
Seilbahn & Technik, SI 4/2026, SI-Alpin
Doppelmayr: Seilbahn für das Bundesheer
Abenteuerlich war er: Der Schrägaufzug mit Raupenantrieb des österreichischen Bundesheers am Dachstein. Er führte von der Bergstation der touristischen Dachstein-Südwandbahn am Hunerkogel hinauf zur Netzfunkstelle am Großen Koppenkarstein.
Doch 2015 musste die Armee den Betrieb einstellen, das Fahrzeug war beschädigt und nicht mehr windstabil. Ab diesem Zeitpunkt flogen die Soldaten per Hubschrauber zur Netzfunkstelle – was einerseits ins Geld, andererseits oft gar nicht ging.
Denn das Wetter am Dachstein schlägt oft um und schlechte Sicht verhindert Flüge.

Türen an den Stationen und ein windstabiles Laufwerk sollen den Wetterkapriolen trotzen.
Detailplan von Doppelmayr
Deswegen veranlasste die Republik Österreich den Bau einer Seilbahn. Die Ausschreibung gewann der Hersteller Doppelmayr – auch dank eines maßgeschneiderten Konzepts. Es beinhaltet eine einspurige Pendelbahn mit einer 8-Personen-Kabine von CWA mit 800 Kilogramm Nutzlast.
Die Ingenieure haben – wie bei der Seilbahn zur Wetterstation am Sonnblick – auf eine hohe Windstabilität geachtet. Durch ein spezielles Laufwerk, Seilreitern und zwei Tragseilen und einem Zugseil von Teufelberger-Redaelli kann sogar bei hohen Windgeschwindigkeit gefahren werden.
Eishammer helfen dabei, den harten Wetterbedingungen zu trotzen. Ein integriertes Räumungskonzept ersetzt die Bergung, die über dem Gletscherplateau nicht möglich wäre.



Die Seilbahn wird vom Bedienstand aus gesteuert (links). Zum Eis-Abfahren können jedoch auch Mitarbeiter der Planai-Hochwurzen-Bahnen über eine Bedienstelle im Außenbereich die Bahn rudimentär steuern (Mitte). Über einen Fernwartungskoffer hat auch die Kaserne in Salzburg Zugriff.
© BH/Surrer
Fernsteuerung zum Eis-Abfahren
Apropos Gletscherplateau: Um die Loipennutzer unterhalb des Seils nicht zu gefährden, muss die Seilbahn regelmäßig eisfrei gefahren werden. Damit die Soldaten dafür nicht extra aus der Kaserne anrücken müssen, hat Frey Austria mehrere abgesicherte Zugänge zur in sich geschlossenen Steuerung geschaffen.
So kann die Seilbahn – neben den klassischen Kontrollstellen in den Stationen – auch von einer Bedienstelle im Außenbereich rudimentär bewegt werden.
Mitarbeiter der Dachstein-Südwandbahn fahren von dort aus mit geringer Geschwindigkeit das Eis ab – bis zu einer definierten Stelle. Zudem greifen die Soldaten über einen Fernsteuerungskoffer von der Kaserne aus auf die Seilbahn zu und können von dort rudimentär fahren.



Die Bauphase der Seilbahn dauerte zwei Jahre und umfasste 1.800 Hubschrauberflüge, nun werden noch Stationsumbauten durchgeführt.
© BH/Surrer
Soldaten von der Pike auf dabei
Nach fünf Jahren Entscheidungsprozess begann der Bau der Seilbahn im Juli 2023. Die Seilbahner unter den Soldaten waren von Beginn an in das Projekt involviert, um in der Planung ihre Erfahrungen einzubringen und beim Bau die Anlage von der Pike auf kennenzulernen.
Die Demontage der alten und die Montage der neuen Stütze wurden zusammen durchgeführt.

Die Seilbahn kommt mit einer Stütze aus – und sieben (teils speziellen) Seilreitern.
Im Winter 2023/2024 haben die Fachkräfte durchgearbeitet. Dabei forderten Schnee, schlechte Sicht und Wetter alle Beteiligten heraus, darunter auch das Bauunternehmen Granit und das Planungsbüro IKK. Teilweise musste einen halben Tag Schnee geräumt werden, nur um fünf Meter Seilzug zu erzielen.
Zum Glück konnte das Österreichische Bundesheer bei der Bauzeitplanung auf eigene Meteorologen zurückgreifen. Ende August 2024 konnte dann die Seilbahn – geprüft durch Schupfer – zum ersten Mal fahren. Die behördliche Abnahme erfolgte im Jänner 2026, seit Februar diesen Jahres ist der Betrieb genehmigt.
Zudem entstehen noch Aufenthaltsräume sowohl am Berg als auch im Tal. Fazit: Die Seilbahn am Dachstein fährt ab sofort für mehr Sicherheit am Berg.
Technische Daten:
Bundesheer-Seilbahn am Dachstein
| Nutzlast Fahrzeug | 8 P/800 kg |
| Fahrgeschwindigkeit | 6 m/s |
| Höhe Talstation | 2.680 m |
| Höhe Bergstation | 2.863 m |
| Höhenunterschied | 182 m |
| Schräge Länge | 1.100 m |
| Stützen | 1 |
| Seilreiter | 7 |
| Fahrzeit | 4,7 min |
| Antrieb | Tal |
| Abspannung | Berg |
| Motorleistung | 74 kW |
| Hersteller | Doppelmayr |
| Steuerung | Frey Austria |
| Seil | Teuelberger-Redaelli |
| Stationen | Granit |