Evakuierungs-Übung an der Câble C1: So funktioniert das System im Notfall

Am 9. Juni wurde der Betrieb der Pariser Seilbahn Câble C1 für einige Stunden für eine Sicherheitsübung unterbrochen. Dabei wurde unter anderem das Szenario eines Totalausfalls aller Systeme geprobt, bei dem eine Kabine hoch oben an einer Stütze feststeckte. SI sprach mit Île-de-France darüber, wie die Feuerwehr in solchen Fällen vorgehen muss.

Die Câble C1, die erste Seilbahn im Pariser Großraum, unterbrach ihren Betrieb zwischen Limeil-Brévannes und Villa Nova am Dienstag, dem 9. Juni 2026, von 10:00 bis 15:00 Uhr für eine Evakuierungsübung der Pariser Feuerwehr.

Die Feuerwehr probte dabei Einsatzabläufe, die speziell auf eine Seilbahn zugeschnitten sind.

Notantriebssysteme

Generell sollen die Kabinen im Notfall durch Notantriebssysteme automatisch die Stationen erreichen.

Nach Angaben von Île-de-France sind alle Systeme der Câble C1 doppelt vorhanden: Motor, Notstrombatterie und Kommunikation.

Im Falle einer Störung bringt ein integriertes Rettungssystem die Kabinen automatisch zur vorherigen Station zurück, sodass die Fahrgäste sicher auf dem Bahnsteig aussteigen können, ohne dass ein Eingreifen von außen erforderlich ist.

Diese Mechanismen sollen laut Île-de-France 99,9 Prozent aller möglichen Situationen abdecken.

Notfallkonzept:

Eine manuelle Evakuierung wäre nur bei einem gleichzeitigen Ausfall aller Systeme erforderlich.

Ein Nullrisiko gibt es nicht

Allerdings gibt es kein absolutes Nullrisiko: Nur in dem extremen Ausnahmefall eines gleichzeitigen Ausfalls aller Systeme würde eine manuelle Evakuierung eingeleitet.

Daran wären die spezialisierten Feuerwehrleute der Pariser Feuerwehr (Brigade de Sapeurs-Pompiers de Paris, BSPP) beteiligt.

Manuelle Evakuierung

Wenn eine manuelle Evakuierung notwendig ist, gehen die Einsatzkräfte der GRIMP (Groupe de Reconnaissance et d’Intervention en Milieu Périlleux) – einer auf Höhenrettung spezialisierten Einheit – nach zwei Methoden vor:

  • Evakuierung per Rettungskorb oder Plattform
  • Abseilen aus der festsitzenden Kabine

Beide Methoden wurden bei der Übung am 9. Juni praktisch angewendet, wobei Statisten als Fahrgäste unter möglichst realistischen Bedingungen eingesetzt wurden.

Während des gesamten Einsatzes ist die Kommunikation doppelt abgesichert: Die Leitstelle steht in direktem, ständigem Kontakt mit den Fahrgästen an Bord, um sie zu informieren und jegliches Risiko einer Panik während der Wartezeit auf die Rettungskräfte zu vermeiden.

Um der schwierigen Zugänglichkeit vorzubeugen, setzten die Einsatzkräfte ein innovatives Zugangssystem für die Stützen – den sogenannten „Highstep“ – ein. Dieses wurde speziell entwickelt, um Rettungsmaßnahmen in den am schwersten erreichbaren Bereichen zu beschleunigen.

Wenn eine Kabine über einer Bahnstrecke oder einer Straße festsitzt, wird der Bereich am Boden im Vorfeld in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden und Betreibern abgesichert.

Sicherheitsübungen an der Câble C1

werden künftig regelmäßig durchgeführt.

Die Übung am 9. Juni

Für den 9. Juni wurde bewusst das anspruchsvollste Szenario gewählt: ein Totalausfall aller Systeme, bei dem eine Kabine in der Höhe an einer Stütze feststeckt und die als Statisten eingesetzten Fahrgäste evakuiert werden müssen.

Der Alarm wurde durch einen echten Anruf bei der Feuerwehr (BSPP) ausgelöst, wodurch die reale Alarmierungskette vollständig nachgestellt wurde.

An der Übung waren somit Transdev (der Betreiber der Câble C1), die Feuerwehr (BSPP), die Höhenretter (GRIMP) und die Abteilungen der Pariser Polizeipräfektur unter einer einheitlichen Kommandostruktur beteiligt – von der Alarmauslösung bis zum Ende des Einsatzes.

Eine ähnliche Übung hatte bereits im November 2025 stattgefunden, und das regelmäßige Training wird auch künftig fortgesetzt. Angesichts der Einzigartigkeit dieser Infrastruktur ist eine ständige Vorbereitung eine absolute betriebliche Notwendigkeit, um die Sicherheit der Fahrgäste zu gewährleisten.