
Beschneiung & Pistenpflege, Management & Tourismus
Freier Raum statt Skipiste: Skigebiet stellt technische Beschneiung ein
Die technische Beschneiung am Kolben im deutschen Oberammergau wird eingestellt und das Gebiet wird künftig als „freier Skiraum“ zur Verfügung stehen, berichtet Merkur.de.
Medienberichten zufolge haben die Oberammergauer Bürger per Post diese Information erhalten.
Vom Gewinn zum Millionen-Defizit
Noch vor wenigen Jahren lohnte sich der Aufwand: Zwischen 2013 und 2020 konnte das Skigebiet immerhin noch rund 45.000 Euro Gewinn pro Saison erwirtschaften. Doch diese Zeiten sind vorbei.
Seit 2021 hat sich der Kolben im Winter zu einem reinen „Draufzahlgeschäft“ entwickelt, wie Klement Fend, Geschäftsführer der AktivArena am Kolben GmbH, gegenüber Merkur.de offen zugibt.
Die erschreckende Bilanz: Allein in den vergangenen drei Saisons summierte sich das Defizit auf über eine Million Euro.
Das Skigebiet am Kolben
ist für viele Einheimische ein besonderer Ort – hier haben viele das Skifahren gelernt.

Ursachen der Krise
Die Gründe für die Probleme sieht die Führung des Skigebiets hauptsächlich im Klimawandel. Einerseits bedeuten höhere Temperaturen weniger Naturschnee. Andererseits werden die Zeitfenster, in denen beschneit werden kann, kürzer. Das Ergebnis: weniger Betriebstage, sinkende Einnahmen.
Auch die gestiegenen Energiekosten verschlimmern die Situation. Im Ergebnis wird nach 15 Jahren die technische Beschneiung am Kolben eingestellt.
Lesen Sie auch:
Schneesicherheit: Beschneiung als Überlebensfrage
Beschneiung, Finanzierung und Führung bestimmen die Zukunft von kleinen Skigebieten. Das größte – für Geschäftsführer haftbare – Risiko liegt im Zögern und Nichtstun, davon ist unser Autor Thomas Kalcher überzeugt. Die größte Chance sieht er in mehr Öffnungstagen.
Freier Skiraum und Fokus auf den Sommer
Trotz dieses Rückschlags soll der Kolbensattel auch in den kommenden Jahrzehnten ein attraktiver Ort für Einheimische und Touristen bleiben.
Im Winter wird das Gebiet künftig als freier, nicht präparierter Skiraum für Naturschnee-Liebhaber zur Verfügung stehen. Die Sesselbahn und die Kolbensattelhütte bleiben weiterhin geöffnet.
Gleichzeitig wird der Fokus verstärkt auf die wärmeren Monate gelegt. Schon vor 15 Jahren haben die Gesellschafter den Sommerrodelbahn „Alpine Coaster“ von der Gemeinde übernommen – ein vorausschauender Schritt in Richtung Ganzjahresbetrieb.
In Zukunft soll der Betrieb zwischen Frühjahr und Herbst noch weiter ausgebaut werden. Erste Ideen dafür gibt es bereits, wie Andrea Kabisch, Sprecherin der AktivArena, bestätigt. Konkrete Details könne sie derzeit aber noch nicht nennen.
Lesen Sie auch:
Rettet der Sommertourismus Skigebiete im Klimawandel? Warum dieser Ansatz kein Allheilmittel ist und wieso das Wort „Tourismusgesinnung“ für Ärger sorgen kann, das berichtet Forscherin Valentina Ausserladscheider anhand einer aktuellen Studie zur Südtiroler Seiser Alm.