
Seilbahn & Technik, SI 4/2026, SI-Alpin
Sisag: Skymetro – wenn sogar der Zug fliegt
Die Skymetro ist eine vollautomatische, unterirdische seilgetriebene Luftkissenbahn, die seit September 2003 am Flughafen Zürich das zentral gelegene Airside Center mit dem Satellitenterminal Dock E verbindet.
Die Bahn benötigt für die rund 1,1 Kilometer lange, durch zwei getrennte Tunnelröhren unter der Westpiste hindurch führende Strecke knapp drei Minuten. Mit rund elf Millionen Passagieren jährlich (8.000 Personen pro Stunde und Richtung) ist sie die leistungsfähigste Seilbahn der Schweiz.
Langjähriges Herzensprojekt der Sisag
Gleichzeitig zählt die Skymetro zu den anspruchsvollsten Seilbahnanlagen weltweit. Sie vereint Komponenten verschiedenster Hersteller, besteht aus individueller, komplexer Technik und verlangt eine Verfügbarkeit von 99,7 Prozent.
Seit 2007 übernimmt die Firma Sisag den 365-Tage/24-Stunden Support der Steuerung, nachdem sich das Herstellerkonsortium aufgelöst hatte.
„Seitdem kümmern sich vier Spezialisten von Sisag mit Leidenschaft um die Anlage: Sie haben sich in die Technik reingefuchst, sie immer wieder verbessert und 2009 auch den dritten Wagenzug integriert. Ohne sie hätte die Skymetro keine so hohe Verfügbarkeit wie heute“, berichtet Beat Dübendorfer, Leiter Spezialprojekte der Flughafen Zürich AG.

Die beiden Skymetro-Stationen sind je in der Mitte in einen sicherheitskontrollierten (EU-Secure) und einen nicht der EU entsprechenden sicherheitskontrollierten (ICAO-Secure) Bereich mit einer statischen Glas-/Metallbauwand getrennt. Im Dual-Shuttle-Betrieb ist in beiden Tunnel je ein 4-Wagenzug (blau markiert) synchronisiert in Betrieb. Im Single-Shuttle-Betrieb verkehrt nur ein Zug, der andere befindet sich im Depot.
Kapazität auf 10.000 Personen steigern
Trotzdem musste sich Sisag zusammen mit der Seilbahnfirma Garaventa und dem Planungsbüro Doppelmayr Cable Car in einer umfassenden, transparenten Ausschreibung durchsetzen, um den aktuellen Umbau des People Movers ausführen zu dürfen.
„Die Elektrotechnik der Bahn ist nach 20 Jahren am Ende der Lebensdauer“, sagt Sisag-CEO Marco Zgraggen. Zudem gebe es bald nicht mehr für alle Komponenten Ersatzteile.
Neben dem Einbau der neuen Steuerung umfasst das Projekt die elektrotechnische Erneuerung der Wagen und deren Umbau auf vier 2-Wagenzüge, die sich untereinander zu einem 4-Wagenzug koppeln lassen – also nacheinander am Seil befestigt werden.
Ziel ist eine technisch moderne, ausfallsichere Anlage mit einer Förderleistung von 10.000 Personen pro Stunde und Richtung.
Sisag
hat extra eine Halle angemietet, um die mehr als 60 Schaltschränke sowie weitere Komponenten vor der Montage zu testen.

Großprojekt erfordert viel Manpower
Bei der Sisag sind zahlreiche Fachleute an der Erneuerung der Steuerungstechnik beteiligt. Zehn Ingenieure kümmern sich um die Planung der Elektrotechnik und entwickeln die Steuerungssoftware.
An der Produktion der Schränke für die Steuerungstechnik der Skymetro sind weitere sechs Personen beteiligt. „Wir haben sogar extra eine Halle angemietet, um über 60 Schaltkästen durchzuchecken“, schildert Zgraggen. Bei der Crew für die Installation setzt die Sisag auch auf temporäre Arbeitskräfte.
Möglichst früh miteinbezogen wird der Kundendienst, der sich um den Unterhalt kümmert. Erschwerend kommt bei den Arbeiten hinzu, dass die Skymetro immer in Betrieb sein muss. Bei der Sisag gibt es daher zwei Teams: Eines kümmert sich um den Umbau, das andere um den laufenden Betrieb.
Direkt vor Ort
werden die Wagen im Wartungsbahnhof umgebaut. Die Elektrotechnik wird komplett erneuert, die Hydraulik revisiert.

