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Ausbilder Thomas Reisch winkt die verschobenen „Fahrgäste“ herbei

Immoos

Verschieben am Seil

Ob Lawinengefahr oder Wildbach: Oft können Gäste im Notfall nicht an Ort und Stelle abgeseilt werden, sondern müssen am Seil verschoben werden. Über eine anspruchsvolle Bergung, die gut geübt sein will.

 

Steiles Gelände in der Sektion 1, Lawinengefahr in Sektion 2 – die Strecke der Kabinenbahn Zell-am-See-Xpress hat es in sich, eine klassische Bergung der Gäste ist im Notfall an vielen Stellen nicht möglich.

 

Deswegen müssen die Retter die Menschen am Seilbahnseil aus der Gefahrenzone verschieben und sie an einer sicheren Stelle abseilen. Diese Bergungsart ist anspruchsvoll und muss gut geübt werden.

 

Genau aus diesem Grund steht jetzt Thomas Reisch, Geschäftsführer und Ausbilder von IMMOOS Österreich, in der Mittelstation des Zell-am-See-Xpress – umringt von einem Dutzend Mitarbeitern der Schmittenhöhebahn AG. Interessiert lauschen sie Reischs Ausführungen über das Laufwerk Triple, ein Bergegerät, das beim Verschieben am Seil eine zentrale Rolle einnimmt.

„Mit dem Triple können wir immer zwei Gäste am Seil zwischen zwei Kabinen verschieben. So bringen wir nach und nach alle Menschen aus der Gefahrenzone, um sie danach sicher abzuseilen“, erklärt Reisch.

 

Pro Kabine werden zwei Retter benötigt. Während einer am Dach das Verschieben der Gäste überwacht und das Triple-Laufwerk hin und her zieht, legt der andere den Gästen in der Kabine das Abseilgeschirr an und betreut sie psychologisch.

 

„Geborgen wird von Berg in Richtung Tal. Wir haben dafür 180 Minuten Zeit, das ist gesetzlich so geregelt“, betont Reisch. Er erklärt, dass pro Bergeteam noch drei weitere Retter notwendig seien.

 

„Zwei Mitarbeiter befinden sich im sicheren Areal, um die Gäste in Empfang zu nehmen und abzuseilen – einer auf der Stütze, der andere am Boden“, führt der Ausbilder weiter aus.

 

Der dritte befindet sich dagegen auf der Stütze oberhalb der zu bergenden Kabinen und „räumt“ mithilfe des Seilfahrgeräts SS1 „auf“, holt also am Ende der Bergung seine Kameraden und das Material ab. Mit Ausnahme des Hilfsretters am Boden sind alle Retter mit persönlicher Schutzausrüstung (PSA) ausgestattet.

Peter Onz

Betriebsleiter Schmittenhöhenbahn AG

„Früher hatten wir acht verschiedene Bergesysteme, da die Hersteller ständig wechselten. Wir wollten aber ein System für den ganzen Berg, damit im Notfall jeder Mitarbeiter mit einheitlichen Geräten arbeiten kann. Deswegen sind wir auf das spezielle Bergesystem „Schmittenhöhe“ umgestiegen, welches die Firma IMMO0S auf unsere Wünsche hin zusammengestellt hat. Seitdem kontrolliert, beliefert und schult uns IMMOOS – zu unserer vollsten Zufriedenheit!“

Die Gäste werden bis zur Stütze verschoben und dann abgeseilt.

Das benötigte Material wird in Säcken systematisch gelagert

Mit dem neuen Wissen im Kopf wird es nun Ernst für die Mitarbeiter der Schmittenhöhebahn AG. Zwei Kabinen werden mit Statisten befüllt und zwischen zwei Stützen gefahren. Dann steigen die zwei Bergeteams auf die Stütze oberhalb des Seilfelds. Gesichert werden sie dabei durch den FALLBLOC von Immoos, „dem weltweit einzigsten Steigschutz der für vier Personen gleichzeitig zertifiziert ist“, wie Reisch betont.

 

Der 53-Jährige begleitet die Retter mit seinem eigenen SS1 durch alle Bergeschritte. „Ich halte nichts davon, als Ausbilder am Boden zu stehen und nach oben zu schreien. Nur wenn ich mit den Mitarbeitern oben am Seil bin, kann ich Ruhe und Disziplin in die Bergeübung bringen“, sagt Reisch. Währenddessen lassen sich seine „Schützlinge“ zu den einzelnen Kabinen verschieben und bauen auf dem Kabinendach das Bergematerial zusammen.

 

„Für jeden Bergeschritt und jeden Retter hat uns IMMOOS einen individuellen Materialsack zusammengestellt. Im Notfall ist an jeder Position nur das Material, das dort wirklich gebraucht wird.“, berichtet Peter Onz, Betriebsleiter der Schmittenbahn AG.

 Gerade sind seine Mitarbeiter dabei, die Statisten in den Kabinen mit Abseilgeschirren auszustatten und nach und nach zu verschieben. Im Abstand zweier Gondeln ist also immer ein Fahrwerk im Einsatz. Die Gäste der obersten Kabine wandern somit von Kabine zu Kabine talwärts. Da sie rund drei Meter unter dem Seilbahnseil hängen, können und müssen sie zu keinem Zeitpunkt in die Bergung eingreifen.

Thomas Reisch bildet die Mitarbeiter sowohl theoretisch (links), wie praktisch aus (Mitte), bevor sie die Bergung üben (rechts). Fotos:SI/Surrer

Gäste und Retter strategsich auswählen

Reisch empfielt den Rettern, die Reihenfolge der Gäste strategisch festzulegen: „Wenn ein Gast sichtlich nervös ist, lasse ich ihn zunächst die Bergung seiner Mitreisenden beobachten und berge ihn dann als Letzten!“ Dem Geschäftsführer von IMMOOS Österreich ist es zudem wichtig, einen guten Stammtrupp auszubilden, der dann wiederum die eigenen Kollegen weiterbildet.

 

„Wenn ich die Fortbildung leite, übe ich mit rund acht Personen mehrmals hintereinander die Bergung. „Lieber habe ich am Ende des Tages einen harten Kern, der das Verschieben wirklich beherrscht, als viele Mitarbeiter, die das Geübte leicht vergessen.“ Und genau so geht Reisch auch auf der Schmitten vor. Dreimal lässt er die Übung am Zell-am-See-Xpress durchführen. Am Ende sind sowohl er, als auch die Mitarbeiter der Bergbahn zufrieden. Verschieben am Seil – für die Schmitten ab sofort kein Problem mehr! ts