No Japow: Verliert Japan seinen Pulverschnee?

Eine japanische Studie zeigt eindringlich die Folgen des Klimawandels für den Wintersport: Steigt die globale Durchschnittstemperatur um vier Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau, können von 349 Skigebieten in Japan voraussichtlich nur noch sieben komplett mit Naturschnee betrieben werden. Lediglich 26 weiteren Gebieten bliebe laut den Forschern die Möglichkeit, zumindest Teile ihrer Pisten zu öffnen.

Viele japanische Skigebiete werben bei ausländischen Touristen mit ihren Schneeverhältnissen. Besonders der japanische Pulverschnee „Japow“ ist in Regionen wie Hokkaido und Nagano ein wichtiger Teil des Wintertourismus.

Eine Untersuchung der Universität Hokkaido und des staatlichen Forschungsinstituts für Forst- und Holzprodukte warnt nun vor drastischen Folgen des Klimawandels für den japanischen Wintersport. Das berichtet das Nachrichtenportal Sumikai berichtet.

Grund dafür ist der prognostizierte Rückgang des Naturschnees:

Szenarien

  • 4-Grad-Szenario (ohne effektiven Klimaschutz): Von aktuell 349 untersuchten Skigebieten in Japan könnten nur noch sieben komplett mit Naturschnee betrieben werden. Weitere 26 Gebiete könnten immerhin noch Teile ihrer Pisten öffnen.

  • 2-Grad-Szenario (Ziel des Pariser Abkommens): Auch bei einer moderateren Erwärmung würden nur noch 53 Skigebiete vollständig und 108 teilweise nutzbar bleiben – vor allem hoch gelegene oder sehr weit nördlich gelegene Areale.

  • Weniger Schneetage: Während früher viele Gebiete über 20 Schneetage pro Jahr verzeichneten, sinkt dieser Wert laut Projektionen auf 12 bis 16 Tage (2-Grad-Erwärmung) bzw. auf unter 10 Tage (4-Grad-Erwärmung).

Wirtschaftliche Bedeutung des Pulverschnees

Japow –  der sogenannte japanische Pulverschnee ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor.

Ausländische Wintersportgäste bleiben im Schnitt deutlich länger im Land (knapp 14 Tage), geben etwa 40 % mehr Geld aus als gewöhnliche Touristen und reisen überwiegend (über 93 %) in ländliche Regionen abseits der großen Metropolen.

Ein Ausbleiben des Schnees bedroht daher direkt die regionale Wirtschaft.

Anpassungsstrategien und staatliche Reaktionen

Aufgrund der absehbaren Erwärmung raten Wissenschaftler und die japanische Tourismusbehörde zur Anpassung:

  • Technische Aufrüstung: Immer mehr Skigebiete beantragen staatliche Fördergelder für den Kauf von Beschneiungsanlagen und modernen Liften (ein Großteil der bestehenden Liftanlagen ist veraltet und über 20 bis 30 Jahre alt).

  • Ganzjähriger Tourismus: Die Behörden empfehlen den Wintersportorten dringend, ihre Angebote für Frühling, Sommer und Herbst auszubauen. Das Ziel ist die Wandlung zu Ganzjahres-Bergresorts, um die Abhängigkeit von kurzen, schneearmen Wintern zu verringern.