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Der Spannwagen in der Bergstation – auch dieser muss regelmäßig gewartet werden. Foto: SI/Müller

Wartung & Service

Sicherheit hat immer die höchste Priorität

Ein Blick hinter die Kulissen einer Bergbahn zeigt, wie umfangreich die Wartungsarbeiten nicht nur zu Revisionszeiten sind. Das ganze Jahr über wird „backstage“ fleißig gearbeitet.

 

Mehr als 90 Prozent blaue und rote Pisten, zahlreiche Angebote für Familien und Aktivurlauber machen das Skigebiet Snow Space Salzburg in St. Johann im Pongau zum beliebten Hotspot für Familien- und Genuss-Skifahrer im Winter. In der warmen Jahreszeit begeistert der Ort mit seinem Geisterberg, einem alpinen Erlebnispark.

 

Die meisten Gäste, egal ob im Winter oder im Sommer, machen sich wohl kaum Gedanken, welche Arbeiten ganzjährig „backstage“ ablaufen. Alle Anlagen, ob es die Seilbahnen, die Stationen, die Seile, die Spielplätze bei den Tal- und/ oder Bergstationen, die Pisten, die Wege, die Weidezäune im Sommer, die Erneuerung von Wegweisern uvm., müssen regelmäßig kontrolliert, gewartet oder erneuert werden. Laut Statistik wurden im Jahre 2016 40.000 Arbeitsstunden für Wartungsarbeiten bei den Alpendorf Bergbahnen aufgebracht.

Tägliche Herausforderungen

Einer, der weiß, welche Herausforderungen ein Skigebiet jeden Tag mit sich bringt, ist Gerhard Kaswurm, Betriebsleiter der Alpendorf Bergbahnen. Er ist gelernter Elektriker und bereits seit 1980 für die St.Johanner Bergbahn tätig. „Die Sicherheit hat oberste Priorität, wir kontrollieren im Grunde an 365 Tagen im Jahr, auch wenn dies für den Gast nicht ersichtlich ist“, erzählt Kaswurm.

 

„Was dabei natürlich sehr wichtig ist,“ betont der eingefleischte Seilbahner, „ist die Mitarbeiteraus- und Weiterbildung“. Und wer meint, dass durch die technischen Fortschritte weniger Wartungsarbeiten anfallen, der irrt. „Unsere Gäste“, so Kollege und ebenfalls Betriebsleiter, Siegfried Gruber, „wollen immer mehr Komfort und Attraktionen.

 

Wir müssen laufend in die Beschneiung investieren und nicht nur die 131 Schneekanonen müssen gewartet werden, auch die Pumpstationen und die Speicherteiche. Man kann sagen, dass die Beschneiung eine ewige Baustelle ist und diese erfordert sehr viel Zeit und Geld“. Und auch durch die Sommerbelebung, so Kaswurm und Gruber einstimmig, würden immer mehr Arbeiten anfallen. „Früher“, so Gruber, „hat man für die Seilbahn gebaut, heute für das Drumherum“.

Im St. Johann-Alpendorf am Geisterberg fährt im Sommer nur die Kabinenbahn. Alle anderen Winter-Bahnen werden im Sommer gewartet. Für die Revisionsarbeiten an den Seilbahnen stehen ca. 20 Mitarbeiter zur Verfügung. Nach der Reihe werden die Kontroll- und Instandhaltungsarbeiten an allen Kabinenbahnen, Sessel- , Schlepp- und Tellerliften, an den Stationen, an den Stützen etc. durchgeführt.

 

Die Revision der Kabinenbahn Buchau z.B. fand Anfang Oktober statt. SI-Redakteurin Birke Müller war dabei und schaute den Seilbahnern bei ihrer Arbeit über die Schulter: Die 8 MGD-DOPPELMAYR-Bahn, die 2007 gebaut wurde, wurde von Maschinist Walter Unterkofler, Maschinst Sebastian Thurner und Lehrling Markus Winkler Kabine für Kabine genauestens unter die Lupe genommen.

 

Bei den Arbeiten war eines sofort klar: Die drei verstehen sich ohne ein Wort. Schweigend und mit hoher Konzentration weiß jeder was der andere tut. Jeder Handgriff sitzt. Die Klemme wird vom Gehänge in einer eigens dafür vorgesehenen Koje getrennt und in ihre Einzelteile zerlegt. Teilweise ist sehr viel Kraft nötig, wenn z.B. alte Bolzen herausgeschlagen und durch neue ersetzt werden müssen. Die einzelnen Teile werden genaustens begutachet und gereinigt und dann wird alles wieder zusammengebaut.

