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Erstes Nadelöhr am Brünig-Pass. Foto: Marco Braun

Fatzer: Seiltransport der Superlative

Logistische Meisterleistung setzt neue Maßstäbe im Seiltransport.

6.940 Meter lang, 132 Tonnen schwer – das sind die neuen Rekordwerte des längsten und schwersten Stahlseils für eine Schweizer Seilbahn. Der Transport nach Grindelwald stellte sowohl FATZER als auch das Transportunternehmen Wipfli vor einige Herausforderungen.

 

Würde man die 153 einzelnen Drähte von zwei der vollverschlossenen Tragseile der neuen 3S-Seilbahn Grindelwald Grund – Eigergletscher hintereinander legen, so könnte man damit bequem die Schweizer Landesgrenze umrunden.

 

Im Detail heißt das 2.021 Kilometer hochfester Stahldraht mit Festigkeiten von 1.760 bis 2.060 N/mm2, verseilt zu zweilagig vollverschlossenen Tragseilen vom Typ INTEGRA mit 58 mm Durchmesser.

 

Eines der vier Seile ist in der Ausführung INTEGRA-DATA mit 24 Lichtwellenleitern versehen, welche in einem lasergeschweißten Stahlröhrchen in den Runddrahtkern des Seils integriert wurden.

 

 

 

Die Werte mögen spektakulär klingen, für FATZER gehören jedoch Spezialanfertigungen wie diese mittlerweile schon fast zum Alltag. Die Herausforderungen lagen bei diesem Projekt insbesondere bei der Logistik: Wie ist es möglich, eine Nettotonnage von 132 Tonnen über enge und kurvige Bergstraßen und Brücken zu manövrieren, welche nur für eine maximale Belastung von 72 Tonnen zugelassen sind?

 

Ende der ersten Etappe: das Nachtquartier bei Zweilütschinen. Foto: FATZER

Umspulen auf einer der Brücken kurz vor Grindelwald. Foto: Simon Vogt, Jungfraubahnen

Drei Lkws – drei Jahre Planung

Kein neues Problem für FATZER und dem Logistikdienstleister Wipfli Transporte, wurden doch bereits mehrere Transporte mit zwei gekoppelten LKWs erfolgreich durchgeführt. Die statischen Berechnungen eines externen Ingenieurs erforderten in diesem Fall jedoch eine Verteilung der Nettolast auf drei Trucks, welche man zudem noch einer speziellen „Diät“ unterziehen musste:

 

Allein die gewichtsreduzierenden Umbaumaßnahmen waren sehr kostspielig. Nach rund drei Jahren Planung und zahlreichen Sonderbewilligungen wurde dann im vergangenen August das 65 Meter lange und 212 Tonnen schwere Gespann mit insgesamt 1.580 PS von Romanshorn über den Brünig-Pass zunächst nach Zweilütschinen befördert. 

 

Für diesen rund 200 Kilometer langen Teilabschnitt wurden knapp acht Stunden benötigt, für die restlichen zwölf Kilometer bis nach Grindelwald-Grund nochmals drei Stunden. Auf dem letzten Streckenabschnitt musste das Tragseil insgesamt sechsmal ab- und wieder aufgewickelt werden. Die Verteilung auf drei LKWs war nur durch die drei speziell für diesen Transport von der Firma TRESCO AG angefertigten Bobinen möglich.

Peter Wipfli, Projektleiter bei Wipfli-Transporte: „Es war sicher der bisher aufwendigste, aber auch interessanteste Transport. Solche Projekte machen das Leben richtig interessant. Wir sind bereit für die nächsten Herausforderungen!“. Im Bild: Das Wipfli-Team

Feedback Hoher Kasten: „Die Tragseile aus 1964 sind immer noch in einem Topzustand und verrichten täglich nach rund 550.000 Fahrten oder gut 1,7 Millionen Kilometern Fahrt ihre Arbeit bei uns. Die geforderte Bruchkraft wird auch nach 55 Jahren Einsatz um ein Vielfaches überboten. Dies bestätigen die zahlreichen vorgeschriebenen Tests, welche wir jedes Jahr durchführen lassen. FATZER AG Drahtseilfabrik = Top-Qualität. Im Bild: Seiltransport vom Tragseil Hoher Kasten 1964. Foto: Grubenmann/Landesarchiv Appenzell

Projektleiter Roland Züst, Einkaufsleiter Fabian Sternig und Christian Enzler (Tresco AG) bei der abschliessenden Kontrolle der Spezialbobine. Foto: FATZER