Schilthornbahn 20XX: Projekt mit Raffinesse vollendet

Am Schilthorn ging im Frühjahr 2026 die letzte von fünf Seilbahnen von Garaventa in Betrieb. Neben der schieren Größe von SCHILTHORNBAHN 20XX überzeugt das Projekt technisch unter anderem mit dem Seilbahnsystem Funifor und dem Energiemanagement-System ESFOR.

Drei Jahre lang wurde zwischen Stechelberg und dem Schilthorn intensiv gebaut – nun ist seit Frühjahr 2026 das Großprojekt SCHILTHORNBAHN 20XX vollendet.

Seilbahnhersteller Garaventa durfte zusammen mit zahlreichen Partnern fünf Anlagen realisieren: Die klassische Pendelbahn Stechelberg – Mürren (mit 159,4 Prozent die steilste Seilbahn der Welt), die doppelte Funifor-Anlage Mürren – Birg und deren Äquivalent zwischen Birg und Schilthorn.

Die Anlagen wurden der Reihe nach bergwärts errichtet, wobei die parallelen Abschnitte zeitlich versetzt angegangen wurden.

Betrieb clever gemanagt

Im Projekt Schilthornbahn 20XX hat man sich also bei den oberen zwei Sektionen (Mürren – Birg, Birg – Schilthorn) für ein Funifor-System entschieden. Ein Funifor ist eine Luftseilbahn mit paarigen parallel verlaufenden Tragseilen, deren Abstand etwa gleich oder größer als die Breite der Seilbahnkabinen ist.

Dadurch ist das System extrem windstabil. Die kurzen Gehänge der Kabinen ermöglichen zudem eine kompakte und flache Bauweise der Stationen. Die unabhängigen Antriebe für die einzelnen Kabinen machen Betrieb und Wartung leichter und ausfallsicherer.

Funktionsweise

Technisch gesehen wird das Funifor-Zugseilsystem aus einem einzigen gespleißten Seilring pro Linie realisiert. In beiden Stationen wird das Seil auf vertikalen Scheiben abgelenkt: zwei an der Antriebsstation im Tal und zwei an der Umlenkstation am Berg.

Das Laufwerk der Kabinen ist mit zwei horizontal ausgerichteten Ausgleichsscheiben ausgestattet, die die Installation eines mechanischen Verankerungssystems zwischen Zugseil und Laufwerk überflüssig machen (Verankerungspoller oder Vergusskegel).

Daher ist es jederzeit möglich, das Zugseil auf seiner Gesamtlänge zu prüfen.

Redundanz bei Wartung und Notfall

Die zwei unabhängigen Fahrstrecken bieten die Möglichkeit, nur eine Kabine zu betreiben. Dies erleichtert Wartungsarbeiten, da lediglich ein Abschnitt stillgelegt wird. Die unabhängig voneinander angetriebenen Fahrzeuge sind zudem ein wichtiges Sicherheitsmerkmal des Funifor-Systems.

Eine zusätzliche Bergebahn, wie bei herkömmlichen Seilbahnen, ist damit überflüssig, weil im Notfall die intakte Bahn problemlos zur anderen Kabine oder langsam mit der Batterie in die Station gefahren werden kann. Die rasche Bergung ist somit gesichert.

Energie clever gemanagt

Würden die drei Sektionen des Gesamtprojekts komplett unabhängig betrieben werden, wäre der Energiebedarf im ungünstigsten Fall derart hoch, dass eine neue Freileitung ab Wilderswil bis nach Mürren bzw. Birg erforderlich geworden wäre.

Durch das Energiemanagement ESFOR (Energy Storage System for Ropeways) werden der Energiebedarf und die Verbrauchsspitzen so optimiert, dass keine neue Freileitung nötig ist. Das Konzept basiert auf zwei Stufen:

Schilthorn 20XX umfasst fünf Anlagen:

Die Pendelbahn Stechelberg-Mürren (2024) und vier einspurige Funifors; je zwei von Mürren bis Birg (2024/2025) sowie Birg bis Schilthorn (2025/2026).

Level 1: Abstimmung Fahrprogramme

Die Fahrprogramme der Bahnen werden aufeinander abgestimmt. Die Fahrten werden so gesteuert, dass die generatorische Leistung der talwärtsfahrenden Bahn optimal mit der motorischen Leistung der anderen verknüpft wird. So wird verhindert, dass unnötige Leistungsspitzen entstehen.

Level 2: E-Box

Überschüssige generatorische Energie wird in einer lokal installierten Batterie gespeichert. Energiespitzen werden durch die gespeicherte Energie abgedeckt. Die Batterie wird als Energiepuffer verwendet, um vom Netz möglichst konstante Energie beziehen zu können.

Die Batterie kann zudem mit Netzenergie geladen werden. Grundsätzlich sind die Speicher immer mit einer Mindestladung geladen. Dadurch ist bei einem Stromausfall noch eine Fahrt mit reduzierter Geschwindigkeit möglich.

Die Fahrten der Funifor-Seilbahnen

 werden so gesteuert, dass die generatorische Leistung der talwärtsfahrenden Bahn optimal mit der motorischen Leistung der anderen verknüpft wird.

Design clever gewählt

Nicht nur die Seilbahnen, sondern auch die dazugehörigen Stationen in Stechelberg, Mürren, Birg und auf dem Schilthorn sind neu. Prägend sind die hellen Kupferfassaden der Fingerdocks, die über alle Stationen hinweg einen einheitlichen, charakteristischen Stil schaffen.

Ebenfalls eindrücklich ist die sichtbare Seilbahntechnik mit den magentafarbenen Laufrädern. Sie greift Elemente der alten Seilbahnstation Gimmelwald auf, deren technischer Ausbau in den 1960er-Jahren als besonders innovativ galt.

Innerhalb der Stationen sorgen viel Holz und großzügige Fensterfronten für eine helle Atmosphäre und einen freien Blick in die einzigartige Natur.

Weitere Ausbauprojekte

Während die Seilbahntechnik vollendet ist, werden an den Stationen derzeit weitere Ausbauprojekte umgesetzt.

So entsteht in Mürren auf der Ein- und Ausstiegsebene der neuen Seilbahnen ein neuer Sport-Shop mit integrierter Bar.

Das Großprojekt von Garaventa konnte übrigens vier Monate früher als geplant abgeschlossen werden.