Seilbahnverbindung von China nach Russland

“Transborder” nennt der französische Seilbahnhersteller POMA sein aktuelles Projekt über den Fluss Armur. Zwischen den Großstädten Heihe und Blagoweschtschensk realisiert das Unternehmen die erste grenzüberschreitende Seilbahn zwischen China und Russland.

Die beiden Städte Heihe und Blagoweschtschensk sind durch den 720 Meter breiten Grenzfluss Armur getrennt, eine stationäre Verbindung zwischendenMetropolengibtesnicht. Zwar existiert eine Straßenbrücke, diese ist aber nur für den Lastverkehr zu- gelassen. Der Personentransport wird mit Fähren abgewickelt.

Um auch den Menschen einen schnellen und komfortablen Grenzübertritt über den Fluss zu ermöglichen, setzen beide Länder auf höchster politischer Ebene auf eine Seilbahn.

Den Zuschlag für das Projekt erhielt 2019 der französische Hersteller POMA, wie Edouard Dovillaire, Operation and Business Development Director – POMA Beijing, berichtet: „Wir konnten die Ausschreibung mit einem maßgeschneiderten Konzept gewinnen, basierend auf unseren robusten Subystemen, die von unseren Ingenieuren entwickelt wurden.

Die Anlage wird in Form von zwei identische Pendelbahnen errichtet. Durch die technische Redundanz sind wir nahe an einer hundertprozentigen Verfügbarkeit der Bahn.”

Mit ihrem zwei Tragseilen und einem Zugseil hält die Seilbahn den Windbedingungen, heißen und kalten Temperaturen, so- wie schwierigem Wetter stand, die am Fluss Amur auftreten. Zugleich bietet diese Seilbahnlösung Wartungs- und Betriebskosten, die an die Strecke angepasst sind.

Zwei Kulturen – Zwei Kabinen

Die „doppelte” Pendelbahn wird 978 Meter lang sein und 1.800 Personen pro Stunde und Richtung befördern. „Die beiden Kabinen fassen jeweils 110 Fahrgäste. Eine wird chinesisch gestaltet, die andere russisch”, so Dovillaire.

Auch weitere Details wer-den brüderlich auf beide Länder aufgeteilt: So steht an jedem Ufer eine 63 Meter hohe Stütze und eine Steuerungszentrale.

Sowohl China als auch Russland unterhalten jeweils eine der beiden Seilbahnen. Die teilstaatlichen Unternehmen HJPC und ZED Developement werden im nächsten Schritt die Organisation des Betriebs festlegen.

Stationen sind Mini-Airports

Die beiden Seilbahnstationen werden ebenfalls länderspezifisch gestaltet. Sie fungieren als Mini-Airports, da in ihnen Zoll und Einreise abgewickelt werden. In den großen Gebäuden sind zudem Restaurants, Geschäfte, Parkgaragen und Umstiege zum öffentlichen Nahverkehr vorgesehen.

Tariflich wird die Seilbahn eigenständig bleiben. Die Betreiber rechnen mit einer Million Passagiere im ersten Jahr und zwei Millionen in den folgenden Jahren.

Zielgruppe sind vorwiegend Chinesen und Russen die im Nachbarland Einkaufen und ihre Freizeit verbringen wollen. Das Investitionsvolumen liegt bei 670 Millionen Yuan auf russischer und 790 Millionen Yuan auf chinesischer Seite (rund 92 bzw. 109 Millionen. Euro).

„Die Bauarbeiten sind bereits im Gange, wir rechnen mit der Eröffnung der Bahn Mitte 2023”, sagt Dovillaire, der auf ein 95 Mann starkes POMA-Team in China setzen kann.

Technische Daten

Typ 2 Pendelbahnen
Länge 976 m
Förderleistung 1800 P/h
Geschwindigkeit 12 m/s
Stützen 2
Kabinen 2 (je 110 P.)
Kosten 1,46 Mill. RNB (201 Mio. EUR)