Skihalle in Österreich? Ein Expertencheck zu Kosten, Betrieb und Potenzial

11 Standorte in 5 Ländern: SnowWorld ist Europas größter Skihallen-Betreiber – und könnte sich auch einen Standort in Österreich vorstellen. SI hat mit CEO Wim Hubrechtsen über Geschäftsmodelle, Zielgruppen, Investitionskosten und die größten Herausforderungen beim Bau einer Skihalle gesprochen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Skihallen und Skigebieten kommt zur Sprache.

Das Thema Skihalle in Österreich ist erneut in den Fokus gerückt. Roswitha Stadlober, Präsidentin des Österreichischen Skiverbandes, kündigte an, in den kommenden Wochen eine Arbeitsgruppe dazu einzurichten.

Ob Österreich eine eigene Skihalle braucht, wird derzeit intensiv diskutiert. Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Ein Blick auf bestehende Skihallen und die Erfahrungen ihrer Betreiber kann jedoch helfen, die Chancen und Herausforderungen eines solchen Projekts besser einzuschätzen.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell, worauf kommt es im Betrieb an und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein? SI hat darüber mit Wim Hubrechtsen, CEO der SnowWorld Group, gesprochen.

SnowWorld Group auf einen Blick

12 Standorte in fünf europäischen Ländern, darunter 11 Skihallen

  • 5 Skihallen in den Niederlanden
  • 2 Skihallen in Deutschland
  • 2 Skihallen in Großbritannien
  • 1 Skihalle in Belgien
  • 1 Skihalle in Frankreich
  • 1 Indoor-Skydiving-Anlage in den Niederlanden

5 Millionen Gäste jährlich an allen Standorten

1,6 Millionen verkaufte Lifttickets pro Jahr auf Gruppenebene

3.500 Mitarbeiter gruppenweit

SI: Herr Hubrechtsen, wie sieht das Geschäftsmodell der SnowWorld Group aus?

Wim Hubrechtsen: Wir sind ein privates Unternehmen mit zwei großen Eigentümern: einem belgischen Investor und einer englischen Investmentgruppe, die beide bereits seit vielen Jahren in diesem Bereich tätig sind. Dadurch verfügen wir über eine stabile Eigentümerstruktur und sind finanziell solide aufgestellt.

Unser Ziel ist es, Orte zu schaffen, an denen Gäste zwar nicht unbedingt eine ganze Woche, aber durchaus ein oder zwei Tage verbringen können – und dabei das gleiche Gefühl erleben wie bei einem Aufenthalt in den Bergen.

Dazu gehören natürlich Skifahren und die Möglichkeit, gemütlich gemeinsam essen zu gehen. In unseren Sportgeschäften können sich die Gäste umsehen, Inspirationen sammeln und Produkte kaufen.

Darüber hinaus wollen wir ein breites Angebot an Outdoor-Aktivitäten schaffen – vom Wandern und Biken über Klettergärten bis hin zu Mountain Coastern.

Wir haben bereits drei Hotels in unserer Gruppe und planen den Bau von zwei weiteren Hotels in den Niederlanden: eines in der Nähe von Den Haag und eines in Amsterdam. In Zukunft werden wahrscheinlich noch weitere hinzukommen.

Wim Hubrechtsen

CEO der SnowWorld Group seit acht Jahren

  • Übernahm das Unternehmen mit zwei Standorten in den Niederlanden.
  • Initiierte eine Buy-and-Build-Strategie, um durch die Übernahme weiterer Standorte Synergien zu schaffen und Skaleneffekte zu nutzen.
  • Sein Ziel ist die Konsolidierung der Branche vorantreiben und die Professionalisierung des Skihallenbetriebs fördern.

Welche Zielgruppen sprechen Sie an?

Eine unserer wichtigsten Zielgruppen sind Familien mit Kindern. Daneben kommen viele Freundesgruppen zu uns. Eine weitere bedeutende Zielgruppe ist der B2B-Bereich. Und schließlich haben wir Sportler, darunter Profis und sogar Olympiateilnehmer, die unsere Hallen für ihr Training nutzen.

Ein Beispiel, das ich gerne nenne, ist Marcel Hirscher, der in Österreich natürlich ein großer Name ist. Im vergangenen September hat er in unserer Skihalle in Zoetermeer seine ersten Schwünge nach seiner Pause gemacht. Er hat dort auf der Piste trainiert und das Training als eines der besten bezeichnet, die man absolvieren kann.

