
Beschneiung & Pistenpflege
Hitzesommer 2026: Folgen für den Winter
Schneefall bis in mittlere Lagen, wenn auch nur vorübergehend: Nach einem heißen und trockenen Sommer rückt die kalte Jahreszeit immer näher. Zahlreiche Berggipfel schimmern seit Mitte Oktober bereits weiß.
Wintersportlerinnen und Wintersportler machen sich bereit und hoffen darauf, dass bald eine dicke, weiße Schicht die Berge bedecken wird. Allzu schnell sollte das aber nicht geschehen.
Viel hängt davon ab, ob der Boden auskühlen kann, bevor der Schnee in Massen vom Himmel kommt, von der Qualität der Winterfreuden über die Lawinenlage bis hin zum Permafrost.
In Kürze
- Winter 2026/27: Nach dem Hitzesommer könnte der Schnee später kommen – aber nicht unbedingt spärlicher.
- Skifahren und Langlauf: Wärme und Wassermangel erschweren die künstliche Beschneiung.
- Lawinengefahr und Permafrost: Früher Schnee auf warmem Boden erhöht die Risiken im Gebirge.
Nach heißen Sommern kommt der Schnee spät
Im Sommer war der Schnee selbst in hohen Lagen vielerorts Mangelware. Auf dem Versuchsfeld Weissfluhjoch des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF auf 2536 m ü. M. oberhalb von Davos (GR) blieb er in den Monaten Juli, August und September ganz aus.
«Das war das erste Mal in der 90-jährigen Geschichte des Messfelds», sagt Christoph Marty, Schneeklimatologe am SLF. Selbst in den anderen bekannten Hitzesommern 1947, 2003, 2015, 2018 und 2022 hatte es in diesen Monaten zumindest für kurze Zeit Schnee.
Der Rekord kommt allerdings nicht ganz unerwartet, erläutert Marty: «Die langfristige Tendenz zu weniger Schneetagen im Sommer ist klar.» In den ersten 45 Jahren der Messreihe betrug der Medianwert noch 26 Tage, in den vergangenen 45 Jahren nur noch 16 Tage.
Erstmals seit 90 Jahren nicht eine Flocke Schnee im Sommer: Zeitraffer vom 1. Juli bis 30. September 2026 vom SLF-Versuchsfeld Weissfluhjoch oberhalb von Davos (GR). (Film: Roman Oester / SLF)
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Saison 2026/27 schneearm wird. Denn ein klarer Zusammenhang zwischen Hitzesommer und dem darauffolgenden Winter existiert nicht, erklärt Marty:
«Es gibt kein einheitliches Muster.» Er hat sich die Messreihen für Andermatt (UR, 1440 m ü. M.) und das Versuchsfeld Weissfluhjoch angeschaut. Die Winter 2022/23 und 2015/16 waren tatsächlich schneearm. 2018/19 und 2003/04 zeigte sich hingegen ein gemischtes Bild:
In Andermatt lag so viel Schnee wie in anderen Jahren auch, auf dem Versuchsfeld Weissfluhjoch sogar mehr als üblich. Und auf den Hitzesommer 1947 folgte an beiden Orten ein schneereicher Winter.
Links
- Versuchsfeld Weissfluhjoch
- Zeitraffer vom 1. Juli bis 30. September 2026 vom SLF-Versuchsfeld Weissfluhjoch
- Artikel «Verborgenes Eis in den Schweizer Alpen»
- Swiss Permafrost Bulletin 2025 (nur auf Englisch)
Eindeutiger ist das Bild beim Einschneien, also der Startzeitpunkt der kontinuierlichen Winterschneedecke. Hierfür hat Marty Werte aus den Gemeinden Mürren (BE) und Davos verglichen, wo im langjährigen Durchschnitt am 19. beziehungsweise 17. November erstmals die Schneedecke geschlossen ist.
