
Beschneiung & Pistenpflege, Planen & Bauen
Wasser als kritische Ressource
Obertauern zählt zu den bekanntesten Tourismushotspots Österreichs. Damit Hotels, Gastronomie und der Skibetrieb zuverlässig funktionieren, braucht es vor allem eines: Wasser.
Seilbahnbetriebe sind dabei durch die technische Beschneiung nicht nur Verbraucher, sondern oft selbst Teil des wasserwirtschaftlichen Versorgungssystems – etwa für Bergstationen mit Gastronomie und sanitären Anlagen.
Der zukunftsorientierte Umgang mit dieser Ressource wird damit zum zentralen Element für die Entwicklung eines gesamten Tourismusstandortes.

Kontrollmessungen
im Feld sorgen für dauerhaft zuverlässige Daten.
Viele Nutzer, eine Ressource
Kaum jemand kennt dieses Spannungsfeld besser als Lukas Perner. Als Gesellschafter und Geschäftsführer einer Seilbahn und eines Hotels, zugleich Obmann der Wassergenossenschaft Obertauern und Mitglied des Wasserverbandes, erlebt er täglich, wie unterschiedlich die Anforderungen an dieselbe Ressource sind:
Gäste und Hotels brauchen eine sichere Trinkwasserversorgung, Löschwasser muss als Reserve jederzeit verfügbar sein, Beschneiungsanlagen benötigen in kurzen winterlichen Zeitfenstern große Mengen, und Bäche dürfen durch Restwasserabgaben nicht trockenfallen.
„Die entscheidende Frage ist nicht, ob Wasser vorhanden ist, sondern wo es in welcher Menge und Qualität zur Verfügung steht und wer es wann benötigt“, sagt Perner.
Die Regel dahinter: Trinkwasser und Löschwasserreserve haben Vorrang, danach folgt die ökologisch nötige Restwassermenge – erst der verbleibende Rest steht als Nutzwasser für die Beschneiung zur Verfügung.
In Obertauern erfolgt die Bereitstellung von Wasser über ein historisch entstandenes, komplexes System: drei Wassergenossenschaften, unzählige Einzelwasserversorger, zehn getrennt geführte Beschneiungsanlagen und ein Kraftwerk sind ineinander verwoben und greifen teilweise auf dieselben Wasserressourcen zurück.
Allein die Trinkwasserversorgung der WG Obertauern benötigt rund 230.000 m³ pro Jahr, die aus 28 Quellen gewonnen werden. Für die Beschneiung sind in Extremjahren bis zu 800.000 m³ erforderlich.

Vernetze Fernwirkstationen
sorgen für Messdatenerfassung, Datenweiterleitung und Steuerung.
Vom großen Ganzen ins Detail
Zwischen 2010 und 2015 wuchs der Druck auf die Ressource Wasser spürbar. Abgekapselte Projektanträge und Einzelinformationen gab es zwar, eine durchgängige Übersicht über das hydrologische Dargebot (das zur Verfügung stehende Wasser) und bestehende sowie geplanten Entnahmen fehlte jedoch.
In der Folge konnte auch die Behörde neue Projekte kaum mehr beurteilen – die bauliche und wasserwirtschaftliche Entwicklung kam über Jahre praktisch zum Stillstand. Gemeinsam mit Liftgemeinschaft, Wasserverband und Wassergenossenschaften entwickelten die Fachleute der cell GmbH zunächst ein Verständnis für das gesamte System, bevor an einzelnen Anlagen etwas verändert wurde.
Aus dieser Analyse wurden Defizite abgeleitet und entsprechende Lösungen entwickelt: Es entstanden über 40 stationäre und temporäre Messstellen sowie Steuerungsanlagen an Quellen, Fließgewässern, Grundwasserkörpern, Pumpstationen, Speichern und Verbrauchern, die mit einer zentralen Datenhaltung und Leittechnik verknüpft wurden.
Ergänzend dazu erfolgten wasserrechtliche Optimierungen, eine steuerungstechnische Vernetzung sowie bauliche Erweiterungen wie beispielsweise Übergabestationen.
Mit Expertise
geplante Messstellen sorgen für zuverlässige Ergebnisse und schaffen eine Basis für die weitere Planung.

Der Erfolg stellt sich ein
Mit den gewonnenen Daten ließ sich Jahr für Jahr besser nachvollziehen, wo Reserven bestehen und wo gehandelt werden muss.
Basierend auf dieser Grundlage konnten neue Projekte und Konsensmengen beantragt, Restwassermengen rechtssicher festgelegt und Bescheide erneuert werden – die örtliche Entwicklung nahm wieder Schwung auf. Es entstanden belastbare Fakten für Betreiber und Behörde gleichermaßen.
Im laufenden Betrieb werden nun seit über zehn Jahren die Wasserströme nach festgelegten Prioritäten, Messwerten und wasserrechtlichen Grenzen gesteuert, visualisiert und im Ernstfall alarmiert. Laufende Wartungen und Weiterentwicklungen an der Anlage sorgen für Sicherheit im Betrieb und verlässliche Daten.
Das Ergebnis der Messungen und der Analyse:
Wasserdargebot und Wasserverbrauch der WG Obertauern über eine Wintersaison.

Was andere Standorte daraus lernen können
„Die gemeinsame Datenbasis schuf nicht nur behördliche Nachweise, sondern eine Grundlage dafür, Investitionen nach Engpass, Wirkung und Dringlichkeit zu priorisieren“, so Perner rückblickend.
Erfolgreiche Tourismusstandorte verfügen nicht zwangsläufig über mehr Wasser als andere. Sie wissen genauer, wie viel Wasser wo verfügbar ist, wer dieses benötigt und welche Regeln einzuhalten sind.