Der große Vorteil unserer Skihallen ist, dass wir immer gleichbleibende Bedingungen bieten können. Die Schneeverhältnisse sind konstant und lassen sich an die Bedürfnisse unserer Kunden anpassen. Möchte ein Athlet beispielsweise eine stärker vereiste Piste, können wir diese entsprechend präparieren. Wir richten uns nach den Anforderungen der Sportler.

Auch viele Skiclubs trainieren bei uns. In diesem Jahr durften wir Athleten aus 38 verschiedenen Nationen in unseren Hallen begrüßen. Gerade im Sommer sind wir eine gute Alternative zum Training auf Gletschern.

Familien mit Kindern

sind eine der wichtigsten Zielgruppen von Skihallen.

Unterscheiden sich die einzelnen Standorte hinsichtlich ihrer Zielgruppen und Angebote?

Ja, wir betreiben elf Skihallen, und nicht jede ist gleich. Wir bauen keine McDonald’s-Restaurants, bei denen jeder Standort nach demselben Konzept funktioniert. Unsere Hallen unterscheiden sich in Größe und Angebot.

Die größeren Hallen bieten mehr Möglichkeiten für den Leistungssport und das Training von Athleten und Skiclubs. Kleinere Hallen richten sich stärker an Familien mit Kindern und Freizeitsportler. Wir passen unser Angebot an die jeweiligen Gegebenheiten und Zielgruppen an.

In welchem Land erzielen Sie den höchsten Umsatz?

Wir haben keine Skihalle, die Verluste macht. Alle Standorte tragen zum Gewinn der Gruppe bei und sind auf Einzelstandortebene EBITDA-positiv.

Auch die Hallen, die wir übernommen haben und die zuvor wirtschaftlich schwierige Zeiten durchgemacht hatten, sind heute erfolgreich.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Die Stärke liegt in der Gruppe. Wir müssen beispielsweise nicht für jeden Standort einzeln Marketing betreiben, sondern können eine gemeinsame Marke und die gesamte Gruppe vermarkten. Auch Funktionen wie Buchhaltung und Personalverwaltung organisieren wir zentral auf Gruppenebene.

Darüber hinaus profitieren wir von Skaleneffekten beim Einkauf. Durch unser größeres Einkaufsvolumen können wir vieles effizienter und wirtschaftlicher organisieren. Gleichzeitig verfügen wir über umfassendes Know-how, wenn es darum geht, unsere technischen Anlagen optimal zu steuern.

Insgesamt haben wir die Abläufe deutlich professionalisiert und die operative Exzellenz verbessert. Dadurch können wir unsere Standorte effizienter organisieren und bessere wirtschaftliche Ergebnisse erzielen.

Elf Skihallen, individuelle Konzepte:

Die SnowWorld Group setzt auf maßgeschneiderte Angebote für Familien, Freizeitsportler und Leistungssportler – und profitiert zugleich von den Synergien einer starken Gruppe.

Was kostet ein Tagespass?

Die Preise variieren je nach Saison. Im Sommer gelten beispielsweise andere Tarife als rund um Weihnachten. Wir arbeiten daher auch mit dynamischen Preisen. Ein Tagespass kostet in der Regel zwischen 55 und 65 Euro.

Der Verleih von Skiausrüstung ist darin nicht enthalten. Wir bieten entsprechendes Leihmaterial an, das rund 65 Prozent unserer Gäste nutzen.

Neben Tagespässen haben wir verschiedene weitere Ticketangebote, zum Beispiel Stundenkarten für zwei, vier oder acht Stunden.

Wann haben Sie die meisten Gäste?

Die Wintersaison ist für uns die Hauptsaison. Sie beginnt etwa Mitte Oktober und dauert bis Ende März. Unsere Hochsaison liegt zwischen der dritten Novemberwoche und Ende Februar. In dieser Zeit ist bei uns wirklich sehr viel los.

Davor und danach gibt es die sogenannten Shoulder Seasons, aber auch im Sommer kommen Gäste zu uns. Wir bieten Skikurse an, empfangen große Gruppen und organisieren insbesondere für Kinder zahlreiche Aktivitäten.