«Das Einschneien hat nach Hitzesommern immer später als normal stattgefunden», hat er beobachtet. In Mürren kam der Schnee zwei bis neunzehn Tage später, in Davos einen bis siebenundvierzig. Sollte es wieder so lange dauern, wird es demnach 2027, bis der Ort unter einer geschlossenen Schneedecke liegt.
Snowfarming:
Eine dicke Isolationsschicht aus Sägespänen schützt den gelagerten Schnee im Sommer vor hohen Temperaturen.

Auf Piste und Loipe kann die Technik es richten – noch
Doch auch wenn das so sein sollte, wird schon vorher Wintersport möglich sein. Gemeinden und Bergbahnen steuern mit technischem Schnee und Snowfarming gegen.
Beim Snowfarming wird Schnee aus der vergangenen Saison mit Hilfe von Flies oder einer dicken Schicht Sägespäne gut isoliert durch den Sommer gebracht. Anfang der Saison kommt er dann auf die grüne Wiese, meist, um erste Loipen zu bauen.
«Die meisten Schneelager hatten im Sommer keine Probleme und sind jetzt gut gefüllt», weiss Fabian Wolfsperger, Experte für technischen Schnee und Snowfarming am SLF. Eine Ausnahme kennt er allerdings auch: Ein Langlaufgebiet in der Slowakei, dessen Schneevorräte um fünfzig statt der üblichen dreissig Prozent geschmolzen sind.
Prognose für 2027
Spannend wird eher, ob im Januar und Februar 2027 genügend Wasser für die Produktion neuer Schneevorräte vorhanden sein wird. In diesen Monaten erzeugen die Wintersportorte technischen Schnee, den sie durch den nächsten Sommer bringen wollen.
Dazu benötigen sie Wasser, und Wolfsperger fragt sich, ob nach der Trockenheit überall genügend vorhanden sein wird: «In den Alpen dürfte das schon der Fall sein, aber Langlaufgebiete in den Mittelgebirgen könnten ein Problem bekommen.»
Haben sie kommenden Herbst zu wenig Schnee in ihren Depots, wird der Start in die Saison schwierig. Der Hitzesommer 2026 würde sich dann auf die Wintersaison 2027/28 auswirken
Schneeerzeuger im Einsatz:
Die Temperatur von Boden, Luft und Wasser muss passen, sonst funktioniert die Beschneiung nicht.

Auswirkungen auf die Beschneiung
«Ein weiterer, wichtiger Faktor, der oft unterschätzt wird, ist die Temperatur des Wassers», sagt Wolfsperger. Sind die Bäche und Seen zu warm, aus denen Schneeerzeuger und -lanzen gespeist werden, können die Maschinen schlechter Schnee daraus produzieren. Und das betrifft nicht nur die Loipen.
«Es gibt sicherlich auch Skigebiete, die zu wenig oder zu warme Reserven haben», erklärt der Ingenieur.
Andernorts herrschen schlicht derzeit noch zu hohe Lufttemperaturen für die Beschneiung. Denn dafür liegen sie idealerweise unter minus fünf Grad Celsius, und das über einen längeren Zeitraum, sagt Wolfsperger: «Es braucht hundert kalte Stunden bis zum Start der Skisaison, das genügt für die Pisten.»
Zumal es nicht am Stück kalt sein muss. Die Chancen dafür stünden gut, vor allem für Gebiete auf rund 2500 m ü. M. und darüber ist Wolfsperger optimistisch. Die nach dem Extremsommer noch warmen Böden seien kein Problem: «Dass dadurch etwas mehr Schnee aus der Maschine schmilzt, fällt nicht ins Gewicht.» Jedenfalls nicht auf der Piste.
Frühwarnsignal Fischmaul:
Hier kündigt sich eine Gleitschneelawine an.

