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Salzmann:

Die Kunst, an der richtigen Stelle zu investieren

Die Investitionen in Seilbahnen und Beschneiung sind enorm.

 

Wie lassen sich knappe Budgets effizient einsetzen? Zwei Beispiele für zielgerichtetes Investieren.

 

Zwanzig Minuten dauert die Autofahrt von Innsbruck nach Tulfes. Dort liegt die Glungezerbahn – ideal für Tagesausflüge im Winter und auch im Sommer. Doch wenn die Bahnen veraltet sind, nützt die allerbeste Lage nichts.

 

Die Tiroler Tageszeitung brachte die Situation 2017 auf den Punkt: „Retro und irgendwie romantisch, aber verlustreich.“

 

Die Doppelsesselbahn Glungezer I war 50 Jahre alt. An Wochenenden standen die Skifahrer eine halbe Stunde lang Schlange. Am Berg ging es mit dem genauso alten Schlepplift Glungezer II weiter.

Auch die anderen fünf Lifte waren mehr als drei Jahrzehnte in Betrieb. 2010 übernahmen die Gemeinde Tulfes und der Tourismusverband Hall-Wattens für einen Euro die Gesellschaft.

 

Was tun? Das Planungsbüro SALZMANN Ingenieure erarbeitete eine Gesamtstudie. Ergebnis: Die Erneuerung rechnet sich, weil das Gebiet ganzjährig wieder für Familien interessant wird.

Retro und irgendwie romantisch, aber verlustreich: Die 50 Jahre alte Glungezerbahn musste dringend ersetzt werden.

Hohe Investitionen

Dennoch waren die Investitionen für die 18 Gemeinden des Tourismusverbands nicht zu stemmen.

 

Nach jahrelangen Diskussionen gaben alle Gemeinden 2017 ihr Okay zu einem stark abgespeckten Stufenplan mit 16,5 Millionen Euro – fünf Millionen unter der ersten Berechnung, erinnert sich Planer Stephan Salzmann.

 

Statt einer durchgehenden Gondelbahn für beide Teilstrecken war nur mehr die Erneuerung von Glungezer I vorgesehen, im Jahr darauf eine Beschneiungsanlage. Der Neubau von Glungezer II sollte erst folgen, wenn es die finanzielle Lage wieder zuließ.

 

Eine moderne 10er-Kabinenbahn bringt seit Ende 2018 die Wanderer und Skifahrer auf den Berg. Der Umsatz stieg über alle Erwartungen.

Wie hart gespart werden musste, zeigen Details: Sogar die jahrzehntealten WC-Anlagen und die Werkstatt in der Bergstation werden vorläufig weiter genützt. Die Mitarbeiter der Glungezerbahnen brachten 13.000 Stunden Eigenleistung ein, um Kosten zu reduzieren.

 

Seit Weihnachten 2018 läuft die neue 10er-Kabinenbahn Glungezer I.

 

„Nicht ideal, aber zweckmäßig“, lautet Salzmanns Fazit. „Wir haben nur gemacht, was unbedingt nötig war – aber das ordentlich“, ergänzt Geschäftsführer Walter Höllwarth.

 

Das Ergebnis gibt beiden recht. Höllwarth: „Wir haben einen Umsatz erreicht, von dem wir nicht einmal zu träumen gewagt hätten.“

Als Ersatz für den alten Schlepplift konnte Silvretta Montafon die gebrauchte Natrunbahn aus Maria Alm verwenden.

Neues Leben für eine alte Anlage

Ein gänzlich anderes Projekt, doch auch für die Jöchle-Bahn im Skigebiet Silvretta Montafon passt die Beschreibung „zweckmäßig“. Der alte Doppelschlepplift wurde trotz attraktiver Pisten immer weniger genützt.

 

Als die gebrauchte Natrunbahn aus Maria Alm auf den Markt kam, griffen die Montafoner zu. „Bei der Wiederaufstellung einer Seilbahn ist der Spielraum für Änderungen sehr gering. Der Einsatzbereich der Komponenten muss weitgehend unverändert bleiben“, weiß Stephan Salzmann.

 

Der erfahrene Planer reizte die Möglichkeiten aus: Aus der Kombi- wurde eine fix geklemmte 6er-Sesselbahn, Berg- und Talstation wurden vertauscht. Auch die Seilspannkräfte änderten sich.

Trotz attraktiver Pisten wurde der alte Jöchle-Doppelschlepplift immer weniger frequentiert. Fotos: SALZMANN Ingenieure

Selbst eine fehlende Sicherheitsstrecke akzeptierte die Behörde, nachdem DOPPELMAYR einen Präzedenzfall gefunden hatte.

 

Bis Mitte August 2018 lief die Bahn in Maria Alm. Nach der Demontage mussten viele Teile zur Überprüfung gebracht werden, bevor sie im Montafon neu eingebaut werden durften.

 

„Der logistische Aufwand war deutlich höher“, schildert Markus Vollmann, Projektleiter Tiefbau bei Silvretta Montafon. Doch das zahlte sich aus. Das Unternehmen konnte einen Großteil der Kosten für die Seilbahntechnik einsparen.

 

Seit der Erneuerung der Jöchle-Bahn werden die Pisten wieder wesentlich stärker genützt.

Dass ein Premium- Skigebiet eine gebrauchte Anlage einsetzt, hält Planer Stephan Salzmann für „grundvernünftig“: „Silvretta Montafon hat in den kommenden Jahren noch eine Reihe großer Investitionen vor sich. Auch hier muss man Prioritäten setzen.“

 

Und so schließt sich der Kreis zwischen der großen Skistation Silvretta Montafon und dem kleinen Nischenanbieter Glungezer. „Die Frage ist immer: Wo spürt der Gast die Investition am meisten?“ findet Salzmann.

 

Die Antwort liefert ein sorgfältiges Gesamtkonzept: „Das ist die wichtigste Voraussetzung für zielgerichtetes Investieren.“