Wie viele Mitarbeiter sind für den Betrieb einer Skihalle erforderlich?

Das hängt stark von der Größe des jeweiligen Standorts ab. Insgesamt beschäftigen wir in der Gruppe rund 3.500 Mitarbeiter.

Der Betrieb läuft in mehreren Schichten, und auch nachts sind Mitarbeiter im Einsatz. Dann werden beispielsweise die Pisten präpariert, Wartungsarbeiten durchgeführt und die Hallen gereinigt. Da wir rund um die Uhr unterschiedliche Aufgaben erledigen müssen, benötigen wir entsprechend viel Personal.

Der Betrieb einer Skihalle läuft rund um die Uhr:

Nachts werden Pisten präpariert, technische Anlagen gewartet und Hallen gereinigt.

Worin unterscheidet sich der Betrieb einer Skihalle von dem eines Skigebiets?

Der größte Unterschied ist, dass wir 365 Tage im Jahr geöffnet haben, täglich von sieben Uhr morgens bis elf Uhr abends. Außerdem müssen wir die Halle aktiv kühlen.

Die Technik, die wir verwenden, ist grundsätzlich dieselbe wie in Skigebieten. Wir haben Sessellifte und Schlepplifte von Doppelmayr und Poma, Förderbänder von Sunkid und Pistenfahrzeuge von Kässbohrer, TechnoAlpin liefert uns die Schneekanonen. Es sind also dieselben Hersteller und Technologien, die auch in den Bergen zum Einsatz kommen.

In Österreich wird im Zusammenhang mit der Diskussion über eine mögliche Skihalle häufig kritisiert, dass solche Anlagen sehr viel Energie verbrauchen. Was entgegnen Sie diesem Argument?

Unser Ziel ist es, bis 2030 alle Standorte klimaneutral und energieautonom zu betreiben. In den Niederlanden decken wir bereits 87 Prozent unseres aktuellen Strombedarfs mit erneuerbarer Energie – durch eigene Photovoltaikanlagen und direkte Stromlieferverträge mit Windkraftbetreibern.

Darüber hinaus führen wir Energieaudits durch, wollen vollständig auf Gas verzichten und unsere gesamte Fahrzeugflotte auf Elektrofahrzeuge umstellen. Auch unsere Lieferanten müssen sich zu Nachhaltigkeitszielen und entsprechenden Kennzahlen verpflichten.

Ein weiterer Ansatz im Bereich Nachhaltigkeit ist ein möglichst geschlossener Kreislauf bei der Schneeproduktion. Wir arbeiten daran, den Schnee nach der Nutzung zurückzugewinnen, das Schmelzwasser aufzubereiten und für die erneute Beschneiung zu verwenden. So wollen wir den Wasserverbrauch reduzieren und Ressourcen effizienter nutzen.

Was halten Sie von einer Skihalle in Österreich?

Ich war schon immer derjenige, der die Idee einer Skihalle in Österreich vertreten hat. Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir wieder mehr Menschen für den Skisport begeistern können.

In Österreich gibt es immer mehr Menschen und Kinder, die nicht mehr Ski fahren. Gleichzeitig wird das Skifahren in den Bergen immer teurer und für viele kaum noch leistbar.

Eine Skihalle könnte eine Alternative bieten und es den Menschen ermöglichen, ihrem Sport weiterhin nachzugehen – auch wenn sie nicht mehr jedes Jahr in die Berge fahren können.

Gleichzeitig könnte sie dem Leistungssport und der Nachwuchsförderung dienen, etwa durch Trainingsmöglichkeiten und leistbaren Skiunterricht.

Entscheidend wäre für mich eine Kombination aus einem Angebot für Freizeitsportler und einer Infrastruktur für den Nachwuchs- und Spitzensport.

Kinder für den Skisport zu begeistern,

ist eine der wichtigsten Aufgaben der Skihallen.

Sind Skihallen eine Konkurrenz für Skigebiete?

Überhaupt nicht. Eine Skihalle kann neue Zielgruppen für den Skisport begeistern.

Wer in einer Halle Ski fährt, träumt oft auch davon, in den Bergen auf die Piste zu gehen.

Natürlich möchten die Menschen das Erlebnis in der Natur genießen, aber nicht jeder hat dafür die Zeit oder die finanziellen Möglichkeiten.

