
Management & Tourismus, SI 2/2026
Perfekte Kombi: Mountaincart, Bike & Schlepplift
Das Segment „Mountaincarts in Bikeparks“ ist stark wachsend, insbesondere in Kombination mit dem Transport per Schlepplift. Oft sind es eher kleinere Destinationen, die sich größere und kostspieligere Projekte nicht leisten können. Gleichzeitig befinden sich diese oft in niedrigeren bis mittleren Höhenlagen und stehen unter dem Druck, den Ganzjahresbetrieb auszubauen.
Hier können Mountaincarts die ideale Ergänzung sein, insbesondere, wenn sie mit dem Bikegeschäft verknüpft werden. Denn Schlepplifte können (im Gegensatz zu Sesseln oder Kabinen) ohne Schneeauflage ja keine Wanderer befördern, sondern nur denjenigen Gast, der auf einem Bike oder Mountaincart sitzt.

Mountaincarts schließen die Lücke
Trotz familienfreundlicher Trails ist das Biken nicht jedermanns Sache und oft bleibt ein Teil einer Familie oder Gruppe in einem reinen Bikepark entsprechend „auf der Strecke“ bzw. findet kein für sich passendes Angebot.
Hier können die Mountaincarts eine Lücke füllen, wie Paul Kogler, Geschäftsführer der Simonhöhe in Kärntnen, berichtet: „Unser Berg ist im Winter mit über 5.000 Kindern pro Saison ein echter Familienberg – und das soll er auch im Sommer sein.“
Begonnen hat alles 2020 mit der Übernahme des Kleinskigebiets durch das Familienunternehmen Kogler. Bereits damals setzte sich der neue Betreiber das Ziel, an 300 Tagen geöffnet zu haben, um gute Mitarbeiter halten zu können.
Zunächst wurden zehn Kilometer Single- und Flowtrails errichtet, 2024 dann auch zwei Mountaincart-Strecken. Die Carts können nicht nur von den Bikern, sondern auch von anderen Gästen genutzt werden, etwa Kinder, weniger sportliche Erwachsene, Senioren bis hin zu Menschen mit einem gewissen Grad an Behinderungen.
Die Simonhöhe
ist ein Beispiel für zahlreiche Skigebiete – besonders in Deutschland und Österreich – welche die Vorzüge aus der Kombi „Mountaincarts, Bikes und Schlepplift“
erkennen und nutzen.

Bis zu 200 Fahrten am Tag
Die Simonhöhe ist 2024 mit zehn gemieteten Mountaincarts gestartet und hat diese Ende des Jahres unter Anrechnung eines Großteils der Miete auf den Kaufpreis übernommen. Heuer wird die Flotte um weitere fünf Carts aufgestockt, denn das Angebot wird sehr gut angenommen – oder wie es Kogler formuliert:
„Die Carts schlugen richtig ein – vor allem auch in Social Media. Ein Paar reiste sogar aus München an, nachdem sie unser Video gesehen hat.“
Bis zu 200 Fahrten verzeichnet die Simonhöhe pro Tag, die Erstzutritte Bike versus Mountaincart liegen mittlerweile bei 50 zu 50. Der Umsatz mit den Carts verdoppelte sich bisher jährlich. Auch neue Gäste – wie Jugendgruppen oder Polterrunden – konnten gewonnen werden.
Ein Ticket berechtigt für zwei Schlepplift- bzw. Mountaincart-Fahrten, wobei zwischen den zwei Strecken „Rock‘n‘Roll“ und „Weltcup-Abfahrt“ gewählt werden kann.

Transport mit dem easyLOOP-System
Die Bikes und Mountaincarts werden durch das easyLOOP-System an die Schleppliftbügel gehängt und mit den Gästen auf die Simonhöhe transportiert (siehe Infobox). Laut Entwickler Simon Hanl dauert die Umrüstung eines Schlepplifts auf easyLOOP rund ein bis zwei Stunden und ist kompatibel für alle gängigen Anlagen.
„Beim Mountaincart ist die schleppliftspezifische Vorrichtung modular aufgebaut. Es gibt einen am Lenker montierten Grundträger auf den dann das passende Adapterstück angeschraubt werden kann – egal ob T-Bügel, Teller oder easyLOOP“, schildert Joachim Jeßberger, Geschäftsführer der Firma Mountaincart.
Auf der Simonhöhe hängt ein Mitarbeiter die Carts mit den Gästen in den easyLOOP ein, am Berg überwacht ein weiterer Angestellter den Ausstieg – der Gast muss sich also um nahezu nichts kümmern und sitzt die gesamte Zeit im Fahrzeug.
Bikes und Carts werden gemeinsam transportiert, wobei bei Letzteren jeder zweite Bügel zur Sicherheit frei bleibt.

