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Mountaincart im Bellwald:

Rasante Strecke, rasanter Erfolg

Die Mountaincart-Strecke in Bellwald (Oberwallis) hat ihre Skeptiker schnell überzeugt: 10.500 Fahrten und 120.000 Euro Umsatz generiert die Attraktion mittlerweile pro Jahr.

 

Die Ski- und Wanderdestination Bellwald ist umringt von zahlreichen großen Skigebieten im Oberwallis. Um gegen diese starken Mitbewerber zu bestehen, verfolgt Bellwald seit gut zehn Jahren eine Differenzierungs- und Vorreiterstrategie.

 

So entstanden unter anderem die erste Downhill-Strecke der Region, sowie eine Trottinett-Piste. „Als andere Skigebiete nachzogen, suchten wir 2015 erneut nach einem Alleinstellungsmerkmal.

 

Auf diversen Messen stieß ich auf die Mountaincarts – und danach auf viel Skepzis im Verwaltungsrat“, berichtet Holger Plaschka, Stv. CEO der Bellwald Sportbahnen AG.

Mit den ersten fünf Mountaincarts prognostizierte Plaschka 30.000 Franken Umsatz im ersten Jahr, tatsächlich wurden es 50.000. „Damit war der Damm gebrochen und wir haben sofort die Flotte aufgestockt. Zurzeit haben wir 25 Mountaincarts und generieren mit der Vermietung 120.000 Franken Umsatz im Jahr“, so Plaschka.

Holger Plaschka, Stv. CEO Bellwald Sportbahnen AG:

„Die Mountaincarts haben die Skeptiker in kürzester Zeit überzeugt.

 

Die rasante Strecke ist der größte Multiplikator für unser Sommergeschäft, ohne den Mountaincarts wäre nicht viel los.

 

Nun kommen nicht nur Wanderer und Familien, sondern auch Jugendliche, Vereine und Gruppen zu uns nach Bellwald. Vor allem am Wochenende haben wir viele Tagesgäste, mittlerweile stößt unsere Strecke an ihre Kapazitätsgrenze!“

Sechs Kilometer und 450 Höhenmeter überwinden die Mountaincarts auf der Hochgebirgspiste, die nur teilweise asphaltiert ist. Fotos: Bellwald Tourismus

Sechs Kilometer Strecke

Hinzu kommt eine erhöhte Auslastung der Sesselbahn, da die Gäste für ihre rund 10.500 Fahrten pro Saison ja irgendwie zur Mittelstation müssen, wo die Mountaincart-Strecke beginnt.

 

Dann geht es von 2.050 auf 1.600 Meter über sechs Kilometer ins Tal „Unsere Strecke ist rasanter als viele andere Mountaincart-Straßen, wir haben sie daher groß ausgeschildert und abgesichert“, betont Plaschka.

 

Die Hochgebirgspiste mit nur teilweise asphaltierten Kurven fordere zwar mehr von den Mountaincarts als anderswo, dafür sei der Funfaktor größer.

 

„Bei uns stimmt das Preis-Leistungsverhältnis – besonders für Jugendliche, die rasant über die staubige Strecke brettern wollen“, sagt der Stv. CEO.

 

Doch auch Familien und Senioren kämen auf ihre Kosten. „Denn erst die breite Zielgruppe macht die Mountaincarts so erfolgreich. Bisher war unser jüngster Gast sieben, unser ältester 73 Jahre alt“, freut sich Plaschka.

Weniger Verschleiß als bei Trottinetts

Das „Highlight Mountaincart“ stößt mittlerweile jedoch an seine Kapazitätsgrenze. Denn die 27 Jahre alte Zweier-Sesselbahn muss nicht nur die Gäste transportieren, sondern auch die Mountaincarts.

 

Diese werden mit ihrer Lenkgabel in den Sessel eingehängt und bergwärts transportiert. In der Mittelstation dürfen die Gäste dann ihr Mountaincart abholen, zurückgegeben wird das Gefährt an der Talstation.

 

„Dort konrollieren wir nach jeder Fahrt, ob Bremsen, Reifen oder andere Bauteile einwandfrei funktionieren“, sagt Plaschka.

 

Der Verschleiß sei aufgrund der rasanten Strecke zwar höher als bei anderen Mountaincart-Strecken, liege aber noch immer weit unter dem Wartungsaufwand für die Trottinetts.

 

„Die Instandhaltung übernimmt eine Bikefirma im Ort, zudem wird bald einer unserer Mitarbeiter von Joachim Jeßberger, Geschäftsführer von Mountaincart, speziell geschult werden“, erläutert Plaschka.

Grenze der Kapazität erreicht

„Wir haben in Spitzenzeiten 173 Vermietungen täglich, mehr lassen Seilbahn und Strecke nicht zu“, erklärt der Stv. CEO.

 

Deswegen will die Bellwald Sportbahnen AG im Zuge der Seilbahnerneuerung in zwei Jahren auch die Verleihstation, sowie die Strecke deutlich ausbauen.

 

„Zudem sind weitere Sommerattraktionen geplant, um für den Gast spannend zu bleiben“, schildert Plaschka die Marschroute der nächsten Jahre.

Denn mit mittlerweile 14 Prozent des Gesamtjahresumsatzes entwickelt sich das Sommergeschäft zu einem wichtigen wirtschaftlichen Standbein des Bergbahnunternehmens – vor allem Dank der Mountaincarts.

 

Das bedeutet ein Wachstum um sieben Prozent seit 2015. „Diese Umsatzsteigerung ist ganz klar auf die Mountaincarts zurückzuführen“, schließt Plaschka.

 

Mountaincart in der Schweiz

 

Neben Österreich ist die Schweiz eines der Länder in dem die Mountaincarts den größten Zuspruch finden. Landesweit setzen bereits etwa zehn Skigebiete von der Ostschweiz bis in den französischsprachigen Westen in puncto familiengeeignete Actionattraktion auf das seit vielen Jahren bewährte Mountaincart.

Neben dem idyllischen Bellwald sind darunter zahlreiche Topadressen der Schweizer Tourismusbranche wie Grindelwald, Zermatt oder die Aletscharena am größten und längsten Gletscher der Alpen.

 

Auch ein ehrenamtlicher Verein aus der Genferseeregion, der jungen Menschen mit Handicap Freizeiterlebnisse bietet, nutzt das Mountaincart seit 2018 – sehr zur Freude seiner Zielgruppe.