Ist der Boden warm, rutscht der Schnee
Im freien Gelände abseits der Pisten ist das anders. Fällt zu Beginn des Winters viel Schnee auf noch warmen Boden, kann es wie 2023 vermehrt zu Gleitschneelawinen kommen. Denn eine mächtige Schneedecke isoliert den Untergrund und verhindert, dass dieser weiter auskühlt.
Dadurch bleibt sie an ihrer Unterseite feucht, erklärt Alec van Herwijnen, Leiter der Forschungsgruppe Lawinenbildung und Lawinendynamik am SLF: «Auf glattem Untergrund wie Gras oder Felsplatten kann die gesamte Schneedecke dann plötzlich abrutschen.»
Nach einem aussergewöhnlich warmen Sommer kann dies auch an Hängen passieren, an denen solche Gleitschneelawinen ansonsten selten sind, beispielsweise an höher gelegenen Nordhängen.
Oft – aber nicht immer – bilden sich vor dem Abgang Risse im Schnee, die «Fischmäuler». Sie sind ein Warnsignal: Unterhalb solcher Risse sollten sich Menschen nicht aufhalten. Kühlt der Boden hingegen vor den ersten größeren Schneefällen ausreichend ab, ist die Gefahr von Gleitschneelawinen geringer.
Der Schafberg oberhalb von Pontresina im schneearmen Februar 2023:
Der Zeitpunkt des Einschneiens entscheidet darüber, wie stark sich ein Hitzesommer auf den Permafrost auswirkt.

Isolierte Berge
Der Zeitpunkt des Einschneiens entscheidet auch darüber, wie stark sich der Hitzesommer schließlich auf den Permafrost (siehe Kasten) auswirkt. Dieser ist im Frühling 2026 gut in die warme Jahreszeit gestartet, da der Untergrund nach dem kalten, schneearmen Winter 2025/26 relativ kühl war.
Die Hitze des Sommers war dann in den obersten Schichten des Bodens aber deutlich messbar. In die Tiefe gelangt sie nur langsam. Bis sie in zehn Meter Tiefe ankommt, wird es 2027.
«Ab fünfzehn Meter Tiefe sind die saisonalen Temperaturschwankungen gar nicht mehr messbar. Die Wärme vom Sommer 2026 sehen wir da erst im Winter 2027», sagt Jeannette Nötzli, Permafrost-Expertin am SLF.
Was ist … Permafrost?
Permafrost ist Boden wie Fels, Schutt oder Moräne, der durchgehend Temperaturen unter 0°C aufweist und daher ständig gefroren ist. Rund fünf Prozent der Fläche der Schweiz besteht aus Permafrost, in der Regel in kalten und hochgelegenen Schutthalden und Felswänden oberhalb von 2500 Metern über dem Meeresspiegel.
Wie es jetzt weitergeht, hängt vom Start in den Winter ab.
Ist die Schneedecke bereits früh im Herbst geschlossen, kann der Boden nicht auskühlen. «Die Wärme wird dann im Boden gespeichert, kann weiter in die Tiefe vordringen und den Effekt des Hitzesommers so verstärken», erklärt Nötzli. Kommt der Schnee hingegen spät, und der Boden hat Zeit auszukühlen, kann dies die Folgen des Hitzesommers etwas mildern.
Im Permafrost unterhalb von zehn bis fünfzehn Metern Tiefe werden die Temperaturen von langfristigen Änderungen an der Oberfläche beeinflusst, und saisonale Schwankungen sind kaum messbar. Entscheidend sind hier nicht einzelne Sommer, sondern die zahlreichen, aufeinanderfolgenden warmen Jahre im vergangenen Jahrzehnt.
2026 war lediglich der bisherige Höhepunkt. Alle heißen Sommer zusammen haben zu einer deutlichen Erwärmung des Permafrosts geführt. Das kann zu Eisverlusten im Boden führen und Wasserflüsse bis tief in den Permafrost erlauben. Dies wiederum verringert die Stabilität von Bergflanken und kann bis hin zu Fels- und Bergstürzen führen.