generation selbstverständlich: „Die exotische Fernreise ist für uns genau so weit weg, wie der Skiurlaub im eigenen Land – nämlich nur ein paar Klicks.“

Zusatzleistungen in Anspruch nehmen: Generation Y (57 Prozent), Generation 35-49 Jahre (42 Prozent), Generation 50-67 Jahre (26 Prozent).

Der Skiurlaub-Generator

Eben diese paar Klicks würden aber den Unterschied ausmachen. „Wir suchen Orientierung. Warum gibt es keinen Ski- Urlaub-Generator, der mich in fünf Minuten zum Traumurlaub führt?“, fragt der Digital Native die Seilbahner.

 

Durch eine eigene Buchungsplattform könnten die Skigebiete (wieder) direkt mit den potentiellen Kunden in Kontakt kommen – ohne große Internetkonzerne als Vermittler.

 

„Das Potential ist groß, insbesondere da 57 Prozent der digitalen Generation gerne Zusatzangebote in Anspruch nehmen. Bei den über 50-Jährigen sind dagegen nur 26 Prozent dazu bereit,“ erläutert Riederle.

Erwartungen an die Urlaubsreise: Neue Kultur kennenlernen (86 Prozent), Party machen (44 Prozent), Shoppen (28 Prozent).

Auch die Erwartungen der jungen Generation an den Urlaub sei weniger klischeehaft, als viele glauben:

 

„Shoppen und Partymachen wünschen sich nur 44 bzw. 28 Prozent. Dagegen wollen wir zu 86 Prozent eine neue Kultur kennenlernen. Unsere Leitmotive sind Authentizität, persönlicher Anschluss und individuelle Erlebnisse.“

Das Konzept des Skiurlaub-Generators von Philipp Riederle, der den Gast in fünf Minuten zum Traumurlaub führt. Fotos: SI/Sur

Die jungen Mitarbeiter

Auch in der Berufswelt unterscheide sich die digitale von der analogen Generation. „Früher waren Geld, Status und Macht wichtig. Heute sind Sinn, Selbstverwirklichung und Arbeitsumfeld entscheidend“, sagt der Unternehmensberater.

 

In Zeiten von kurzfristigen Arbeitsverhältnissen, hoher Mobilität und Bewertungsportalen für Unternehmen, sei der richtige Umgang mit Mitarbeitern ein Erfolgsfaktor von Skigebieten. „Wir wollen eine sinnvolle Tätigkeit ausüben und im Beruf eine gute Zeit haben“, bringt es Riederle auf den Punkt.

 

Konkret seien Wertschätzung und Verantwortung wichtig, um sich sinnvoll zu fühlen. Dies könne durch Gleichstellung, Mitarbeitermeetings, Ideenmanagement, Projekte oder Aktionen, wie bspw. „Mitarbeiter des Monats“ erreicht werden.

 

„Dafür ist aber eine Feedback- und Fehlerkultur im Unternehmen nötig, die ein 360-Grad-Feedback und ein gesundes Arbeitsklima bereitstellt“, so Riederle.

 

Für ihre Selbstverwirklichung würden junge Mitarbeiter zudem einen persönlichen Entwicklungsplan erwarten, der Weiterbildungsangebote, Job-Rotationen oder Austauschprogramme umfasst.

 

„Nichtzuletzt sind für uns die Arbeitsbedingungen von hoher Bedeutung, wie flexible Arbeitszeiten oder diverse Benefits“, erklärt der Digital Native.

 

Konkret wolle seine Generation Planbarkeit durch Flexibilität. Jahres- oder Lebensarbeitszeitmodelle sollten auf individuelle Bedürfnisse eingehen (Studenten, Mütter).

 

Benefits, wie Verpflegung, Facilities, Ausflüge, Events oder Teambuilding machen Arbeitgeber zusätzlich attraktiv. Riederle schließt deshalb mit einem positiven Blick in die Zukunft.

 

„Egal ob nun als Kunde oder Mitarbeiter, die digitale Generation hat zwar andere Erwartungen als die übrigen Altersgruppen. Wer sie aber versteht, hat auch künftig kein Problem, Skifahrer und Seilbahner zu finden!“