Lehrling Markus Winkler (li.) ist seit Oktober mit im Team der Alpendorf Bergbahnen im Snow Space Salzburg. Hier bei der Revision mit den Kollegen Walter Unterkofler (mitte) und Sebastian Thurner, beide Maschinsten und schon seit langem ein eingeschworenes Team. Foto: SI/Müller

Unsere Hanteln sind die Rollen

Eine schwere köperliche Arbeit, als Ausgleich werde vom Betrieb ein Training im örtlichen Fitness-Studio angeboten, kann man von Kaswurm erfahren. Sebastian Thurner meint dazu allerdings: „Unser Fitness- Studio ist die Werkstatt“ und er zeigt auf die zum Teil 52-Kilogramm schwere Rollen, die das Seil über die Stützen tragen, und die natürlich nach oben gehievt werden müssen.

 

„Auf den Stützen sind wir gesichert, aber trotzdem kann es zu gefährlichen Situationen kommen“, schildert Walter Unterkofler. „Da musst du dich auf deinen Kollegen und das Arbeitsmaterial 100-prozentig verlassen können“. Neben den Arbeiten auf den Stützen oder etwa im Spannwagen oberhalb der Station, fallen auch Arbeiten wie das Waschen der Kabinen innen und außen an. Eine zwar ungefährliche, aber ebenso aufwendige und notwendige Arbeit, die immer wieder in regelmäßigen Abständen auf‘s Neue gemacht werden muss.

 

„Einmal im Jahr“, so erzählt Kaswurm, „sind wir zur Hauptuntersuchung verpflichtet. Wir müssen einen Revisionsbericht schreiben und können uns das „Pickerl“ sozusagen selbst ausstellen. Bei der 5-jährigen Überprüfung muss ein externer Prüfer bestellt werden. Diesen kann man jetzt selbst aussuchen. Früher wurde das von den Behörden erledigt, was allerdings auch jetzt noch stichprobenartig zusätzlich vorkommen kann“, erzählt Kaswurm.

 

Die Vorschreibungen variieren zudem von Hersteller zu Hersteller, sagt WPKPrüfer Stephan Obexer: „Seilbahnen von LEITNER ROPEWAYS müssen alle fünf Jahre ergänzend überprüft werden, während bei DOPPELMAYR die Überprüfungen alle sechs Jahre vorgesehen sind. bm

Stephan Obexer Seilbahnprüfer WPK Kaprun

Die Seilbahn ist eines der sichersten Transportmittel!

Als Inhaber und GF von der Kapruner Firma WPK Austria (neben seinem Partner Mark Löhr), ist Stephan Obexer bestens betraut mit dem Thema „Wartung & Service“. Es gehört zu den täglichen Aufgaben des gebürtigen Südtirolers sich mit der Sicherheit von Seilbahnbetrieben zu beschäftigen. „Die Seilbahn“, so Obexer, „ist eines der sichersten Verkehrsmittel weltweit.

 

Nur sehr sehr selten kommt es zu Unfällen aufgrund von technischen Gebrechens oder Fehlfunktionen“, betont er. Natürlich gäbe es viele sicherheitsrelevante Bauteile bei einer Seilbahnanlage, schildert Obexer. Doch die Kombination von verschiedenen Sicherheitseinrichtungen, Normen, regelmäßigen internen und externen Überprüfungen sowie strenge Gesetzesvorschriften gewährleiste eine extrem hohe Sicherheit. „Das fängt schon bei den Herstellern an: Diese müssen sich an die geltenden Normen halten.

 

Weiter geht es dann bei den Betrieben“, erzählt der Seilbahnprüfer. Hier spiele die 2013 überarbeitete Seilbahn-Überprüfungsverordnung (Bundesrecht) eine wichtige Rolle, die durch eine Kombination aus wiederkehrende oder ergänzende Überprüfungen einen hohen Überprüfungsgrad der Seilbahnanlagen in Österreich garantiert. Dadurch kann sichergestellt werden, dass eventuelle Mängel rechtzeitig erkannt und behoben werden. Bei den sog. CEN-Anlagen (Anlagen ab 2004) müssen für die Wartung und ergänzenden Überprüfungen die Herstellerangaben eingehalten und berücksichtigt werden.