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Die uniformierten Seilbahner

Exoten im Österreichischen Bundesheer

Selbst in der österreichischen Armee kennen sie nur wenige: Die heereseigene Seilbahn am Berg Glungezer in Tirol. Über eine spezielle Anlage, ihr exotisches Personal und das geheime Ziel.

 

Im ganzen Land unterhält das österreichische Bundesheer Funkstationen, um die interne Kommunikation sowohl in Friedens- als auch in Kriegszeiten sicherzustellen. Zwei der Sendeposten befinden sich an sehr exponierten Stellen: Dem Glungezer in Tirol und dem Dachstein im Salzkammergut. Beide werden bzw. wurden von Seilbahnen erschlossen. Während die Anlage am Dachstein zurzeit stillgelegt ist und in absehbarer Zeit neu gebaut wird, ist die Seilbahn am Glungezer seit 1979 im Betrieb.

 

Beide sind nicht nur der breiten Bevölkerung unbekannt, sondern auch dem Großteil des österreichischen Heeres. Kein Wunder, da ja nur drei der rund 30.000 Soldaten Seilbahner sind. „Wir sind wahre Exoten“, beschreibt Vizeleutnant Robert Wirlitsch die Situation in Österreich. Zusammen mit Stabswachtmeister Auer und Oberwachtmeister Thaler betreibt er die Materialseilbahn mit eingeschränktem Werksverkehr am Glungezer – und bald auch wieder die Anlage am Dachstein.

Seilbahn fährt nach Bedarf

Alle drei sind auf zivilem Wege ausgebildete Seilbahner, könnten also ohne Probleme auch in Skigebieten arbeiten. Organisatorisch sind sie dem technischlogistischen Zentrum der Luftraumüber-wachung unterstellt und für den Betrieb, die Wartung und die Bergung der Seilbahn zuständig.

 

„Die Anlage fährt nach Bedarf, also wenn Soldaten, Firmen oder Materialien in die Funkstation müssen, welche regelmäßig gewartet und kontrolliert werden muss“, berichtet Wirlitsch. Rund 15 Tage im Monat ist die Bahn in Betrieb – und das Team vor Ort. Da der Antrieb im Tal und die Abspannung am Berg positioniert sind, wird die Anlage von der Talstation aus gesteuert, weshalb diese auch mit einer Werkstatt, Unterkunft und Sozialräumen ausgestattet ist.

 

Erreichbar ist die Talstation im Sommer mit Jeep und Quad, im Winter nur mit Ski und Skidoo. Die Pendelbahn von STEURER ist dem zivilen Seilbahnrecht unterworfen und befindet sich auf dem neuesten Stand der Technik – obwohl sie schon 1979 errichtet wurde. „Wir halten unsere Anlage gut im Schuss. Darüber hinaus haben wir 2003 eine nagelneue Signalanlage für die SIEMENS-Steuerung eingebaut“, sagt Wirlitsch.

Robert Wirlitsch

Vizeleutnant, Seilbahnfachmann und Betriebsleiter, Österreichisches Bundesheer

„Wir müssen den Zugang zur Funkstation auch bei schwierigsten Wetterbedingungen gewährleisten. Der Wind am Glungezer kann bis zu 200km/h erreichen und die Temperatur im Winter unter minus 25 Grad fallen. Die Folge: Das Seil muss regelmäßig von zentimeterdicken Eis befreit werden. Zudem ist im Winter die Talstation nur per Skidoo erreichbar und aufgrund des hochalpinen Geländes eine Streckenbegehung nur mittels Tourenski oder Schneeschuhen möglich.“

Neubau der Seilbahn am Dachstein

Die zweite Seilbahn des österreichischen Bundesheeres am Koppenkarstein im Dachsteingebirge wurde dagegen 2015 abgetragen. „Das als Bergesystem gedachte selbstfahrende Fahrbetriebsmittel mit einem Raupenantrieb war nicht mehr zeitgemäß und hat seine Lebensdauer erfüllt“, berichtet Wirlitsch. Zurzeit läuft die Planung und Ausschreibung für eine Doppeltragseil-Materialseilbahn“ fügt der Vizeleutnant hinzu. Bis dahin muss die Funkstation am Dachstein mit dem Hubschrauber versorgt werden. Sobald aber die Seilbahn am Dachstein steht, sind auch Robert Wirlitsch und seine Kameraden gefordert – als Seilbahner in Uniform. ts

Die Bergstation mit der Funkstation im Berg.

Die Talstation mit Werkstatt und Unterkunft.

Die Soldaten müssen das Seil oft von zentimeterdicken Eis befreien

Der Wagenkorb schwebt mit 4 Stützen über alpines Gelände. Fotos: SI/Surrer

Technische Daten

Materialseilbahn Glungezer