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Die drei Säulen der VTK-Tagung:  Vorträge; Ausstellung;  Exkursionen. Fotos: SI/Surrer

VTK in Disentis

Best practice im Fokus

Wie geht man am besten mit Vorfällen im Seilbahnbetrieb um und welche Lehren und Methoden lassen sich daraus ziehen? Das sind die Fragen, die sich die VTK-Tagung 2019 in Disentis stellte.

 

Unter dem Motto „Best Practice“ erhielten rund 460 Teilnehmer der diesjährigen VTK-Tagung in Disentis Einblicke in Paradebeispiele und -verfahren der Seilbahnbranche. 16 Referate, sowie zwei Exkursionen bildeten den Kern der Versammlung, die durch eine große Ausstellung der Industrie bereichert wurde.

 

Durch die Tagung im Center da sport e cultura führte Moderator und VTK-Vorstand Christoph Meier, der neben den Vorträgen und der Generalversammlung auch das umfangreiche Rahmenprogramm mit Besichtigungen der Seilbahnen Cuolm da Vi und Schneehüenerstock ankündigte. Die Begrüßung erfolgte durch VTK-Präsident Andreas Zenger.

BAV: Rückgang bei technischen Unfällen

Christian Gempeler von der Aufsichtsbehörde BAV betrat als erster die Bühne. Er berichtete über die signifikant positive Entwicklung bei technisch verursachten Unfällen in den vergangenen vier Jahren. „Durch neue Bahnen und gute Wartung verzeichnen wir einen Rückgang bei den Unfällen“, so Gempeler. Der BAV-Vertreter sprach zudem über Sicherheitsmonitoring, administrative Entlastungen für Seilbahnen und Umweltgutachten.

„Stellen Sie bei Bauprojekten eine Voranfrage an uns und nutzen Sie unsere Hilfsmittel“, empfahl Christian Gempeler vom BAV.

„Auch kurzfristige Zwischenausstiege bei Skiliften sind genehmigungspflichtig“, erinnerte Hans-Baptist Seeberger vom IKSS.

„Nach Fluktuation in der Geschäftsstelle zogen wir die Notbremse und trennten uns von Direktor Bernhard“, so Sepp Odermatt (SBS).

SI Herausgeber Gerald Pichlmair traf auf Seilbahnexperte Andreas Wiedemar.

IKSS-Hilfsmittel ab Ende November

Sein Behördenkollege Hans Baptist Seeberger vom IKSS mahnte an, dass die Instandhaltung von Skiliften selbst bei größeren Skigebieten oft vernachlässigt wird. „Dagegen hat sich die Meldepflicht verbessert“, so der Aufsichtsbeamte.

 

Seeberger kündigte neue Hilfsmittel an. Mit ihnen müssen ab Ende November 2019 Betreiber Vergleiche von Anforderungen und Reglements nicht mehr selbst heraussuchen. Seeberger präsentierte nichtzuletzt häufige Unfälle und Mängel, besonders Sorgen machen ihm die Seilentgleisungen.

Remy Supersaxo (links) und Reto Zurbrügg besuchten für ZURBRÜGG die VTK-Tagung.

Hans Hall vor einem seiner gewohnt außergewöhnlichen Werbesujets.

SBS: Notbremse gezogen

Über die Personalquerelen im Verband Seilbahnen Schweiz (SBS) informierte Interims- Direkor Sepp Odermatt. Nach hoher Fluktuation in der Geschäftsstelle unter Direktor Alexander Bernhard zog der Verband die Notbremse und trennte sich von ihm Anfang des Jahres. Mehrere Task Forces sind derzeit mit der personellen Neustrukturierung des Verbandes beschäftigt.

 

„Gesucht werden unter an- Hans Hall vor einem seiner gewohnt außergewöhnlichen Werbesujets. derem Politiker mit Affinität zur Branche, der Stallgeruch Seilbahn ist uns wichtig“, so Odermatt. Er berichtete zudem über die Zusammenarbeit mit dem BAV („Wir werden Druck und Tempo aufrecht erhalten“) und über die Strategie „Ausbildung 2027“ („Top-Leute aus der ganzen Schweiz sind im Beratergremium Sounding Board vertreten“).