Ich sehe die Gäste einer Skihalle auch als potenzielle Gäste der Skigebiete. Wir können dazu beitragen, Menschen für den Skisport zu gewinnen und ihre Begeisterung dafür zu erhalten.

Pflegen Sie Kooperationen mit Skigebieten?

Wir kooperieren mit mehreren Skigebieten und Tourismusregionen, darunter SalzburgerLand Tourismus, Sölden, Filzmoos und Châtel in Frankreich.

Die Zusammenarbeit kann ganz unterschiedlich aussehen. In unseren Hallen setzen wir beispielsweise auf großflächige Bilder und Banner, die das jeweilige Skigebiet präsentieren und den Gästen einen Eindruck von der Region vermitteln.

Darüber hinaus organisieren wir gemeinsame Mailings und Events, bei denen etwa Köche oder Musiker aus den Regionen zu uns kommen und ein Stück Bergwelt erlebbar machen.

Wie könnte der Bau einer Skihalle in Österreich finanziert werden?

Für ein solches Projekt brauchen wir private Investoren. Es geht nicht darum, dass die Regierung das Geld bereitstellt. Es gibt verschiedene Finanzierungsmodelle und Unternehmen, die Interesse an einer Beteiligung haben könnten.

Entscheidend ist, den richtigen Standort zu finden und die passenden Partner zusammenzubringen. Wir kennen das Geschäftsmodell und können uns gut vorstellen, selbst als Betreiber einzusteigen.

Die Finanzierung ist wichtig, aber aus meiner Sicht nicht die größte Herausforderung.

Was ist die größte Herausforderung?

Zunächst muss der richtige Standort gefunden werden: Welches Grundstück eignet sich, welcher Ballungsraum bietet das nötige Einzugsgebiet? Hinzu kommen die Genehmigungsverfahren, die bei einem Projekt dieser Größenordnung komplex sind. Hier braucht es auch politische Unterstützung.

Und natürlich ist es wichtig, dass die Menschen den Sinn eines solchen Projekts erkennen. Ich glaube, dass wir inzwischen an einem Punkt angekommen sind, an dem auch in Österreich viele sagen: „Ja, ich verstehe es. Ja, es macht Sinn.“

Skihallen sind auch für Erwachsene wichtig,

die ihre Skitechnik trainieren möchten.

Wo würden Sie eine Skihalle in Österreich bauen?

Das lässt sich derzeit noch nicht sagen. Ich wurde in letzter Zeit von verschiedenen Personen und Regionen kontaktiert. Diese Möglichkeiten müsste eine Arbeitsgruppe genauer prüfen.

Entscheidend sind das Einzugsgebiet, die Standortbedingungen und die Frage, wo sich das Projekt genehmigungsrechtlich am besten realisieren lässt. Deshalb möchte ich mich aktuell noch nicht auf einen konkreten Standort festlegen.

Welche zusätzlichen Angebote sind für den wirtschaftlichen Erfolg einer Skihalle wichtig?

Entscheidend ist das Gesamtangebot. Neben dem Skifahren spielen Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und weitere Freizeitaktivitäten eine wichtige Rolle.

Eine Skihalle allein auf Basis des Skibetriebs wirtschaftlich rentabel zu führen, ist schwierig.

Wenn die Politik die Idee ernsthaft verfolgt: Wann könnte eine Skihalle in Österreich gebaut werden?

Das hängt davon ab, wie schnell die Genehmigungsverfahren ablaufen und wie schnell sich ein geeigneter Standort finden lässt.

Für die Umsetzung eines solchen Projekts muss man mit etwa eineinhalb bis zwei Jahren rechnen, um diese Fragen zu klären.

Mit welchen Baukosten müsste man ungefähr rechnen?

Für die Kosten ist entscheidend, wie groß die Anlage werden soll und welche zusätzlichen Angebote geplant sind – etwa ein Hotel, Tagungsräume, weitere Freizeitaktivitäten oder Parkmöglichkeiten.

Ich glaube, dass man in Österreich keine kleine Halle bauen sollte, sondern eine Anlage in einer entsprechenden Größenordnung. Dafür muss man mit mindestens 150 Millionen Euro rechnen.

Interview: Ekaterina Zakharova