
Digitalisierung & Innovation, SI 5/26
Pricenow & Inside Labs: Vom Ticket zum Gast
Ein Skitag beginnt nicht am Drehkreuz. Er beginnt beim Blick auf den Wetterbericht, beim Vergleich der Ticketpreise auf der Webseite oder bei einer Nachricht aus dem Lieblingsgebiet, wo am Wochenende ein Event-Highlight stattfindet.
Gäste erwarten personalisierte Angebote, die auf Knopfdruck buchbar sind. Bergbahnen investieren viel in ihr physisches Erlebnis: Neue Anlagen, neue Bahnen, neue Infrastruktur.
Im digitalen Vertrieb und in der Gästekommunikation zeigt sich davon oft wenig.
Vor der Buchung:
Ein Gast, der seinen Skiurlaub inklusive Unterkunft, Skimiete, Skischule und Skiticket bucht, endet nicht selten in vier verschiedenen Webshops. Das Bündelangebot, das Skiticket und Restaurant sinnvoll verbinden würde, sieht er nie, weil die Systeme nicht miteinander sprechen.
Vor Ort:
Der Skipass ist gekauft, doch danach folgt oft Funkstille: Keine Nachricht mit dem Hinweis auf freie Plätze im Bergrestaurant, kein Angebot für eine Parkplatzreservation.
Nach dem Aufenthalt:
Auch nach der Abreise endet der Kontakt meist abrupt. Es fehlt an gezielter Ansprache, die den Gast zurückholt; ein Nebensaison-Angebot, eine Erinnerung an den nächsten Besuch, eine persönliche Empfehlung auf Basis des letzten Aufenthalts bleibt meist aus.
Warum das Zusammenspiel mehr ist als die Summe der Teile
Webshop, Preissetzung und Gästekommunikation werden in den meisten Bergbahnunternehmen als getrennte Vorhaben behandelt. Jedes hat sein eigenes Budget, seine eigene Projektleitung, oft auch seinen eigenen Anbieter und damit auch seine eigenen Daten.
Der Blick auf die Einzelteile verdeckt, wo der Wert tatsächlich liegt.
Der Ausweg liegt nicht in einem weiteren Einzelsystem, sondern im Zusammenspiel. Jeder Verkauf, jede Buchung, jeder Restaurantbesuch, jede geöffnete Nachricht erzeugt Daten.
Einzeln betrachtet sind das Datenpunkte, zusammengeführt macht Analytics daraus ein Bild davon, wer der Gast ist, was er bucht und wann er am besten ansprechbar ist.
Nachfrageorientiertes Pricing schafft Anreize für Frühbuchungen, wodurch Gäste ihre Tickets vermehrt online kaufen. Digitaler Vertrieb macht das Angebot dort verfügbar, wo der Gast gerade ist.
Personalisiertes, datengetriebenes Engagement sorgt dafür, dass der Gast persönlich erreicht wird, statt ihn mit einer Nachricht an alle anzusprechen.
Mit einer App als digitaler Begleiter eröffnen sich neue Möglichkeiten, mit dem Gast insbesondere während dem Aufenthalt zu kommunizieren und die Gästebeziehung weiter zu stärken.
Das Zusammenspiel
der verschiedenen Systeme dargestellt anhand einer beispielhaften Customer Journey.

Je mehr digitale Touchpoints, desto vollständiger wird das Bild vom Gast. Ein hoher Online-Anteil ist deshalb kein Selbstzweck, sondern der Treibstoff für das ganze System.
Jede Online-Buchung verrät dem Anbieter mehr über seinen Gast und fließt direkt zurück in präzisere Nachfrageprognosen, gezieltes Cross- und Upselling, passgenaue Angebote und Kommunikation.
Daraus entsteht ein besseres Erlebnis, aus dem besseren Erlebnis ein Grund zur Rückkehr, aus der Rückkehr wieder neue Daten.
Ein sich selbst verstärkender Kreislauf, kein einmaliges Projekt, mit direkter Wirkung auf Gästezufriedenheit, Auslastung und Umsatz pro Gast.
So funktionierts in der Praxis
Wie gut das Zusammenspiel funktioniert, zeigen Beispiele aus der Praxis. In LAAX laufen Vertrieb, Preissetzung und Gästekommunikation über ein gemeinsames Datenmodell. Cross-Sell-Produkte werden dann angeboten, wenn Relevanz und Zahlungsbereitschaft am höchsten sind.


Die App ist der zentrale Begleiter für den Gast: Über sie erreichen den Gast die passenden Angebote, direkt buchbar, ohne Umweg über eine separate Webseite.
Am Erlebnisberg Golm können Gäste durch die Kombination aus Golm-App und der E-Commerce-Lösung beispielsweise Essen im Restaurant Grüneck direkt über die App bestellen.
Wer per QR-Code am Tisch bestellt, hinterlässt nicht nur eine Bestellung, sondern auch eine Information: Dieser Gast sitzt jetzt im Bergrestaurant. Aus dieser Information wird ein Angebot.
Der Gast wird via Push Nachricht automatisch gefragt, ob er noch ein Dessert bestellen möchte. Eine Frage, die im Servicealltag sonst oft untergeht.
Beide Beispiele sind nicht als Großprojekt entstanden, sondern Schritt für Schritt. Das ist die wichtigste Beobachtung für alle, die noch am Anfang stehen: Der Ansatz ist keine einmalige Entscheidung, sondern ein schrittweises Vorgehen.
Jeder verknüpfte Baustein erhöht den Wert der bereits vorhandenen. Wer diesen Ansatz konsequent verfolgt, macht aus Daten Erlöse und aus einem Ticketkauf den Beginn einer Gästebeziehung.

