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Das neue Fahrzeug ist länger als die Talstation.

Inauen-Schätti am Muttsee

Wenig Zeit und wenig Platz!

Die Schachtstandseilbahn im Kraftwerk Linth-Limmern ist eng gebaut und wird zukünftig mehr genutzt. Die Neu-Konstruktion und Montage von Fahrzeug und Winde forderte INAUEN-SCHÄTTI heraus.

 

Das Pumpspeicherwerk Limmern im Glarner Hinterland leistet seit den 1960er Jahren einen wichtigen Beitrag zur Stromversorgung der Schweiz. Als einzige Verbindung zwischen den Wasserspeichern Limmernsee und Muttsee dient seit jeher eine Schachtstandseilbahn.

 

Der Ausbau des Kraftwerks hat eine intensivierte Nutzung der Muttseebahn zur Folge. Deren Betreiber, die Kraftwerke Linth-Limmern AG, beauftragte daher INAUEN-SCHÄTTI mit der Neu-Konstruktion und Montage von Fahrzeug und Winde — ein Kampf gegen den Platzmangel und die Zeit begann.

 

 

Denn das Zeitfenster zwischen Vertragsabschluss und Behördenabnahme war mit weniger als sieben Monaten sehr knapp bemessen. „Der eigentliche Umbau durfte nur vier Wochen dauern, da dadurch der einzige wetterfeste Zugang zum Wärterhaus und zur Staumauer am Muttsee unterbrochen wurde“, erklärt Patrick Inauen, Projektleiter von INAUEN-SCHÄTTI. Deshalb wurden Winde und Fahrzeug parallel geplant, konstruiert und ausgelegt. Bei der Werksmontage und der eigentlichen Montage wurden auf Wunsch des Kunden auch die Mitarbeiter des Kraftwerks in den Arbeitsprozess integriert.

Partrick Inauen

Projektleiter bei Inauen-Schätti

„Die Betreiber der Standseilbahn haben bei diesem Projekt tatkräftig mitgeholfen. Die Mitarbeiter der Kraftwerke Linth-Limmern AG waren von der Vormontage bis zur Inbetriebnahme in den Arbeitsprozess mit eingebunden. Dadurch konnten sie das neue Fahrzeug und die neue Winde von der Pike auf kennenlernen, was die künftige Bedienung und Wartung erheblich vereinfacht.“

Fahrzeug ohne Fangbremse

Der straffe Zeitplan ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass das Fahrzeug ohne Fangbremse ausgestattet ist, jedoch trotzdem eine Konformitätsbescheinigung gemäß der europäischen Seilbahnrichtlinie ausgestellt wurde. „Wir wussten nicht, welche Kräfte die bestehenden Geleise aufnehmen können, daher wurde eine Lösung ohne Fangbremse, analog der alten Anlage, ausgearbeitet“, berichtet Inauen.

 

Anstatt die Infrastruktur mühsam und teuer auszutauschen, entschied sich INAUENSCHÄTTI für diverse Ersatzmaßnahmen, die eine gleichwertige Sicherheit gewährleisten. „Dafür waren vorgängige Absprachen mit dem Interkantonalen Konkordat für Seilbahnen und Skilifte, sowie einer benannten Stelle notwendig“, betont der Projektleiter von INAUEN-SCHÄTTI.

 

Das neue geschlossene Fahrzeug ersetzt einen offenen Wagen. Die durchdachte Konstruktion besteht aus einem geteilten Rahmen, da die Talstation für eine Montage in einem Stück zu eng und zu klein gewesen wäre. „Bereits bei der Planung haben wir überlegt, wie das Fahrzeug konstruiert sein muss, damit wir es überhaupt in den engen Schacht einbauen können.

 

Die verlängerten Fahrzeuge ermöglichen den Transport von sperrigen Gegenständen. Fotos: INAUEN-SCHÄTTI

Die Verankerung wurde an die frühere Winde angepasst, die neue Winde musste dann ab dem unteren Boden hochgehoben werden.

Enge Platzverhältnisse machten die Montage des Fahrzeugs (mit der komfortablen Öffnung mittels Rolltor) zu einer Herausforderung.

Eine Seilbahn in der Seilbahn

Mit einer Vormontage in unserem Werk in Schwanden sicherten wir uns zusätzlich gegen böse Überraschungen ab“, erklärt Inauen. Zudem verdoppelten die Seilbahnprofis die Fahrgeschwindigkeit von 0,75 auf 1,5 Meter pro Sekunde. Da das Fahrzeug länger ist als die beiden Stationen, es aber trotzdem sperrige Gegenstände transportieren soll, ist das Fahrbetriebsmittel zudem mit einem Transportwagen ausgestattet. „Dieser funktioniert wie eine kleine Seilbahn in der Seilbahn. Mithilfe der Handwinde können Gegenstände innerhalb des Fahrzeugs hin und her bewegt werden“, erklärt Inauen die innovative Lösung.

Einziger sicherer Rettungsweg

Nach dem selben Prinzip funktioniert auch der Rettungswagen, an dem eine Bahre für Verletzte fixiert werden kann. „Diese Spezialkonstruktion ist enorm wichtig, da die Schachtstandseilbahn für das Personal der Kraftwerke Linth-Limmern als einzige wetterunabhängige Verbindung zum Wärterhaus der Staumauer Muttsee dient“, berichtet Inauen.

 

Die Anlage gewärleistet somit die ganzjährige Zugänglichkeit und Überwachung der Staumauer – für die Öffentlichkeit ist die Bahn dagegen nicht zugänglich. Trotz zahlreicher Spezialkonstruktionen – auch die Winde wurde den Platzverhältnissen angepasst – hat INAUENSCHÄTTI den Auftrag fristgerecht und mit gewohnter Qualität erfüllt. Einmal mehr hat der Schweizer Seilbahnhersteller den Kampf gegen den Platzmangel und die Zeit gewonnen. ts

Technische Daten