
Management & Tourismus, Seilbahn & Technik
Steirische Seilbahntagung: Was die Branche fordert
Etwa 190 Seilbahnen und Lifte bringen aktuell in der Steiermark Naturbegeisterte auf die Berge und auf ihre etwa 988 Pistenkilometer.
1.300 Menschen sind direkt bei den Betrieben angestellt, 8.800 Arbeitsplätze entstehen zusätzlich in den Schwesterbranchen.
Eine Wertschöpfung von 530 Millionen Euro erzeugt die gesamte wirtschaftliche Kette von den Seilbahnen abwärts – davon fallen große Teile auf Beherbergung und Gastronomie. Der Wertschöpfungsmultiplikator liegt bei 4,9.
„Unsere Branche ist Nahversorger des Tourismus und die Seilbahnen sind ein unverzichtbares und nachhaltiges Verkehrsmittel auf den Berg“, sagt Oliver Käfer, Geschäftsführer der Fachgruppe Seilbahnen in der WKO Steiermark. „Und das mittlerweile schon lange nicht mehr nur im Winter: Die Sommerangebote der steirischen Skigebiete wachsen stetig: Wandern, Mountainbiken und die Erfrischung in den Seen erfreuen sich jedes Jahr größerer Beliebtheit“.
Worin die Seilbahnen investieren
Heuer wurden 76 Millionen Euro in den Erhalt und Ausbau der Seilbahnen investiert, davon flossen 18,5 Millionen in die Achtersesselbahn am Kreischberg – die heuer einzige neu errichtete Seilbahn.
„Der Großteil der Investitionen geht in die Verbesserung der Beschneiungsinfrastruktur. Hier die Effizienz zu erhöhen, ist das Gebot der Stunde, um auch jedes Schneefenster bestmöglich zu nutzen“, so Daniel Berchthaller, Obmann der steirischen Seilbahnen in der WKO Steiermark und seit 2017 Geschäftsführer auf der Reiteralm.
Auf dem Foto:
- Klaus Moitzi, Vizebürgermeister Obdach und Prokurist Skilifte Obdach
- Franz Hörl, Nationalrat und WKÖ-Fachverbandsobmann Seilbahnen
- Renate Götschl, Österreichische Skirennläuferin
- Daniel Berchthaller, Fachgruppenobmann
- Oliver Käfer, Fachgruppengeschäftsführer
- Patrick Stocker vom Skigebiet Rieseralm

Kleine Skigebiete als Frage der Zukunft
Ein besonderer Fokus der Tagung lag auf der Bedeutung kleiner Skigebiete. Große Karrieren – daran erinnerten die Teilnehmer der Tagung – beginnen auf kleinen Pisten.
Ganz in der Nähe von Obdach, wo die Tagung stattfand, hat Ski-Legende Renate Götschl ihre ersten Schwünge auf dem elterlichen Bergbauernhof in St. Georgen im Obdachegg geübt, um dann später eine Weltkarriere hinzulegen, die ihresgleichen sucht.
Damit in Zukunft nicht nur Weltmeister-Karrieren, sondern auch Schneespaß für die Kleinsten möglich sind, braucht es aus Sicht der Seilbahnbranche die richtigen Rahmenbedingungen.
 „Wir wollen die kleinen Skigebiete in der Steiermark stärken. Sie sorgen für Nachwuchs und bringen Wertschöpfung in den Regionen“, sagt Berchthaller.
Eine wichtige Rolle spielt dabei etwa die Qualitätsoffensive „Hochweiß“ des Landes Steiermark: Der Topf ist mit 1.000.000 Euro dotiert und unterstützt Investitionen in kleine und mittlere Ski- und Langlaufgebiete: „Diese Förderung ist für viele kleinere Betriebe eine überlebensnotwendige Unterstützung, um ihre Infrastruktur auf einem zeitgemäßen, hochqualitativen Niveau zu halten.“
Die Skikurs-Hürden
Dringenden Handlungsbedarf sieht die Branche bei den Schulskikursen. Für mehrtägige Schulveranstaltungen gilt derzeit grundsätzlich eine Mindestteilnahme von 70 Prozent der Schüler einer Klasse: Wenn also von 20 Kindern sechs nicht mitfahren können oder wollen, kann der Skikurs nicht stattfinden.
Außerdem gilt in den ersten beiden Klassen eine Obergrenze von fünf Stunden – länger darf ein Ski-Ausflug nicht dauern.
 „Für Grazer Volksschulkinder wird dadurch eine Reise in den Schnee inklusive Jause praktisch unmöglich. Wenn wir Kinder für den Wintersport begeistern wollen, dürfen wir den Zugang nicht unnötig erschweren“, so Berchthaller.
Die Seilbahnen sprechen sich daher dafür aus, die 70-Prozent-Hürde bei Schulveranstaltungen zu senken beziehungsweise flexibler zu gestalten.
Zweites Leben für Seilbahnen
Der Ski-Nachwuchs braucht auch funktionierende und leistbare Infrastruktur.
„Nicht jede Anlage muss neu gebaut werden, damit ein Skigebiet technisch auf dem neuesten Stand bleibt. Eine generalüberholte Bahn kann für einen kleineren Betrieb eine realistische Möglichkeit sein, moderne Infrastruktur zu bekommen“, sagt Berchthaller.