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Matterhorn Glacier Ride

Höchste 3S Bahn der Welt

Die höchste Bergstation Europas, ein Spannfeld von über 2,7 Kilometern und Kabinen mit Glasboden – der Matterhorn glacier ride ist eine Anlage der Superlative. Dabei ist die 3S Bahn Teil eines noch größeren Projektes.

 

3.821 Meter über Meer befindet sich die Bergstation des Matterhorn glacier ride. Das macht sie zur höchstgelegenen Bergbahnstation Europas und die Bahn gleichzeitig zur aktuell höchsten 3S Bahn (Dreiseilumlaufbahn) der Welt.

 

Die spektakuläre Anlage wurde vom Seilbahnhersteller LEITNER ropeways errichtet – und ist damit eines der „größten und bedeutensten Projekte unserer Firma“, betonte Markus Sigrist, General Manager der LEITNER Schweiz AG bei der Eröffnung Ende September.

 

Bis dahin sind ca. 600 Arbeitstage vergangen. Das Bauprojekt ist die bisher größte Investition in der Geschichte der Zermatt Bergbahnen AG. Mit Kosten von ca. 55 Millionen Franken macht es über zehn Prozent der gesamten Investitionen seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2002 aus. 

,,Das Wetter, die Logistik & der Untergrund forderten uns sehr!"

Anton Lauber, Leiter Bau der Zermatt Bergbahnen AG

„Zusammen mit LEITNER ropeways, der Seiltransportfirma ZURBRÜGG und 36 weiteren Firmen, sahen wir uns als Generalplaner mit zahlreichen Herausforderungen auf Europas höchster Baustelle konfrontiert, darunter Windgeschwindigkeiten von 250 Metern pro Stunde, Temperaturen von minus 30 Grad und geringem Sauerstoffgehalt in der Atemluft. Das Klein Matterhorn mit seinen Gletschern machte die Logistik und die Erschließung der Baustelle kompliziert, viel Material musste Monate im Voraus geliefert werden und am Berg überwintern. Auch der Untergrund machte uns zu schaffen. So fanden wir für die Stütze 2 den Fels erst in 35 Metern Tiefe, während wir für die Stütze 3 zahlreiche Anker in den Fels schlagen und einen Kran errichten mussten.“

Am Bau beteiligt waren 145 Personen von 38 Firmen aus der ganzen Schweiz und Italien. Sie sahen sich mit zahlreichen, harten und großen Herausforderungen konfrontiert. So nimmt die Temperatur in der Höhe rund 6.5 Grad Celsius pro tausend Meter ab – auf der Bergstation am Klein Matterhorn ist es daher durchschnittlich 26 Grad kälter als auf Meeresniveau.

 

Da Betonarbeiten nur bis plus fünf Grad möglich sind, musste der Beton mit warmem Wasser zubereitet werden und durfte während des Wegs mit der Transportseilbahn nicht unter acht Grad auskühlen. Zudem erschwerte die dünne Atemluft die Bauarbeiten. Auf einer Höhe von fast 4.000 Metern kann ein Arbeiter, je nach Akklimatisation nur 60 bis 80 Prozent seiner normalen Leistung erbringen.

 

Hinzu kommen die hochalpinen Wetterbedingungen auf der Bergstation. Tagestemperaturen von bis zu minus 30 Grad und Windspitzen von bis zu 240 km/h waren keine Seltenheit. Die erschwerte Zugänglichkeit im hochalpinen Gletschergebiet machte vor allem den Seiltransport der Firma ZURBÜGG über die italienische Seite des Berges zu einer Herausforderung (siehe Bericht in der Ausgabe SI 7/2017). Insgesamt wurden 75 Tonnen Material verbaut und 27.500 Kubikmeter Fels ausgehoben.