Mountaincart-Transport mit dem easyLoop am Schlepplift
Zustieg: Der Gast passiert mit seinem Cart das Drehkreuz und positioniert sich an der Einstiegsstelle an der Talstation in Fahrtrichtung. Der Gast hält sich am Griff fest, der sich vor dem Lenker befindet, und zieht diesen zu sich nach hinten. Der Liftler hängt nun den easyLOOP-Bügel an der entsprechenden Halterung am
Mountaincart ein.
Auffahrt: Der Gast hält den Griff während der Auffahrt mit beiden Händen fest, andernfalls würde sich der easyLOOP-Bügel vom Cart lösen. Sollte sich der Bügel tatsächlich einmal unvorhergesehenerweise lösen, würde durch die automatische Rückfahrsperre der Carts ein Zurückrollen Richtung Tal verhindert werden.
Ausstieg: Der Gast lässt den Haltegriff los, wenn er die Ausstiegsstelle erreicht hat. Der easyLOOP-Bügel wird nun vom Cart „ausgekuppelt“ und der Gast kann bequem zur Seite wegfahren.
Getrennte Abfahrten
Über die beiden erwähnten Strecken fahren die Mountaincarts etwa 30 Minuten ins Tal – getrennt von den Bikern, welche die Trails benutzen. „Der Wartungsaufwand der Strecke hält sich in Grenzen, wir müssen nur regelmäßig die Wiese entsprechend mähen“, betont Kogler.
Die Ersten in Kärnten
Die Simonhöhe war das erste Skigebiet in Kärnten, das sich den Schlepplifttransport der Mountaincarts genehmigen ließ, so Kogler: „Entsprechend umfangreich war der Bewilligungsprozess, doch wir haben unsere Aufgaben gemacht und so waren Antrag, Probefahrt und Abnahme durch die Behörden kein Problem.“
Generell unterstützen die Unternehmen Mountaincart und easyLOOP Betreiber mit Know-how und vorhandenen Dokumenten, so dass der Prozess der Eingabe möglichst einfach und zeitnah von statten geht.
„Trotzdem sollte der Betreiber nach unserer Erfahrung immer einige Wochen einrechnen und genügend zeitliche Puffer einplanen“, betont Jeßberger. Zum Testen und Abnehmen stehen kostenfrei und unverbindlich Mountaincarts zur Verfügung.

Mountaincarts auf der Sommeralm
Genau diesen Prozess hat kürzlich der Holzmeisterlift Sommeralm durchlaufen. Das kleine steirische Skigebiet wird Mitte Mai mit 20 Mountaincarts starten – und so seinen Bikeberg um eine weitere Attraktion bereichern.
„Ein halbes Jahr haben wir für die Genehmigung benötigt, das tatsächliche Umrüsten geht deutlich schneller“, berichtet Geschäftsführer Wolfgang Wiltschnigg. Die Liftspuren sind mit Matten ausgelegt, damit die Bikes und Carts keine Rillen bilden, der Ausstieg wurde aufgeschüttet, damit die Fahrzeuge gut wegrollen.
Die Abteilung Sport & Tourismus des Landes Steiermark fördert das Projekt, ebenso das LEADER-Programm. Auch auf der Sommeralm sind die Abfahrten getrennt: Fünf Biketrails mit insgesamt 6,5 Kilometern Länge steht eine 1,1 Kilometer lange Cartstrecke gegenüber, wobei deren Ausbau angedacht ist.
„Von den Mountaincars versprechen wir uns nicht nur eine Angebotsverbesserung für Familienmitglieder, die nicht biken, sondern auch neue Zielgruppen, wie Schulklassen und Vereine. Zudem wollen wir durch die Carts die Gäste darauf aufmerksam machen, dass wir auch im Winter ein tolles Ziel sind“, erklärt Wiltschnigg.
Das Alleinstellungsmerkmal in der Südoststeiermark ist jedenfalls gegeben, die nächste Mountaincart-Station ist 50 Kilometer entfernt.