Extrem komplexe Logistik
Der Mix aus Baustelle und Betrieb macht seit November 2025 die Logistik zu einer Herausforderung: „Während in Tunnel 2 bis zu 20 der 30 Gewerke gleichzeitig koordiniert werden müssen, erwarten die Passagiere in Tunnel 1 einen reibungslosen Transport“, betont Dübendorfer.
Zur Erhöhung der Arbeitssicherheit muss jeder Handwerker ein Funkgerät tragen und seinen Standort auf einer Tafel dokumentieren. Das Material wird mit Aufzügen nach unten gebracht, größere Dinge – etwa ein Bagger – über die Öffnung oberhalb der Station im Dock E abgelassen.
Parallel wurden und werden die Fahrzeuge im Wartungsbahnhof elektrotechnisch ausgeschlachtet und neu eingerichtet. Zudem wird die Hydraulik revidiert. Durch den Umstieg von drei 3-Wagenzüge auf vier 2-Wagenzüge wird ein Wagen nicht mehr gebraucht und zerschnitten entsorgt.
Hohe Sicherheitshürden
Die Logistik wird zudem durch hohe Sicherheitsstandards erschwert: Jedes Teil und jeder Mitarbeiter muss angemeldet, freigegeben und kontrolliert werden, um auf die „Airside“ zu gelangen.
„Wir haben uns intern ein Lager gesichert, um zumindest einige Komponenten in großer Zahl auf einmal in den Sicherheitsbereich zu bekommen“, schildert Dübendorfer eine der vielen kreativen Lösungen.
Das neue Prozessleitsystem
ist übersichtlich, komfortabel, visuell ansprechend und bedienerfreundlich auf die Skymetro zugeschnitten.

Komplexe IT-Infrastruktur
Apropos Sicherheit: Sisag – und die Schwesterfirma Remec, welche die Instandhaltungssoftware SAMBESI liefern darf – müssen detaillierte und umfassende Vorgaben der Flughafen-IT erfüllen.
So wird etwa jedes Update zunächst auf einem digitalen Zwilling der Skymetro getestet, bevor es live gehen darf. War die Steuerung bisher eine Stand-Alone-Lösung, ist sie nun durch Schnittstellen und Absprachen Bestandteil der IT-Infrastruktur des Flughafens.
Eine größere Herausforderung war zudem das sichere WLAN im Tunnel, das für die steuerungstechnische Verbindung mit den Zügen benötigt wird.
Hybridbetrieb bis November 2026
Mitte Juni 2026 konnte Tunnel 2 mit der neuen Steuerung an den Start gehen, im November folgt nun der Umbau von Tunnel 1. „Sisag hat enormen Aufwand betrieben, damit Tunnel 2 in Betrieb gehen konnte – und die Skymetro läuft sehr stabil“, freut sich Dübendorfer.
Er zeigt sich zudem erleichtert, dass trotz Erhöhung der Nutzlast durch den vierten Wagen alle Tests erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Aktuell werden Fehlermeldungen analysiert und die Bedienoberfläche nachjustiert – echte Unterbrüche sind jedoch bereits jetzt selten.
Während in einem Tunnel der Betrieb der Skymetro weiterläuft,
arbeiten bis zu 20 der 30 Gewerke gleichzeitig im anderen Tunnel.

Dübendorfer verspricht sich von der neuen Steuerung einen langfristig stabilen Support, da Sisag nun personell breiter arbeiten kann. Für die ersten Jahre wurde bereits ein Wartungsvertrag fixiert.
Nun gilt es für Sisag, das 18-köpfige Team der Flughafen Zürich AG für den People Mover zu schulen. Denn bis zum Umbaustart von Tunnel 1 Anfang November 2026 müssen die Operatoren in der Leitstelle mit alter und neuer Steuerung parallel fahren.
Danach dürfen sich Millionen Gäste auf eine technisch topmoderne Skymetro freuen – oder wie es Marco Zgraggen formuliert:
„Mehr Redundanz, mehr Leistung, mehr Flexibilität!“