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Neustart am Bürgerstock: Die Kabinenaufbauten sind brandneu aber nostalgisch gestaltet. Dahinter aber verbirgt sich modernste Seilbahntechnologie des 21. Jahrhunderts von GARAVENTA. Fotos: GARAVENTA/DOPPELMAYR

Garaventa

Mit der neuen Standselbahn vom Schiffsteg zum Bürgenstock Resort

Ein wenig Nostalgie muss sein. Die neuen Bahnwagen der Standseilbahn Kehrsiten- Bürgenstock sind ein Ebenbild der ausgemusterten Wagen. Doch dahinter verbirgt sich modernste Seilbahntechnologie des 21. Jahrhunderts.

 

Über zwei Jahre dauerte der Umrespektive Neubau der Standseilbahn von Kehrsiten auf den Bürgenstock. Weil die alte Anlage im Inventar der historischen Standseilbahnen aufgelistet war, hatte die Denkmalpflege bei der Erneuerung der als erste elektrische Standseilbahn der Schweiz in die Geschichtsbücher eingegangenen Anlage ein gewichtiges Wort mitzureden.

 

Dies ist mit ein Grund dafür, dass sich die neuen Fahrzeuge als Ebenbild der während Jahrzehnten auf der Strecke verkehrenden Bahnwagen präsentieren. Unter der nostalgischen Verkleidung der Fahrzeuge befindet sich modernste Seilbahntechnik, die auch in der Tal- und der Bergstation und entlang der Strecke eingesetzt wurde.

Neu mit Winterbetrieb

Wie schon die im Dezember 2012 außer Betrieb gesetzte Anlage transportiert auch die neue Standseilbahn die Fahrgäste von der Schiffsstation Kehrsiten-Bürgenstock direkt ins Zentrum des Bürgenstock Resorts. Vorbei an grünen Wiesen und schroffen, steil abfallenden Felswänden, meistert die Seilbahn auf einer Länge von 929 Metern eine Höhendifferenz von 440 Metern.

 

Im Vergleich zur ursprünglichen Bahn wird die neue Standseilbahn jetzt auch während der Wintermonate in Betrieb sein. Die elektromechanischen Komponenten sind so ausgelegt, dass die Fahrzeuge ohne Begleiter auf die Strecke geschickt werden können. Je maximal 56 Passagiere dürfen in die Bahnwagen zusteigen, welche die Shiptec AG in Luzern im Auftrag von GARAVENTA gebaut hat. Für die Shiptec AG als Tochtergesellschaft der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) war der Bau der Fahrzeuge eine Premiere.

Die Fahrt der beiden Standseilbahn-Wagen für den Bürgerstock Luzern über den Vierwaldstättersee zur Talstation in Kehrsiten: Die beiden zehneinhalb Tonnen schweren Wagen wurden auf zwei spezielle Pontons geladen und von Schubschiffen befördert. Von Kränen wurden sie nach rund zwei Stunden in die Gleise gehoben und anschließend mit dem Seil verbunden. Die zehn Meter langen Wagen wären zu groß für den Transport auf der schmalen Kehrsitentraße gewesen. Foto: AKOMAG PR

Technische Daten

  • Auftraggeber: Bürgerstock-Bahn
  • Seilbahntechnik und Gesamtprojektleitung: GARAVENTA AG
  • Baujahr: 2017
  • Länge: 929 m
  • Höhendifferenz: 440 m
  • Fahrgeschwindigkeit: 5 m/s
  • Förderleistung: 582 P/h
  • Fahrzeugkapazität : 56 Personen
  • Anzahl Fahrzeuge: 2
  • Durchmesser Zugseil: 37 mm
  • Schienentyp: S33
  • Spurweite:1.000 mm
  • Nennleistung: 200 kW
  • Antrieb: Bergstation
  • Fahrzeughersteller: Shiptec
  • Elektrische Steuerung: Sisag
  • Seillieferant: Teufelberger

Hoher Koordinationsaufwand

Die Linienführung ist geblieben. Betonelemente wurden auf das ursprüngliche Trassee aufgebaut und nachfolgend die Schienen auf diese Betonelemente verlegt. Die Umsetzung der Baupläne war für die Seilbahnfachleute eine Herausforderung. Dies auch deshalb, weil die Bergstation inklusive der ganzen Antriebseinheit in den damals ebenfalls im Bau befindlichen Hotelkomplex integriert werden musste.

 

So kam der ganzen Koordination zwischen allen Beteiligten eine besondere Bedeutung zu. Auch der Antransport und das Aufsetzen der beiden Fahrzeuge auf die Schienen bei der Talstation waren aussergewöhnlich. Der Wagentransport erfolgte spektakulär auf dem Seeweg von Lu- zern zur Talstation in Kehrsiten. Dort wurden die neuen Fahrzeuge von einem auf Pon- tons stationierten Kranwagen auf die Schienen gehoben.

Das Erbe zweier Seuilbahnpioniere

Die Standseilbahn Kehrsiten-Bürgenstock ist ein Relikt aus der Zeit der Belle Epoque und trägt die Handschrift der beiden legendären Obwaldner Seilbahnpioniere Franz Josef Bucher-Durrer und Josef Durrer. Nach den Anlagen Giessbach und Lugano Stazione war die Bürgenstock-Bahn erst die dritte Standseilbahn überhaupt, die mit einer von Roman Abt entwickelten Ausweiche ausgestattet war.

 

Speziell an ihr ist bis heute, dass sie sich in einer Kurve befindet. Bei der Eröffnung der Anlage am 8. Juli 1888 durfte die Bürgenstock-Bahn für sich in Anspruch nehmen, die erste elektrisch betriebene Standseilbahn der Schweiz zu sein. Bucher und Durrer bauten in Buochs an der Engelberger Aa extra ein Kraftwerk, von wo aus der Strom über eine vier KilEmeter lange Freileitung zur Bergstation auf dem Bürgenstock gelangte.