 

Weitere Informationen – unter anderem über Windgutachten und Anlagen ohne Fahrpersonal – vermittelte SBS-Vizedirektor Fritz Jost. Den ersten Vortragsblock schloss Pascal Schär ab. Der Leiter der Andermatt-Sedrun- Disentis Marketing AG stellte den Tagungsort vor und zeigte, inwiefern sich die Skiregion entwickelt hat.

Andreals Doppler, Gian-Michele Muletta und Peter Baumgartner vertraten die Imhof AG.

Florian Immoos (links) konnte viele Interessierte an seinem Stand begrüßen.

„Neuschneemengen bei kalten Temperaturen sorgten Anfang 2019 für schlechten Schneedeckenaufbau“, sagte Célia Lucas (SLF).

„Bereitet eure Krisenkommunikation vor und schließt eine Versicherung gegen Betriebsausfall ab“, forderte Michael Wehrli (Säntis).

Mehr Schäden durch Staublawinen

Über die außergewöhnliche Lawinensituation in der vergangenen Wintersaison referierte Célia Lucas vom Lawinenwarndienst SLF. „Der kalte Januar löste Staublawinen aus, die große Schäden anrichteten“, so Lucas. Dank Bauten, Organisation und Raumplanung gab es aber keine Personenschäden. 

„Die Reparatur der Säntis-Stütze hat nicht nur den Stahl, sondern auch uns zusammengeschweißt“, betonte Ueli Sutter (GARAVENTA).

Pirmin Zurfluh (li.) & Rolf Bissig (Mitte) präsentierten die REMEC-Software Kassandra.

Die Unternehmen LEITNER ropeways, PRINOTH, DEMACLENKO und BACO teilten sich einen Stand und betreuten mit einer großen Truppe die Seilbahner. Fotos: SI/Surrer

Über die konkreten Folgen von Staublawinen informierte anschließend Michael Wehrli, Technischer Leiter der Säntis-Schwebebahn. Eine Lawine hat bekanntlich Anfang des Jahres Seilbahn, Gebäude und Fahrzeuge am Säntis beschädigt und die Anlage zum mehrmonatigen Stillstand gezwungen.

 

„Die Krisenkommunikation ist das allerwichtigste, nicht nur den Medien, sondern auch den Mitarbeitern gegenüber“, betonte Wehrli. Zudem stand die Koordination der Aufräumarbeiten unter hohem Zeitdruck ganz oben auf der Prioritätenliste.

 

Über die Details der Stützenreparatur am Säntis sprach im Anschluss Ueli Sutter vom Schweizer Seilbahnhersteller GARAVENTA: „Wir haben uns mit kühlem Kopf Szenarien überlegt und am Stützenkopf ein GNSS-Monitoring installiert.“ Die Pfeiler mussten mit massiven Stahlprofilen verstärkt werden – per Hubschrauber, da der Seilbahn noch nicht zu trauen war.

 

„Wir investierten 20 Tonnen Stahl und 1.300 Mannstunden. Unsere Mitarbeiter waren an allen Fronten höchst motiviert“, freute sich Sutter. Über Gefahren anderer Art und dem Umgang damit referierte Samuel Matti von Seilbahnen Schweiz. Er stellte die Brandschutznorm SN EN 17064 vor und warnte insbesondere vor Schäden an Seilen, die durch Brände ausgelöst werden.

Bruno Inauen (INAUEN-SCHÄTTI) & Philipp Enzler (FATZER) lachen in die Kamera.

Axel Halder (Mitte) stellte die Attraktionen von BORER und SUNKID vor.

Swiss Performance

„Sehr Gutes beibehalten und Gutes sehr gut machen“ – das sei die Idee hinter der Strategie „Swiss Performance“, berichtet Markus Menzi vom Seilbahnhersteller BARTHOLET. Verschiedene Entwicklungen, wie die Kuppelklemme, die Panorama- Gondel, das Dual-Feder-System oder das modulare Stationskonzept zeichnen „Swiss Performance“ aus.