Die hellen Stationen aus Holz und die SIGMA-Kabinen harmonieren miteinander. Fotos:SI/Surrer

Höchste Verfügbarkeit

Allen Widrigkeiten zum Trotz konnte die Bahn termingerecht fertiggestellt werden. Die Zermatt Bergbahnen AG (ZBAG) hat mit LEITNER ropeways offenbar auf den richtigen Hersteller gesetzt, wie Bauleiter Anton Lauber bestätigt:

 

„Das Antriebssystem DirectDrive gab den Ausschlag zugunsten des Herstellers LEITNER ropeways. Zudem überzeugte uns das Preis-Leistungsverhältnis, das integrierte Bergekonzept und das redundante System aus zwei Antrieben, die höchste Verfügbarkeit gewährleisten.“

 

Denn dank der bestehenden Pendelbahn aus dem Jahr 1979 und dem neuen Matterhorn glacier ride wird das Klein Matterhorn nun an 365 Tagen im Jahr zugänglich sein: .

 

„Die neue 3S Bahn wird der Beliebtheit des Ausflugsziels endlich gerecht. Mit einer Transportleistung von 2.000 Personen pro Stunde gehören Wartezeiten auf das Klein Matterhorn der Vergangenheit an und die neunminütige Fahrt auf die höchste Bergstation Europas lässt sich komfortabel sitzend in vollen Zügen genießen“, ist Markus Hasler, CEO der ZBAG überzeugt.

Er setzt vor allem auf die Attraktivität der 25 Kabinen im Pinifarina-Design: Auf einer Grundfläche von 13.3 Quadtratmetern verfügen sie über je 28 komfortable Sitzplätze mit Panorama-Rundumblick. Vor allem asiatische Gäste seien hier eine große Zielgruppe, wie ZBAG-Marketingchefin Sandra Stockinger ergänzt.

 

Hinzu kommen vier „Crystal ride“ Kabinen, die mit Swarowski-Kristallen veredelt sind. Sie sind mit einem trüben Glasboden ausgestattet, der nach drei Minuten, auf einer Höhe von 170 Metern über Grund, aufklart und den Blick auf den Gletscher freigibt. Ebenfalls erwähnenswert ist die offene, moderne Holz bauweise der beiden Stationsgebäude, sowie die dort angebrachten Solaranlagen, welche 252.000 Kilowatt Strom im Jahr produzieren werden.

Endziel Alpine Crossing

So groß das Projekt Matterhon glacier ride auch ist, so ist es „nur“ ein Teil des noch größeren Projektes „Alpine Crossing“. Die Vision sieht einen einzigartigen Alpenübergang zwischen Norditalien und Zermatt und langfristig die Verbindung der drei Skigebiete Zermatt, Cervinia/Valtournenche und Monte Rosa vor. „Dadurch würde eines der größten zusammenhängende Skigebiet der Welt entstehen,“ blickt der frisch gewählte ZBAG-Vorstand Franz Julen optimistisch in die Zukunft, welche mit der neuen 3SBahn Matterhorn glacier ride bereits einen vielversprechenden Anfang genommen hat. ts

,,Das Thema Höhe zog sich durch Bau, Bahn Feier!"

SI Redakteur Thomas Surrer über die Eröffnung des Matterhorn glacier ride

„Höchste Ansprüche, höchste Baustelle, höchste Ziele: Der Matterhorn glacier ride ist eine Bahn der Superlative. Während LEITNER ropeways mit seinem 3S-Bahn-System und den Crystal-Ride-Kabinen neue Höhepunkte in Seilbahntechnik, Komfort und Design setzt, haben 38 Unternehmen, darunter die Firma ZURBRÜGG, Höchstleistungen bei Kälte, Wind und dünner Luft erbracht. Nichtzuletzt setzt sich die Zermatt Bergbahnen AG mit der neuen Anlage Ziele über die höchste Bergstation Europas hinaus: Der Matterhorn glacier ride soll unter dem Motto „Alpine Crossing“ Teil der höchsten Alpenüberquerung durch Seilbahnen werden.

 

Das Thema „Höhe“ spielte konsequenterweise auch bei der Eröffnungsfeier eine tragende Rolle. So boten Artistinnen einen beeindruckenden Tanz von der Decke der Talstation und Hochseilkünstler Freddy Nock balancierte vor den Augen der Gäste über die Seile der neuen Bahn. Hohes Spektakel für eine hohe Seilbahn!“

Technische Daten

3S Matterhorn glacier ride