
Seilbahn & Technik
Gondel mit Whirlpool: Die Idee und der technische Aufbau
Der Doktorand Paul Demschar von der Montanuniversität Leoben hat eine Whirlpoolgondel zum Patent angemeldet. Nach seiner Idee lässt sich ein Whirlpool für zwei Personen in eine Seilbahngondel integrieren und auf diese Weise ein attraktives Angebot für die Sommersaison schaffen.
Für SI hat Paul Demschar technische Details erläutert. Laut ihm liegt die zentrale Innovation in der Systemtrennung zwischen der Badeeinheit in der Kabine und der stationären Wasseraufbereitung in einer Seilbahnstation.
Dadurch können wesentliche technische Komponenten, insbesondere schwere oder energieintensive Anlagenteile wie Wasserfilter, initiale Erhitzung sowie Reinigung und Dosierung, stationär verbleiben. Sie müssen somit weder im Fahrbetriebsmittel mitgeführt noch entlang der Strecke energetisch versorgt werden.
In der Kabine selbst befinden sich aus technischer Sicht lediglich das Whirlpoolbecken für zwei Personen, ein Erhitzer zur Aufrechterhaltung der Wassertemperatur, eine Einheit zur Lufteinbringung sowie ein entsprechender Akku.
Whirlpoolkabine und Wasseraufbereitungsstation

Überlaufkonzept innerhalb der Kabine
Eine weitere zentrale Innovation, die die technische Umsetzung des Konzepts überhaupt erst ermöglicht, ist das speziell entwickelte Überlaufkonzept innerhalb der Kabine.
Dieses stellt sicher, dass während des Fahrbetriebs kein Wasser aus dem Fahrbetriebsmittel austreten kann und gleichzeitig ein komfortables Badeerlebnis für die Gäste gewährleistet bleibt.
Auch für Evakuierungs- und Notfallsituationen (Nothalt etc.) wurden entsprechende technische Vorkehrungen im Konzept berücksichtigt.
Für Umlaufbahnen sowie für Pendelbahnen geeignet
Das Konzept der Whirlpoolgondel ist grundsätzlich sowohl für Umlaufbahnen als auch für Pendelbahnen geeignet. Bei Einseilumlaufbahnen ist vorgesehen, das Becken fest in eine entsprechend ausgestattete Kabine zu integrieren, die bei Bedarf auf die Strecke gebracht werden kann.
Bei größeren Fahrbetriebsmitteln sind hingegen mobile Einschubmodule denkbar, die bei Bedarf in die Kabinen eingefahren werden können.
Die Whirlpoolgondel
kann Teil des touristischen Gesamterlebnisses einer Destination sein.

Exklusives Zusatzangebot
Paul Demschar betont, dass ein wesentlicher Gedanke des Konzepts darin besteht, dass die Whirlpoolkabinen nur bei tatsächlichem Bedarf betrieben werden.
Es handelt sich somit um ein exklusives Zusatzangebot, das – abhängig von der konkreten technischen Umsetzung – ohne grundlegende Veränderungen an der Seilbahntechnik auch in bestehende Anlagen integriert werden kann.

Paul Demschar
Doktorand an der Montanuniversität Leoben
„Aus meiner Sicht liegt ein besonderer Erfolgsfaktor in der Einbindung der Whirlpoolgondel in das Gesamtkonzept einer Destination. Denkbar wären beispielsweise abgestimmte Angebote in Kombination mit Kulinarik, besonderen Veranstaltungen oder exklusiven Erlebnisformaten. Die Gondel soll dabei nicht nur ein außergewöhnliches technisches Produkt sein, sondern Teil eines touristischen Gesamterlebnisses werden.“
Neben dem Einsatz auf Seilbahnanlagen ist auch eine stationäre Variante der Whirlpoolgondel möglich.
Den Entwicklern zufolge eröffnen sich hier interessante Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise in der Hotellerie, bei Veranstaltungen oder im Bereich Marketing.
Wie das ablaufen kann
Eine Fahrt mit der Gondel den Berg hinauf und wieder retour kann bis zu 30 Minuten dauern. So lange kann das Wasser in der Kabine umgewälzt und die Temperatur gehalten werden. Danach muss die Gondel wieder an die Wasseraufbereitungsanlage angeschlossen werden.
Die Gewichtsbeschränkung für den Betrieb auf 10er-Einseilumlaufbahnen liegt bei 800 kg. Somit können sich in der Kabine 400 bis 500 Liter Wasser sowie zwei Badegäste befinden. Mit einer Wasseraufbereitungsstation können bis zu sechs Kabinen betrieben werden.
Für Kabinenbahnen mit höherer Nutzlast sind natürlich auch größere Becken möglich.
Perspektiven
Paul Demschar hat das Konzept an mehreren Stellen innerhalb der Doppelmayr Gruppe vorgestellt. Auch wenn derzeit noch keine verbindliche Vereinbarung und kein Fertigungsauftrag vorliegen, war der Austausch für die Weiterentwicklung des Projekts sehr wichtig.
„Die Gespräche waren für mich sehr wertvoll, insbesondere im Hinblick auf die grundsätzliche technische und wirtschaftliche Einschätzung des Konzepts“, sagt der Ideengeber.