 

„Hinzu kommt unser montage- und wartungsfreundliches Streckenkonzept, sowie der selbst entwickelte, modulare Direktantrieb“, betonte Menzi.

Automatische Seilsattelschmierung

Etwas praktischer gestaltete sich der Vortrag von Guido Bayard. Der Vertreter des Spenderherstellers SIMATEC informierte über die automatische Schmierung von Tragseilsatteln. „Ich höre mich in der Branche um, welche Probleme es gibt und reflektiere, ob Simalube-Spender die Lösung sein könnten“, schilderte Bayard seine Vorgehensweise.

 

So verwunderte es nicht, dass er auch über die automatische Schmierung von Umlenkrollen, Antriebsmotoren und Lauf-, Stütz- und Führungsrollen berichtete. „Aktuell läuft in Lauterbrunnen ein Test über die Schmierung einer Pedal-achse“, schloss Bayard den ersten VTK-Tag ab.

„Wir müssen das Versagen der Seile im Brandfall bis zur Evakuation ausschließen können“, forderte Samuel Matti (SBS).

„Der Endkunde nimmt von der Bahn nur die Gondel war, unser Porsche-Design ist daher wichtig“, so Markus Menzi von BARTHOLET.

„Lest im Magazin SI Schweiz-Spezial mehr über die automatische Seilsattelschmierung“, empfahl Guido Bayard von SIMATEC.

KÄSSBOHRER Schweiz ließ es sich nicht nehmen mit großem Team anzureisen (von links): Donat Item, Rico Storz, Remo Bulgheroni, Jean-Daniel Berdaz und Werner Arnold.

Hatten sichtlich Spaß auf der VTK: Konstantin Kühner (links) und Marcel Meier von JAKOB.

Die drei von TECHNOALPIN (v.l.): Marco Albiez, Patrizio Laudonia und André Stadler.

Moderne Fahrkarten

Über die Zukunft des Ticketing drehte sich der zweite VTKTag in Disentis. Den Anfang machten Martina Hänzi vom Startup FAIRTIQ und Adrian Stucki vom Eisenbahnbetreiber BLS AG. Gemeinsam stellten sie das automatische Ticketing (AT) im Öffentlichen Verkehr vor. Der Markttest des schweizweiten „ÖV Ticket“ erfolgt 2020, bereits jetzt lassen sich vervierfachte Nutzerzahlen und verfünffachte Umsätze feststellen.

 

Auch Vorkehrungen gegen den Missbrauch der neuen Technologie wurden präsentiert. Im Anschluss informierte Johannes Lippert über den Zutrittshersteller SKIDATA und dessen Schritte in die Digitalisierung – gemeinsam mit den Skigebieten: „Mitarbeiter sollen für den Service zur Verfügung stehen, nicht für den Ticket-Verkauf.“

 

Über die „Customer Journey“ referierte Oliver Suter von AXESS. Die Firma bietet Resort Solutions an – die Ticketing, Zutrittkontrolle, Parkmanagement, Verleih, Skidepot und Skischulsoftware umfasst: „Die Stoosbahnen sind hier eine gute Referenz“, sagt Suter. Den Abschluss bildete der Vortrag von Hans-Peter Huber (SBB) über die Neuerungen im Arbeitszeitgesetz. „Es ist nun einfacher aufgebaut“, so sein Fazit.

„Noch haben wir hauptsächlich Verbundfahrten, doch die langen Reisen werden mehr“, sind Adrian Stucki & Martina Hänzi überzeugt.

„Skigäste buchen am Dienstag mit Rabatt, dafür kommen sie am Wochenende“, so Lippert (SKIDATA) über die Praxis in Osteuropa.

„Skigebiete stehen weniger im Mitbewerb zueinander, als vielmehr zu anderen Tourismusformen“, betont Oliver Suter von AXESS.