
Planen & Bauen, SI 4/2026
Mountaincart: Piste wird – sicher – zum Sommerhit
Die Destination Obertauern ist im Winter eine starke Marke – und baut parallel sein Sommerangebot Schritt für Schritt weiter aus. Aktuell sind die drei Seilbahnen Grünwaldkopf, Hochalm und Kringsalm in Betrieb und schaffen so eine Sommer-Lift-Schaukel.
Diverse Spielplätze und Attraktionen sowie drei Bergseen bilden „Bobby‘s Erlebniswelt“, welche auf Familien mit jüngeren Kindern abzielt.
Mehr Wiederholerfahrten nötig
Die Kringsalmbahn erschließt zwar das wichtige Luxushotel Seekarhaus, trotzdem gilt es, die Auslastung der 6er-Sesselbahn zu steigern, berichtet Betriebsleiter Robert Lasshofer: „Wir brauchen mehr Wiederholerfahrten, um die Anlage wirtschaftlich zu betreiben“.
Deswegen beschlossen die Bergbahnen Krings 2024, sich nach einer frequenzsteigernden Attraktion umzusehen – und wurden über andere Destinationen auf die Mountaincarts aufmerksam.

Robert Lasshofer
Betriebsleiter Bergbahnen Krings
Vor-Ort-Test von Strecke und Seilbahn
Im Herbst 2024 wurden bereits Vor-Ort-Tests durchgeführt, auch weil Bedenken seitens der Krings Bergbahnen bezüglich einzelner Streckenabschnitte bestanden, dass diese womöglich zu steil sein könnten.
Auch die Beförderungsmöglichkeiten mit der Kringsalmbahn – einer kuppelbaren 6er Sesselbahn mit Abdeckhauben – haben sich die Seilbahner mit Joachim Jeßberger, Geschäftsführer von Mountaincart, näher angesehen.
„Der Transporttest mit zertifizierten Anbauten des Seilbahnherstellers Leitner verlief problemlos. Der Bedienstete kann das Cart im Tal problemlos ein- und am Berg wieder ausladen. Dort übergibt er das Fahrzeug der Ausgabestation“, erklärt Jeßberger.
Carts fahren über die Piste hinab
Die Mountaincart-Strecke überbrückt rund 220 Höhenmeter und ist knapp 1,4 Kilometer lang. Sie führt über die breite blaue Piste hinab, die im Winter „Autobahn“ genannt wird, und endet an der Talstation.
„Wir haben uns gegen eine Strecke über Asphalt oder Schotterweg entschieden. So vermeiden wir gefährliche Situationen mit Gegenverkehr oder Fußgänger“, betont Lasshofer. Zudem sei der Wartungsaufwand für Strecke und Carts geringer als bei härteren Bodenbedingungen bzw. aufwendigen Streckenbauten.

Joachim Jeßberger
Geschäftsführer Mountaincart
„Auch der Bau der Strecke ist denkbar einfach – es reicht mit dem Mulcher die Strecke auszumähen, Sicherungen und Schilder zu montieren und an neuralgischen Stellen etwas Schotter aufzuschütten“, erklärt Lasshofer.
Joachim Jeßberger ergänzt: „Aufgrund der Flexibilität des Mountaincarts ist eine Abfahrt über Wiese meist problemlos möglich, so dass man auf diese Weise unkompliziert einen Verleihbetrieb starten kann.“
TÜV SÜD in Planung eingebunden
Laut Jeßberger setzen mehr und mehr Verleihbetreiber beim Thema Gestaltung der Abfahrtsstrecke inklusive Absicherung und Beschilderung auf die Expertise von TÜV SÜD, insbesondere in Person von Thomas Pfister (Interview: Geprüfte Sicherheit für Mountaincarts):
„Wir unterstützen die Einbindung einer unabhängigen Prüfung proaktiv – sowohl bei Bestandsstrecken, als auch bei Neuprojekten. So gewährleistet der Betreiber nicht nur ein Höchstmaß an Sicherheit für seine Abfahrtsstrecke, sondern schafft auch zusätzliches Vertrauen bei seinen Gästen“, so Jeßberger.
Als Prüfungsgrundlagen nützt der TÜV SÜD unter anderem den Leitfaden für Naturrodelbahnen vom Land Tirol sowie Bestimmungen aus der ÖNORM für Mountainbike-Strecken, die sich als sehr gut geeignete und belastbare Grundlage erwiesen haben.
„Auch die Vorgaben des Tiroler Pistengütesiegels, sowie Empfehlungen aus der Schweiz fließen in unsere Empfehlungen und Gutachten mit ein“, sagt Thomas Pfister. TÜV SÜD hat mittlerweile bereits einige Mountaincart-Betreiber unterstützt, etwa in Sölden, Nauders, Silvretta-Montafon und Loser-Altaussee.

Familien schätzen „geprüfte Sicherheit“
Auch die Krings Bergbahnen haben sich den TÜV-Fachmann an Bord geholt. „TÜV SÜD prüft bei uns bereits Seilbahnen und Spielplätze – da war der Schritt zu den Mountaincarts nicht weit:“, so Lasshofer.
Der Aufwand halte sich in Grenzen, das betont auch Thomas Pfister von TÜV SÜD. „In Obertauern habe ich die geplante Strecke besichtigt und meine Empfehlungen zu Beschilderung, Absicherung und Entschärfung abgegeben. Nach der Bauphase habe ich die Strecke abgenommen und ein Gutachten erstellt.“
Nun darf sich die Mountaincart-Strecke ihrer „geprüften Sicherheit“ rühmen, was für die Zielgruppe der jungen Familien ein wichtige Botschaft darstellt. „Wir sind erleichtert, auf der rechtlich sicheren Seite zu sein“, ergänzt Lasshofer die Sicht des Betreibers.
Dank der Mountaincarts
stiegen die Liftfahrten der Kringsalmbahn um 20 Prozent.

Mountaincarts erfüllen Erwartungen
Start des Verleihbetriebs in Obertauern war der Frühsommer 2025 mit zunächst 26 Mountaincarts. „Unsere Erwartungen wurden erfüllt, wir konnten die Liftfahrten um rund 20 Prozent steigern“, zeigt sich Lasshofer zufrieden.
Der Gast zahlt das Mountaincart einzeln oder blockweise, die Seilbahnfahrt ist meist über das Tagesticket abgegolten. An den Top-Tagen werden bis zu 300 Fahrten mit den Mountaincarts verzeichnet.
„Die Gäste – meist Familien – sind hellauf begeistert, wenn sie die Strecke in fünf bis zehn Minuten hinunterfahren, Pferde und Weidevieh passieren und die Aussicht genießen“, so der Betriebsleiter weiter. Die Mountaincarts fügen sich damit ideal in den sanften Sommertourismus in Obertauern ein.
Flotte erweitert
So verwundert es nicht, dass die Krings Bergbahnen die Flotte für 2026 um zehn auf 36 Mountaincarts aufgestockt haben. Mehr Fahrzeuge kann die 6er-Sesselbahn schwer transportieren.
Das könnte sich aber ändern – denn ein Ersatz der Kringsalmbahn (Baujahr 2003) durch eine neue Anlage ist mittelfristig angedacht.