
Seilbahn & Technik, SI CH/26
Fatzer: Hybridseil reduziert CO2 und sichert die Lebensdauer
Während Wintersportler nur Augen für die top präparierten Pisten unter den Brettern haben, richten Bahnbetreiber und Seillieferant den Blick bereits auf die Zukunft.
Im Skigebiet Davos Parsenn kommt erstmals ein CO2-reduziertes Seil von FATZER zum Einsatz. Das Resultat mehrjähriger Forschung und Tests steht exemplarisch für einen Ansatz, der ökologische Verantwortung und technische Leistungsfähigkeit gleichermaßen berücksichtigt.
Durch den gezielten Einsatz CO2-reduzierter Stahldrähte wird die Klimabelastung gemindert, ohne Abstriche bei Sicherheit, Performance, Zuverlässigkeit oder Lebensdauer zu machen.
Hybridseil für Schweizer Skigebiet
Das neue Hybridseil kommt an der Sesselbahn „Rapid“ der Davos Klosters Bergbahnen AG zum Einsatz. Seine Besonderheit verbirgt sich im Seilinnern:
In den inneren Bereichen der Litzen wird CO2-reduzierter Draht verwendet. Er enthält gemäß Prüfzeugnis des Herstellers 70 bis 80 Prozent rezyklierten Stahlschrott, wodurch eine Halbierung der produktbezogenen CO2-Emissionen gegenüber der konventionellen Version erzielt wird.
In den Außenlagen der Litzen, welche gut die Hälfte ausmachen, wird weiterhin der bewährte Stahl verwendet, zumal dies der Bereich eines Seils ist, der besonders stark beansprucht wird.
Bewusst kann FATZER so ein Hybridseil anbieten, das die gewohnten Prämissen Performance, Zuverlässigkeit und hohe Lebensdauer erfüllt. Gleichbleibende Qualität also, keine Kompromisse in den funktionskritischen Bereichen.
Michael Hanimann, CTO der Fatzer AG, sagt: „Für uns ist dieses Projekt mehr als ein Einzelprodukt. Es zeigt, wie sich zukunftsorientierter Materialeinsatz in der Seilherstellung mit technischem Verständnis, Werkstoffkompetenz und Verantwortung weiterentwickeln lässt.“
Ein Projekt mit Signalwirkung
FATZER belegt die Klimaleistungen für Seile mit einer EPD – Environmental Product Declaration, und zwar von der Beschaffung von möglichst emissionsarmem Rohmaterial über die Herstellung bis zur Auslieferung.
Das Pilotprojekt in Davos zeigt, dass sich Nachhaltigkeitsziele und höchste Sicherheits- und Qualitätsanforderungen nicht ausschließen, zumal bei dieser Seillieferung total ein Drittel CO2 eingespart werden konnte.
Für FATZER ist das Hybridseil ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu ressourcenschonenderen Seillösungen, wobei der Einsatz unter realen Betriebsbedingungen wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung liefert.
Die Zusammenarbeit des Walzdrahtherstellers mit den Davos Klosters Bergbahnen unterstreicht dabei die gemeinsame Bereitschaft, innovative Lösungen in die Praxis zu bringen.

Lösung für sämtliche Seiltypen
Mit Beginn der Wintersaison 2026/2027 nimmt das Förderseil des Typs COMPACTA erstmals an der 6er-Sesselbahn „Rapid“ den Betrieb auf. Es transportiert Wintersportlerinnen und Wintersportler in rund sechs Minuten von der Mittelstation Höhenweg auf das 2.600 Meter über Meer gelegene Weissfluhjoch.
Das Seil hat einen Durchmesser von 46 Millimetern und eine Länge von 4070 Metern. CO2-reduzierter Draht lässt sich in alle Seiltypen von FATZER integrieren.



Im Sommer ausgeliefert, per Wintersaison einsatzbereit: 38 Tonnen Stahlseil auf dem Weg nach Davos Klosters.
© Wipfli AG Transporte
Im Interview: Reto Gamper, COO der Davos Klosters Bergbahnen AG
SI Magazin: Herr Gamper, welche Bedeutung hat Innovation generell in Ihrem Unternehmen?
Reto Gamper: Innovation hat für uns einen hohen Stellenwert. Unsere Anlagen werden über Jahrzehnte betrieben, deshalb müssen wir uns laufend überlegen, wie wir sie effizienter, nachhaltiger und wirtschaftlicher gestalten können.
Dabei setzen wir auf neue Technologien, wenn sie einen konkreten Mehrwert bringen.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei den Davos Klosters Bergbahnen?
Nachhaltigkeit ist für uns ein wichtiges strategisches Thema. Als Bergbahnunternehmen bewegen wir uns in einem sensiblen alpinen Raum und sind gleichzeitig stark auf natürliche Ressourcen angewiesen.
Deshalb wollen wir Ressourcen effizient einsetzen, bestehende Infrastruktur möglichst mehrfach nutzen und unseren CO2-Fußabdruck reduzieren.
Das CO2-reduzierte Seil von FATZER ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir gemeinsam mit unseren Partnern auch bei bestehenden Kernkomponenten neue und
nachhaltigere Wege gehen können.

Reto Gamper
COO der Davos Klosters Bergbahnen AG
„Es braucht Unternehmen, die bereit sind, neue Lösungen einzusetzen.“
Ihre Anlage stellt das Pilotprojekt für CO2-reduzierte Seile von FATZER dar und liefert Erkenntnisse für die weitere Entwicklung. Was bedeutet es für Sie?
Es freut uns, dass wir mit unserer Anlage einen Beitrag zur Weiterentwicklung dieser Technologie leisten können. Für Innovation braucht es Unternehmen, die bereit sind, neue Lösungen unter realen Bedingungen einzusetzen. Und natürlich macht es uns auch stolz, dass dieses Pilotprojekt hier in Davos umgesetzt wird.
Wie erleben Sie FATZER und welche Erwartungen haben Sie an den Seilhersteller?
Wir erleben FATZER als kompetenten und verlässlichen Partner. Bei einem sicherheitsrelevanten Bauteil wie dem Seil stehen Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit an erster Stelle.
Gleichzeitig erwarten wir von einem führenden Hersteller, dass er Innovationen vorantreibt – insbesondere bei Lebensdauer, Ressourceneinsatz und CO2-Reduktion. Wichtig ist uns dabei der enge Austausch zwischen Hersteller und Betreiber.
